Eschweiler: Historiker Armin Gille stellt neues Buch vor

Neues Buch von Armin Gille : Der Historiker, der tief in Familiengeschichten eintaucht

Armin Gille schildert in seinem Bildband „Eschweilers Altstadt damals und heute“ das Leben rund um dem Markt in Gegenwart und Vergangenheit. Mehr als 200 Bilder lassen auf mehr als 200 Seiten die Geschichte des Stadtkerns lebendig werden.

Der Markt, die Kirche St. Peter und Paul, die Schnellengasse – das ist der Kern der Eschweiler Altstadt, aber keine sehr große Fläche. Und darüber kann man ein ganzes Buch schreiben? Und ob! Armin Gille stellte in der Raiffeisenbank seinen neuen großformatigen Bildband vor: Eschweilers Altstadt damals und heute. Der Andrang war enorm, die vielen Besucher hatten kaum Platz in dem Bankgebäude.

250 Bilder auf 220 Seiten lassen die Geschichte des Stadtkerns lebendig werden. Sie reicht vom Königshof Ascvilare zur Zeit Karls des Großen bis in die Gegenwart. Land- und Stadtkarten, Schnappschüsse aus dem Eschweiler Kneipenleben, vergilbte Postkarten, Volksfeste, Aufmärsche und Kirmestreiben sind zu sehen, und schließlich auch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, Schuttberge und abgedeckten Dächer: Folgen der Luftmine, die das Kirchengebäude von St. Peter und Paul halb zerstörte und fünf Menschen das Leben kostete.

Es war nicht die einzige Zerstörung Eschweilers. „Immer waren es Kriege, die Eschweiler veränderten“, berichtete Gille. 1642 im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort derart zerstört, dass nur die Kirche und vier Häuser übrig blieben. Und 1678 brannten französische Soldaten die Stadt nieder. Komplett. Aus der brennenden Kirche konnte nur ein Kunstwerk, die sogenannte Leder-Pieta, gerettet werden. Sie ist heute noch in der Kirche zu sehen.

Zu den Bildern in dem hervorragend gedruckten Band zählen auch viele Gemälde und Zeichnungen Eschweiler Künstler. Wie schön, dass so viele von ihnen Stadtmotive festgehalten haben, freute sich der Autor.

Kinderspiele auf dem Marktplatz. Auf diesem Foto von 1962 werden sich sicherlich einige ältere Eschweilerinnen wiedererkennen. Foto: Harro Schulz/EGV-Bildstelle

Es sind aber nicht nur die Bilder, die den Wert des neuen Buchs von Armin Gille ausmachen, es sind ebenso sehr die Geschichten, die der Autor zu erzählen weiß. „Mit Einfühlungsvermögen taucht er in Familiengeschichten ein, denn er schaut nicht nur auf die Fassaden der Häuser, er blickt auch dahinter“, berichtete Sven Rehfisch, Sprecher des Vorstands der Raiffeisenbank.

Wie schon für sein vor vier Jahren erschienenes Buch „Eschweilers verschwundene Straßen“ hat Gille viele alteingesessene Eschweiler Bürger besucht und sich erzählen lassen, wie es früher war, er hat sich Familienbilder zeigen lassen und Namen und Geschichten notiert.

Erinnerungen an Persönlichkeiten

Das macht sein neues Buch auch zu einem Erinnerungsbuch. So viele Gesichter, die jeder kennt, der lange in dieser Stadt gelebt hat. Die Dynastie Baur von „Baur am Markt“ wird vorgestellt, das Original „Granraths Marie“ als eine Marktfrau, die sogar Thema eines Karnevalsordens wurde. Und auch die Restaurant- und Gaststättenbetreiber, die Ladeninhaber und Kneipiers von anno dazumal bis hinein in die Gegenwart, vom Weinhaus vom Reth bis zu Michael Essers Mexi & Co.

Immer wieder gab es bei dem Powerpoint-Vortrag, mit dem Armin Gille auszugsweise sein Buch vorstellte, Kenntnis verratendes Gemurmel aus dem Publikum: Ja, das ist der Metzger Löhmann, und so ging es auf dem Wochenmarkt zu. Und dort der Messdiener bei einer Primizfeier 1953, das ist doch der spätere Schulrektor Josef Görtz!

Almabtrieb in Eschweiler? Nein, 100 Jahre Kolpingsfamilie. Beim Festumzug 1954 war auch die Metzgerzunft ganz zünftig vertreten. Foto: Archiv Armin Gille

Selbst für Kenner der Eschweiler Geschichte bietet der neue Bildband Überraschendes. Wer weiß schon, dass dort, wo jetzt das unter Denkmalschutz stehende Gasthaus „Cuma“ (Schnoits) ist, an der Ecke zur Marktstraße, 1787 eine evangelische Kirche gebaut werden sollte? Die Gemeinde wollte die Konfrontation mit der gegenüber liegenden katholischen Pfarrkirche aber vermeiden – gebaut wurde dann an der Wollenweberstraße. Und auch die Existenz eines heute verschwundenen Fußwegs namens Hamachers Gässchen ist heute kaum noch bekannt. Sie begann an der Einmündung der Schnellengasse und verband den Marktplatz mit der Grabenstraße.

Das Buch ist in enger Abstimmung mit dem Eschweiler Geschichtsverein entstanden, viele der Bilder stammen aus dem Archiv des Vereins. Aber auch Dutzende Privatpersonen haben mit dazu beigetragen, ebenso mehrere Sponsoren. Ihnen allen dankte Armin Gille von Herzen. Das Buch ist ab sofort im Eschweiler Buchhandel erhältlich.

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