Eschweiler: "Eberhard" sorgt für mehr als 60 Einsätze

Sturmtief „Eberhard“ : Alarm schrillt im Fünf-Minuten-Takt, Bürger sollen Stadtwald meiden

500 Eichen wollten sie am Sonntag pflanzen, um den Eschweiler Stadtwald aufzuforsten. Leider wurde aus dem großen Vorhaben der Mädchen und Jungen vom „Tree Team West“, das über einen Dachverein kleinere Umweltaktionen in der Region plant, nichts.

Nun ja, einen Baum pflanzten sie dann doch. Symbolisch – an einer ungefährlichen Stelle. Wegen der aktuellen Wetterlage bat die Stadt Eschweiler am Sonntag darum, den Stadtwald nicht zu betreten.

Diese geplatzte Aktion war nur eine der Folgen des Sturmtiefs „Eberhard“. Mit bis zu 115 Stundenkilometern fegte der Sturm übers Land und richtete reichlich Schaden an. Innerhalb von sechs Stunden musste die Eschweiler Feuerwehr über 60 Mal ausrücken, um umgestürzte Bäume, heruntergewehte Dächer und Dachziegel zu beseitigen und vollgelaufene Kanäle zu entlasten.

Die Alarmglocke schrillte erstmals um 12.30 Uhr: An der Mariadorfer Straße war ein Baum umgestürzt. Noch während die Mannschaft der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache diese Gefahr beseitigte, ging es Schlag auf Schlag, so dass die Wehr erste freiwillige Löschzüge alarmierte. Bis etwa 14 Uhr liefen im Fünf-Minuten-Takt neue Einsatzmeldungen ein. Da war jede helfende Hand gefragt. Mittlerweile waren auch sechs der insgesamt acht freiwilligen Löschzüge unterwegs, um Bäume, Äste, Ziegel und umherfliegende Teile aus dem Weg zu räumen.

Sturmeinsätze Feuerwehr nach dem Sturmtief „Eberhard“. Foto: Irmgard Röhseler

Zahlreiche Bäume und Äste stürzten auf Straßen, Gehwege und einige Häuser. In Hehlrath beispielsweise war ein Baum auf ein Gebäude an der Oberstraße gekracht. Auf der Eifelstraße blockierte eine mächtige Trauerweide für mehrere Stunden die Fahrbahn. Und auch der Floraweg in Weisweiler war zeitweise nicht befahrbar, weil dort Bäume den Weg versperrten.

An der Kopfstraße in Bergrath drohte eine Fichte umzukippen, die Feuerwehr war schneller und machte Kleinholz aus dem Nadelbaum, bevor er Schlimmeres anrichtete. An einer Tankstelle an der Dürener Straße musste die Feuerwehr mit der Drehleiter ran, denn dort hatte sich bereits eine Werbetafel aus der Verankerung gelöst und war auf die Straße gedonnert. Eine weitere drohte ebenfalls aus etwa drei Metern herunterzustürzen. Die Feuerwehr demontierte das Werbeschild.

Junge Schüler aus der Region wollten den Stadtwald um 500 Eichen bereichern. Sturmtief „Eberhard“ kam aber dazwischen. Am Montag setzten die Mädchen und Jungen mit Förster Marco Lacks eine Eiche ein. Die große Pflanzaktion soll bald folgen. Foto: Irmgard Röhseler

Gegen 15 Uhr nahmen die Orkanböen an Stärke zu, so dass der Gesamtwehralarm ausgelöst wurde. Am späten Nachmittag gab es dann auch Hilfe vom THW Eschweiler. Aus allen Stadtteilen kamen mittlerweile die Hilferufe. Auch die Feuerwehr selbst blieb nicht verschont: Bei einer Fahrt wurde ein Rettungsboot vom Dach eines Fahrzeuges geweht. Auch eine Drehleiter der Wache musste an einer Einsatzstelle aufgrund eines technischen Defektes aus dem Verkehr gezogen werden. Um alle Einsätze bewältigen zu können, unterstützten wechselweise die Drehleitern aus Aachen, Simmerath und Stolberg.

Ab 17 Uhr flauten Sturm und Hilferufe merklich ab. Bis 18 Uhr hatten rund 150 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW alle Hände voll zu tun, kehrten aber wohlbehalten in die Wache zurück. Glücklicherweise. Denn jeder Einsatz bedeutet auch immer eine Eigengefährdung. „Der Eigenschutz ist stets zu beachten“, erklärt Brandamtmann Christian Haake. „Wir machen keine Harakiri-Aktionen.

Sturmeinsätze Feuerwehr nach dem Sturmtief „Eberhard“. Foto: Feuerwehr Eschweiler

Wir gehen ganz planmäßig vor und sichern uns gut ab. Wenn man alle Vorschriften beachtet, muss man nicht um sein Leben bangen“, meint der erfahrene Brandamtmann. „In ein Waldgebiet würde ich während eines Sturms allerdings keinen Kollegen schicken, das ist zu gefährlich.“

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