Eschweiler: Gefährliche Fußgängerbrücke am Bahnhof

Ärger mit dem Bahnhofsumbau : Nach New York doch lieber ab Aachen

Marita H. (Name von der Redaktion geändert) hat’s geschafft. Die Eschweiler Geschäftsfrau ist wohlbehalten in New York angekommen. Eine lange Reise. Deren schwerster Teil gleich zu Beginn bewältigt werden musste. In Eschweiler.

Um in Frankfurt ihren Flieger zu bekommen, musste Marita H. mit dem Zug in die Mainmetropole reisen. Also zunächst mit dem Regionalexpress nach Köln, um dort in den ICE zu wechseln. Allerdings: In Eschweiler einzusteigen, das wollte Marita H. sich nicht antun. Ihr Handgepäck und einen schweren Koffer teils schneebedeckte und eisglatte 122 Stufen der provisorischen Fußgängerbrücke hinauf und wieder runter zu wuchten, das erschien ihr unzumutbar. Sie biss in einen anderen sauren Apfel: nahm ein Taxi nach Aachen und stieg dort ein.

Barrierefrei soll er werden, der Eschweiler Hauptbahnhof. Bis dahin aber ist es noch ein weiter Weg. Und ein ziemlich glatter: auf dem Verbindungsstück zwischen Bahnhofsvorplatz und dem östlich des Hauptgebäudes montierten Brückenmonster ist weder geräumt noch gestreut. Ein Bahnhofsbesucher kommt auf der festen Schneedecke ins Rutschen. Und flucht, als er die in den Himmel ragenden Treppenstufen erblickt: Er will seine Ex-Frau und ihren gemeinsamen Sohn abholen, die in einem anderen Teil Deutschlands leben und für einige Zeit zu Besuch kommen. „Wie soll der Junge denn die Koffer da rüberschleppen?!“, stöhnt er. Er selbst kann aus gesundheitlichen Gründen kaum helfen. „Der arme Junge“, sagt er. Und setzt gnadenlos hinzu: „Was die Frau macht, ist mir egal. Wir sind ja schließlich geschieden.“

Seit November wird am Bahnhof gebaut. Mit einer Menge Einschränkungen: Der Parkplatz wurde drastisch verkleinert, um auf der Fläche Baumaterial lagern zu können. Das Glasdach über dem Bahnsteig 1 wurde zwecks späterer Erneuerung demontiert, was aber nicht weiter stört, da der Bahnsteig 1 ohnehin komplett Baustelle ist. Was auch bedeutet, dass die Toiletten dort nicht zugänglich sind. Stattdessen steht ein einzelnes Dixi-Klo am Baustellenrand. Wer hier etwas zu erledigen hat, der muss dabei klirrender Kälte trotzen.

Die Rückseite des Hauptbahnhofs (links) ist Baustelle. Auch die Toiletten sind nicht zugänglich. Ersatz: ein frostklirrendes Dixie-Klo. Foto: Rudolf Müller

Überhaupt: Mit dem Winterwetter verstärkten sich die Probleme: Die Treppenstufen und der Belag der Brücke selbst sind, wenn nass, ganz schön rutschig, beklagen Reisende. Daran ändert auch das Lochprofil der Eisenplanken offenbar wenig.

2020 - wann auch immer - soll der Umbau abgeschlossen sein. Dann soll hier auch eine Fußgängerüberführung mit Aufzügen existieren. Bis dahin fahren Reisende (z.B. mit der Euregiobahn) lieber vom Talbahnhof nach Stolberg, Aachen oder Düren, um ihren Zug zu bekommen.

Die Deutsche Bahn (DB) erneuert auch die Eisenbahnüberführung Burgstraße. Dazu muss die Strecke zwischen Aachen und Düren für die Nächte vom 8./9. Februar bis 24./25. Februar gesperrt werden. In dieser Zeit fallen die Spät- und Frühzüge der Regional-Express-Linien RE 1, RE 9, sowie der Regional-Bahn-Linie RB 20 zwischen Aachen und Düren/Langerwehe aus und werden durch Busse ersetzt. Alle Fahrplanänderungen sind in den Online-Auskunftssystemen enthalten und werden über Aushänge an den Bahnsteigen bekannt gegeben.

Außerdem sind sie unter bauinfos.deutschebahn.com/nrw und über die App „DB Bauarbeiten“ abrufbar. Weitere Infos gibt es bei der Kundenhotline von DB Regio NRW unter Tel. 0180/6-464-006 und dem kostenfreien Bahn-Bau-Telefon unter 0800/5-99-66-55. Die Bahn bittet um Verständnis für die Unannehmlichkeiten.

Mehr von Aachener Nachrichten