Eschweiler: Fußgängerunterführung ersetzt Bahnübergang Jägerspfad

Fußgängertunnel unter der Bahnstrecke im Bau : An der Burgstraße buddelt die Bahn

Lange hat’s gedauert. Erst war die Bahn jahrelang nicht dazu zu bewegen, den Eschweiler Hauptbahnhof in einen zeitgemäßen und kundenfreundlichen Zustand zu versetzen – dann musste im Sinne der Bahn alles ganz schnell gehen: weil nur bei Einhaltung einer engen Frist die ab dem Jahr 2020 auf der Strecke Aachen – Köln eingesetzten neuen Regionalexpress-Züge RRX in Eschweiler die technischen Voraussetzungen für einen Halt fänden.

Dabei band die Bahn den Umbau des Bahnhof mit der nötigen Verlängerung der Bahnsteige, einer neuen Überdachung des Bahnsteigs am Hauptgebäude und einem barrierefreuen Zugang an das Einverständnis der Stadt, den von der Bahn ungeliebten Bahnübergang Jägerspfad zu schließen. Die Stadt befürchtete erhebliche Verkehrsprobleme durch die Verlagerung des Individualverkehrs vom Jägerspfad via Florianweg auf den Sticher Berg und das dortige Bahntunnel-Nadelöhr. Nach langen Diskussionen sah der Rat sich genötigt, einzuwilligen, da die Bahn andernfalls Eschweiler vom Regionalexpress-Verkehr abzukoppeln drohte.

Bei der Bahn liest sich das etwas anders: „Bahnübergänge (BÜ) wie am Jägerspfad in Eschweiler stellen grundsätzlich Gefahrenpunkte im Verkehr dar. Wenn Straße und Schiene sich auf gleicher Höhe kreuzen, entstehen zudem oft lange Schließ- und Wartezeiten, gerade bei vielbefahrenen Strecken wie der Ausbaustrecke (ABS) 4. Für solche Fälle sieht das Eisenbahnkreuzungsgesetz (EKrG) eine ,nachhaltige Verbesserung der Ver-kehrsabwicklung’ vor. Die Stadt Eschweiler, die DB Netz AG und der Bund haben deshalb als Kreuzungsbeteiligte einvernehmlich eine sogenannte Kreuzungsvereinbarung zur Schließung des BÜ abgeschlossen.“

Separate Linksabbiegespur

Für den Kraftfahrzeugverkehr wurde bereits der Florianweg bis zur K 33 (Stich) verlängert und eine separate Linksabbiegespur auf der Straße Stich gebaut, die wartende Fahrzeuge mit Fahrtrichtung Florianweg aufnimmt und Störungen auf der Geradeausrichtung vermeidet. „Durch die Schließung des Bahnübergangs und die damit verbundene neue Straßenführung sind keine signifikanten Verlagerungen der Verkehre zu erkennen“, heißt es seitens der Bahn, die sich dabei auf unabhängige Verkehrszählungen beruft und betont: „Für die betrof-fenen Anwohner ist das in Hinsicht auf die Umweltbelastung wichtig.

Fußgänger und Radfahrer sollen aber auch weiterhin eine direkte Anbindung aus dem Wohngebiet Ringofen ins Zentrum nutzen können. Deshalb plant die DB Netz AG einie neue Unterführung Burgstraße auf Höhe der Gaststätte Burghof. Insbesondere das Wohngebiet am Ringofen profitiert von dieser Verbindung, mit deren Bau gerade begonnen wird. „Die Unterführung ist so gestaltet, dass sie für Mensch und Tier sicher nutzbar ist“, heißt es seitens der Bahn mit Blick auch auf die nahe Reitanlage Röthgener Burg.

Foto: Rudolf Müller

Rund ein Jahr Bauzeit plant die Bahn für die Eisenbahnüberführung an der Burgstraße ein. Erst wenn diese fertiggestellt ist, wird der Bahnübergang am Jägerspfad geschlossen, darauf hatte die Stadt bei Vertragsabschluss gedrängt. Die Schließung des BÜ Jägerspfad wiederum ist Voraussetzung für die Inbetriebnahme des elektronischen Stellwerks (ESTW) im Rahmen des Projektes ABS 4.

Die ABS 4 gilt als wichtiges Projekt für die Erweiterung des europäischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Die Strecke ist Teil der Magistrale Paris–Brüssel–Köln–Amsterdam/London, die durch die EU-Verkehrspolitikals TEN-Korridor (TEN = Transeuropäische Netze) definiert wurde. Diese integrierten Netze mit modernster Technologie sollen Europa näher zusammenbringen und die europäische Wirtschaft stärken.

Ziel ist es, langfristig von Düren bis Eschweiler die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf bis zu 200 sowie von Eschweiler bis Aachen auf bis zu 160 Kilometer pro Stunde anzuheben. Derzeit sind hier nur Geschwindigkeiten bis 120, teilweise sogar nur bis110 Kilometer pro Stunde möglich.

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