Eschweiler: Ein Gremium entschärft Unfallhäufungspunkte

Arbeit der Unfallkommission : „Unfälle passieren immer aufgrund eines Fehlverhaltens“

Ein tödlicher Verkehrsunfall ist der schwerste anzunehmende Grund, warum sich die sogenannte Unfallkommission trifft. Das war in Eschweiler zum Beispiel nach dem 3. Juni 2018 so.

Damals ist eine Frau auf der Aachener Straße gestorben, als sie aus Würselen kommend nach links Richtung St. Jöris abbiegen wollte. Von hinten kam ein Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit angefahren und erfasste das Auto der Frau, während er überholte. „Unfälle passieren immer aufgrund eines Fehlverhaltens eines Verkehrsteilnehmers“, betont Sascha Engels vom städtischen Ordnungsamt. „Dennoch suchen wir immer nach Möglichkeiten, die Verkehrssituation besser oder sicherer zu machen.“

An der Aachener Straße stehen deswegen jetzt in beiden Fahrtrichtungen je zwei große gelbe Schilder, die auf die Einmündung nach St. Jöris hinweisen, und die Überholverbotszonen aus beiden Richtungen sind verlängert worden. Damit ist zwar nicht garantiert, dass an dieser Stelle niemand mehr rast, überholt und kein schwerer Unfall mehr passiert – aber objektiv sind potenzielle Gefahren für Verkehrsteilnehmer jetzt sichtbarer. „Diese Schilder an der Kreuzung nach St. Jöris haben auch die Bürger gefordert, was ich vollkommen verstehen kann“, sagt Sascha Engels. „Es kann auch sein, dass es nicht die letzte Maßnahme war, aber bei einem möglichen Kreisverkehr sprechen wir von Jahren, bis es soweit sein könnte.“

Kennen die Arbeit der Unfallkommission: Sascha Engel (links), der stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes, und sein Mitarbeiter Dustin Linzen. Foto: ZVA/Carsten Rose

Was ist überhaupt diese Unfallkommission, die entscheidet, ob und was sich im Straßenverkehr ändert? Wenn in Eschweiler etwas passiert, setzen sich Vertreter der Stadt Eschweiler, die Straßenverkehrsbehörde und ein Fahrradbeauftragter der Städteregion, die Polizei und Fachleute aus dem Öffentlichen Personennahverkehr (etwa von der Aseag) zusammen. Das Gremium tagt entweder nach einem schweren Unfall oder einmal jährlich zur Mitte des Jahres. Es diskutiert dann, ob und welche Unfallhäufungsstellen es in Eschweiler gibt. „Wir analysieren dann auch mit Ortsbegehungen, ob mehrere Unfälle etwas miteinander zu tun haben“, sagt Sascha Engels und erklärt: „Wenn an einer Stelle drei Unfälle passiert sind, aber bei einem Alkohol der Grund war und bei einem anderen Unaufmerksamkeit zu einem Auffahrunfall geführt hat, dann würden neue Maßnahmen nichts bringen.“ Diese Gemengelage trete relativ häufig auf, sagt Engels.

Die Kommission versucht also, Unfälle mit den gleichen Ursachen herauszufiltern und gegebenenfalls eine Lösung zu finden. Eines dieser Beispiele kennen Autofahrer am Blausteinsee: Wer aus Richtung Freibad kommend zum Kreisverkehr fahren will, muss an einem Stoppschild halten. Vorher war es eine Vorfahrtsstraße. 2018 gab es an dieser Stelle drei protokollierte Unfälle, die Dunkelziffer der brenzligen Situationen liegt mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich höher. „Autofahrer haben oft die Kurve geschnitten, deswegen sind die Unfälle passiert. Seitdem die Stoppschilder dort stehen, ist nichts mehr passiert“, betont Sascha Engels, der auch sagt, dass eben diese Stelle in der Vergangenheit nur im Jahr 2018 so stark aufgefallen ist in der Unfallstatistik.

Es gebe auch Verkehrssituationen, die nicht zwingend geändert werden müssten, die Stadt aber trotzdem eingreift. Wie an der Kreuzung Kochsgasse Ecke Dürener Straße: Fußgänger, die die Kochsgasse kreuzten, seien von Autofahrern, die aus der Dürener Straße kommend nach links auf die Kochsgasse abbiegen, teilweise übersehen worden. „Das ist für uns gar nicht nachvollziehbar“, sagt Dustin Linzen vom Ordnungsamt. „Wir schauen auch immer, ob Werbetafeln ablenken oder etwas die Sicht beeinträchtigt.“ An der Ecke sei das nicht der Fall, dennoch wird demnächst eine blinkende Ampel montiert, die auf Fußgänger hinweist.

„Trotz viel Verkehr in der Innenstadt liegen wir in Eschweiler ganz im Schnitt, was Unfallhäufungspunkte angeht“, betont Sascha Engels. Wenn es sie gibt und die Kommission Änderungen entschieden hat, werde auch nach einer bestimmten Zeit – beziehungsweise einmal jährlich – überprüft, ob diese auch umgesetzt worden sind. Bei Unfallhäufungspunkten ist aber auch zu beachten, dass dieses Merkmal von dem Verkehrsaufkommen abhängt. Es ist ein Unterschied, ob ein Unfall auf der Kochsgasse passiert oder auf der Rue de Wattrelos: Dort fahren täglich weit mehr als 30.000 Fahrzeuge – Tendenz deutlich steigend.

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