Eschweiler: Die Geschichte des Jugendheims Killewittchen

Eschweiler Ansichten | Damals und heute : Das Gewerkschafts-Jugendheim Killewittchen

Oberhalb von Hastenrath, in Nachbarschaft zur 1947 eröffneten Waldgaststätte „Killewittchen“ von Peter Hirtz († 1979), war es die Industrie-Gewerkschaft Metall, die 1950 in Eigenleistung das Gewerkschafts-Jugend-Freizeitheim „Killewittchen“ errichtete.

Das Grundstück wurde ihr von der Stadt im Erbbaurecht überlassen. Das Gewerkschaftsmitglied Matthias Sommer (* 1905 † 1981) bezog mit seiner Familie das im gleichen Jahr errichtete Hausmeisterhaus und übernahm die Heimleitung bis 1963. Die Nachfolge traten die Eheleute Benno Seilinger an. Einem Zeitungsartikel vom 8. März 1968 vom damaligen Redakteur Walter Niebergall († 2015) ist zu entnehmen, dass bis zu 6000 Übernachtungen in einem Jahr gezählt wurden und die Zahl der Besucher noch beträchtlich größer war.

Diesen Ansprüchen war inzwischen das Nachkriegsheim nicht mehr gewachsen. Es wurde um 120 Quadratmeter vergrößert, wobei die Außentreppe mit ins Gebäude einbezogen wurde. Die Fenster wurden vergrößert, die Küche modernisiert. Zwei neue Schlafsäle, Dusch- und Waschräume und mehrere Räume für Konferenzen und Tagungen, da das Heim besonders für Schulungen der Gewerkschaftsjugend oder Funktionäre gedacht war, wurden ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht. Als die Renovierung 1968 abgeschlossen war, lagen bereits viele Anmeldungen vor. Bisher waren Gruppen aus dem Ausland und Berlin unter den Gästen. Die Jugendlichen kamen längst nicht nur aus Gewerkschaftskreisen. Konfessionelle Gruppen, Turn- und Sportvereine, Wohlfahrtsverbände und Künstlergruppen, die etwa in der Weisweiler Festhalle gastierten, wurden gerne aufgenommen.

Nach 35-jähriger Bewirtschaftung durch die zuletzt zuständige Gewerkschaft IG Bergbau und Energie war das Jugendheim Killewittchen im Stadtwald zu einer Last geworden. Vieles war veraltet, die dauerhafte Betreuung zu kostenintensiv. So wechselte im April 1985 das Jugendheim Killewittchen für eine Kaufsumme von 100.000 DM in den Besitz der Stadt. Das Heim erfreute sich nach der Renovierung einer besonderen Beliebtheit. Die Awo-Stadtranderholung hatte hier ein neues Zuhause gefunden. Nach der Grenzöffnung am 9. November 1989 feierten bereits im gleichen Jahr ehemalige DDR-Bürger Weihnachten im Jugendheim Killewittchen. Ein Jahr später lebten 50 Menschen mit zehn verschiedenen Nationalitäten in dem Ferienhaus, davon 21 DDR-Aussiedler und 29 Asylsuchende. Nach einer Belegungsfrist von nur zwei Jahren war das Heim von einem Schmuckstück zum Schandfleck geworden in einer Umgebung, die einer Müllkippe in nichts nachstand.

Nach einigen Jahren Leerstand sollte das Haus wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und zum symbolischen Preis von einer Mark verkauft werden. Einziger Bewerber mit neuem Konzept waren die Naturfreunde Eschweiler unter Vorsitz von Leo Gehlen. Es waren die zu hohen Sanierungskosten, die der Verein trotz zugesagter Fördergelder nicht in der Lage war zu übernehmen. Erst 2008 wurde ein Käufer gefunden, der bereit war, die Schrottimmobilie zu beseitigen. 2009 bezog er sein dortiges am Waldrand gelegenes Eigenheim mit einem unverbaubaren Panoramablick.

2009 bezog der neue Eigentümer sein dortiges am Waldrand gelegenes Eigenheim mit einem unverbaubaren Panoramablick über Eschweiler. Foto: Armin Gille
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