Eschweiler: Gartenbauverein Dürwiß feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag

Jubiläum auf 9000 Quadratmetern : Der Gartenbauverein Dürwiß feiert Ende August seinen 50. Geburtstag

Wer sein Gemüse und Obst selbst anbaut, der muss wissen, wie das geht – ein Garten braucht Zeit und Pflege. Hans Stumpf kennt sich heute sehr gut mit der Natur aus, vor 50 Jahren war das noch etwas anders, als er mit dem Gärtnern anfing.

„A dons liet man“, sagt er deswegen auf Platt. „Durch Tun lernt man.“ Stumpf war 1969 mit 32 Jahren einer der Ersten im Gartenbauverein Dürwiß. Es ist der einzige offizielle Verein dieser Art in Eschweiler, dieses Jahr wird er 50 Jahre alt.

Und Uwe Chudziak glaubt, dass ein Ende des Vereins noch lange nicht in Sicht ist. Chudziak ist auch Mitglied. „Das Bewusstsein für Bio wächst wieder“, sagt er. „Es heißt ja nicht umsonst, dass viele alte Dinge irgendwann mal zurückkehren.“ Das traditionelle Gärtnern in einer kleinen Anlage, in Gemeinschaft, ohne Chemikalien gehört dazu, findet er. In den 2000er Jahren hatten er und seine Frau Ulrike schon für acht Jahre eine Parzelle, Ende 2018 haben sie die von Hans Stumpf übernommen. Die Arbeit habe ihn immer „jung und gesund gehalten“, aber dann ging es doch nicht mehr. Kontakt zum Verein hält er natürlich noch, deswegen ist der 82-Jährige auch dabei, als fünf Mitglieder über die Gemeinschaft und ihr Hobby erzählen.

Ihre kleine Oase, ihr Paradies liegt etwas versteckt am Dürwißer Ortsrand, in Hörweite zur A4, am Ende der Straße Am Fließ. Dort liegen 23 Parzellen, also gibt es 23 Pächter, die jeweils zwischen 350 und 400 Quadratmeter pflegen. Zusammen macht das rund 9000 Quadratmeter; den Pachtvertrag hat die Stadt jüngst für 20 weitere Jahre verlängert.

Eine Vorzeigeparzelle: Erwin Martinett pflegt seinen Kleingarten seit 1997. Foto: ZVA/Carsten Rose

Zwei Drittel der Fläche muss jeder Pächter für Nutzgarten vorsehen, das letzte Drittel für Randanlagen. Zur Randanlage gehören auch kleine Häuschen (mit Küchenzeile) und Sitzecken. Übernachten ist nicht erlaubt, was jedoch auch nicht notwendig ist, weil der Großteil der Mitglieder in Dürwiß wohnt. Nur vereinzelte kommen aus dem Zentrum, zum Beispiel Sibilla Lehmann, 61, und ihr Mann Wolfgang. Er ist seit April 2018 der Vorsitzende des Vereins. Seit 2011 haben sie eine Parzelle. Es gab mal Jahre, sagt Sibilla Lehmann, da war die Warteliste für frei werdende Parzellen groß, die Anzahl der Interessenten zweistellig. Heute sind es nur einige wenige Anfragen, was sich aber auch immer wieder ändern könne. Sei die Nachfrage aber auch noch so groß, eine Vergrößerung der Gesamtfläche ist nicht möglich.

Bei der Vergabe haben Familienmitglieder Vorrang. So weiß zum Beispiel Erwin Martinett, 72, dass seine 44-jährige Tochter mit ihrer Familie seinen Garten übernimmt, wenn er aufhört. Seit 1997 pflegt er seine Parzelle nun schon. Andere Mitglieder bezeichnen sein Grün als Vorzeigegarten. Die Arbeit lohne sich auch nicht nur für ihn, sagt er: „Von dem Garten kann die ganze Familie leben. Alleine kann man das alles gar nicht verbrauchen.“ Würde man alle verschiedenen Kohlarten, Salate & Co. zusammenzählen, komme man problemlos auf 20 bis 25 Sorten. Untereinander geben sich die Gärtner Tipps, sie tauschen die Ernte auch untereinander. „Der eine ist eben besser in Kartoffeln, der andere in Erbsen“, sagt Hans Stumpf.

Kein Regen, keine Schnecken

In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich einiges getan: Seit 1984 hat die Gemeinschaft ein Vereinsheim samt Küche zentral auf der Anlage für regelmäßige Aktivitäten, aber einen sonntäglichen Frühschoppen wie zu Anfangszeiten bei Hans Stumpf gibt es mittlerweile nicht mehr. Die Zeiten haben sich geändert. Wie viele Pächter insgesamt Teil der Gemeinschaft waren, lässt sich heute schwer sagen. Manche Parzellen hätten vielleicht fünf Mal gewechselt, andere mehr, andere weniger.

Zu Dingen, auf die die Gärtner keinen Einfluss haben, zählt zum Beispiel: das Wetter. Der ausgiebige und für die Böden dringend nötige Dauerregen wird seltener. „Egal, ob man mit Gießkanne oder Schlauch wässert – das ist kein Regen“, sagt Erwin Martinett. Einziger Vorteil: Schneckenplagen wie vor einigen Jahren bleiben aus; es ist zu trocken. Martinett erinnert sich auch noch gut an das Jahr 2003, damals spielte das Wetter auch verrückt. In dem Fall war es Hagel. „Innerhalb von einer Viertelstunde war der ganze Garten kahl, so etwas habe ich noch nie vorher gesehen“, erzählt Martinett.

Den 50. Geburtstag des Vereins, dessen Gründung am 24. Oktober 1969 war, feiern die Mitglieder Ende des Monats. Die gängige Floskel „Für das leibliche Wohl ist gesorgt“ gilt an jenem Tag in doppeltem Sinne: „Wir wissen, wo das Essen herkommt und was drin ist“, betonen die Hobbygärtner.

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