Eschweiler: Eschweiler Geschichtsverein besucht den Landtag

Eschweiler : Eschweiler Geschichtsverein besucht den Landtag

So viel Hektik und so viel Emotion hatten sie nicht erwartet, die Damen und Herren vom Geschichtsverein, die am Freitag den Landtag in Düsseldorf besuchten. Da wird ja richtig Politik gemacht! Und da laufen ja wirklich wichtige Leute herum, sogar der Eschweiler Bürgermeister! Und — auch das eine wichtige Erkenntnis — in Düsseldorf bekommt man sogar Kölsch zu trinken.

„Suchen Sie mal in Köln eine Kneipe, in der es Alt gibt“, scherzte der Vorsitzende Kurt Manthey. „Düsseldorf ist eben eine Weltstadt.“

Einmal im Jahr bietet der Eschweiler Geschichtsverein den im erweiterten Vorstand tätigen Mitgliedern eine Exkursion zu geschichtsträchtigen Zielen an, als kleines Dankeschön für Hunderte Stunden ehrenamtlicher Arbeit. Im vorigen Jahr war Belgiens Hauptstadt Brüssel das Ziel, diesmal ging es auf Einladung des Eschweiler SPD-Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling nach Düsseldorf. Im kommenden Jahr ist vielleicht ein Berlin-Besuch möglich.

Die eigentliche Arbeit, so erfuhren die Besucher des Landtags bei einem einführenden Vortrag, geschehe in den Ausschüssen des Parlament: „Der Landtag von Nordrhein-Westfalen ist kein Redeparlament, wie noch im 19. Jahrhundert üblich, sondern ein Arbeitsparlament.“

Plenarsitzungen gibt es meist nur an zwei oder drei Tagen im Monat. Aber der Freitag war ein solcher Tag, und deshalb saßen die Besucher aus Eschweiler auf der Tribüne und empfanden diese Landtagssitzung als lehrreiche Überraschung.

Denn die Abgeordneten des Landtags nickten nicht fertig ausgehandelte Kompromisse ab, sondern diskutierten mit viel Sachkunde, mit Zwischenrufen und Nachfragen zu Themen, die auf der Tagesordnung eher langweilig aussahen, etwa eine Internationale Gartenbauausstellung 2027 oder die Möglichkeit, ein Urlaubssemester für Gründerinnen und Gründer einzuführen. Da ging es leidenschaftlich und manchmal auch lautstark zur Sache.

Querelen mit er AfD

Im Foyer des Landtags trafen die Vorständler des Geschichtsvereins auf Rudi Bertram. „Es weiß doch gar keiner, dass ich in Düsseldorf bin“, staunte der Eschweiler Bürgermeister. Dort ist er aber oft. Er verhandelt bei Themen, die für die Eschweiler Zukunft wichtig sind, gerne direkt mit Ansprechpartnern in den Düsseldorfer Ministerien.

Dass es im Landtag zeitweise auch hektisch zuging, lag an Querelen mit den Abgeordneten der AfD, was auch zu einer Unterbrechung der Plenarsitzung führte. Stefan Kämmerling nutzte die Zeit, um den Besuchern seine Aufgaben in den Landtagsausschüssen zu beschreiben, einschließlich seiner neuen Funktion als Kommunalpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion — ruhig und konzentriert, aber dabei immer mit einem Ohr Richtung Handy, denn als nächster Punkt der Plenarsitzung stand die Reformation der Grundsteuer auf der Tagesordnung, und dazu sollte er eine Rede halten.

Den Vorstand des Geschichtsvereins interessierte die Grundsteuer allerdings nicht so sehr wie ihr derzeit größtes Projekt, die Umgestaltung des Kirschenhofs an der Dürener Straße zu einem Vereinsheim, das zugleich Heimatmuseum und Außenstelle des Standesamtes werden soll. Bei diesem Vorhaben erhofft sich der Geschichtsverein politische Unterstützung sowohl für den Umbau als auch für den späteren Betrieb. Ob Kämmerling vielleicht auch Kontakte zur NRW-Stiftung knüpfen könne, bei der man sich um finanzielle Unterstützung bemüht? Kämmerling sagte sein Engagement zu: „Ich bin ein Fan des Projekts“.

Apropos Heimatmuseum: Wie spannend und lehrreich ein didaktisch gut gemachtes Museum sein kann, erfuhr der Vorstand des Geschichtsvereins gleich gegenüber vom Landtag, im Haus der Parlamentsgeschichte. Dieses Museum nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise an die vier Orte, an denen das Landesparlament seit 1946 getagt hat: in das Opernhaus, die Henkel-Werke, das Ständehaus und schließlich den neuen Landtag am Rhein.

Aschenbecher bleibt tabu

Mit vielen Original-Gegenständen und -Möbeln ausgestattet, mit akustischen Zeitzeugnissen hörbar gemacht und von Wolfgang Gärtner, einem kundigen Historiker und früheren Mitarbeiter des Landtags, erläutert, lässt dieses Museum die Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen lebendig werden. Und wann sonst hat man schon mal die Chance, am Kabinettstisch der Landesregierung zu sitzen, auf den echten alten Sesseln, auf denen früher die Minister saßen, oder gar auf dem Platz von Ministerpräsident Johannes Rau?

Nur den Standaschenbecher aus den 60er Jahren, den die qualmenden Volksvertreten früher bis zum Rand mit Kippen füllten, den durften die Eschweiler Besucher dann doch nicht benutzen.

Für den Ausklang der Exkursion hatte Organisator Kurt Manthey im Biergarten des Restaurants Eigelstein Plätze reserviert — die wahrscheinlich einzige Gaststätte in Düsseldorf, in der statt Alt das bei Eschweilern deutlich beliebtere Kölsch aus dem Zapfhahn fließt. Das war an dem heißen Freitag Nachmittag dann die optimale Abkühlung.

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