Eschweiler: CDU will Vereine zu Fusionen bewegen

Sportplatzkonzept liegt endlich vor : Gutachten listet viele teure Mängel auf, CDU setzt auf Vereinsfusionen

Etwa drei Millionen Euro müsste die Stadt aufbringen, wenn in den kommenden Jahren alle Maßnahmen auf den Sportanlagen umgesetzt würden. Das ist aber nahezu unmöglich. Die CDU bittet derweil den Bürgermeister, von Gesprächen über mögliche Zusammenschlüsse von Fußballvereinen zu berichten.

Das Sportstättengutachten ist da, und wer den politischen Prozess dahinter seit 2016 verfolgt, wird sagen: endlich. Auf Dutzenden Seiten hat ein externes Büro die Analyse von neun Sportanlagen dargelegt, die vorrangig von Fußballern und Leichtathleten genutzt werden, und Mängel aufgelistet. Die Kosten für alle potenziellen Maßnahme binnen der kommenden zehn Jahre belaufen sich – mögliche Preissteigerungen inklusive – auf etwa drei Millionen Euro.

Ob und wann in den verschiedenen Stadtteilen repariert und saniert wird, steht noch nicht fest. Das Gutachten listet die empfohlenen Maßnahmen jedoch ein in die Kategorien kurzfristig (im kommenden Jahr), mittelfristig (in zwei bis fünf Jahren) und langfristig (in sechs bis zehn Jahren). Die öffentlichen politischen Beratungen starten am Dienstag, 26. März, im Sportausschuss. Der Ausschussvorsitzende Oliver Liebchen (SPD) vermutet, dass die Fraktionen das Gutachten erst einmal nur zur Kenntnis nehmen werden, Diskussionen um einzelne Punkte daher ausbleiben würden. „Alle Fraktionen wollen erst auf die Rückmeldungen der Vereine warten, die wir alle mit einer Veranstaltung ins Boot holen wollen. Anders kommen wir auch nicht weiter“, betont Liebchen.

Nun ist es so, dass vor allem größere Investitionen und Förderungen von den Zukunftsperspektiven der beteiligten Vereine abhängen. Und deswegen will Bernd Schmitz von der CDU das lang ersehnte Gutachten zum Anlass nehmen, ein Thema wieder besonders in die politische und gesellschaftliche Debatte einzubringen, das in den vergangenen Jahren „eingeschlafen“ sei: Fusionen von Vereinen.

Schmitz und seine Partei vertreten in dieser Hinsicht einen klaren Standpunkt: „Wir wollen nur Vereine mit Jugendarbeit fördern. Daher hoffen wir, dass Eschweiler Vereine in Zukunft fusionieren.“

Klare Kante vs. Zurückhaltung

Vereine schließen sich nicht von heute auf morgen zusammen, es müssen viele Gespräche geführt werden, zwischen den Vereinen und auch mit der Stadt Eschweiler. Und genau deswegen sagt Bernd Schmitz auch: „Wir erwarten von der Verwaltung und dem Bürgermeister, dass das Thema Vereinsfusionen angegangen wird. Wir wissen, dass es Gespräche zwischen Vereinen und dem Bürgermeister gibt.“ Daher hat die CDU Bürgermeister Rudi Bertram gebeten, im nicht-öffentlichen Teil des Sportausschusses über eben diese Gespräche zu informieren.

Schmitz hat auch konkrete Vorstellungen, welche Vereine in Zukunft ein und dasselbe Wappen auf der Brust tragen könnten. Zum Beispiel St. Jöris und Hehlrath; ein Zusammenschluss „wäre ein voller Erfolg“, findet Schmitz. Germania Dürwiß und Laurenzberg („und unter Umständen Neu-Lohn“) würden sich auch als Fusionskandidaten eignen. „Und wenn der Kunstrasen in Bergrath erneuert werden muss, müssen wir auch dort eine Fusion im Blick haben“, sagt Schmitz. Der Kunstrasen soll laut Gutachten in den nächsten vier Jahren überholt werden; die Kosten werden mit 372.800 Euro beziffert.

Die Vorstellungen der CDU-Fraktion sind klar formuliert. Und auch die SPD hat sich bereits auf eine Marschroute festgelegt – die geht aber in eine andere Richtung. Oliver Liebchen erklärt nämlich: „Ich will nicht, und die Politik darf meines Erachtens auch nicht mit dem erhobenem Zeigefinger Druck ausüben. Die Initiative in Sachen Fusionen muss von den Vereinen kommen.“

Die SPD will zurückhaltend agieren. Oliver Liebchen sagt aber auch, dass die Anlage in Eschweiler-Ost von größeren Investitionen profitieren könnte, wenn Vereine denn bereit wären, zusammenzuarbeiten. Im Umkehrschluss betont der SPD-Ratsherr: „Wenn wir merken, dass einzelne Vereine keine große Zukunft haben, können wir keine großen Summen bewegen.“

Einig sind sich Oliver Liebchen und Bernd Schmitz darin, dass die Vereine in Nothberg und Hastenrath seit ihrer Fusion im Sommer 2014 das Paradebeispiel seien. Dass es andernorts (zum Beispiel bei Dürwiß und Laurenzberg) schwierig war und ist, machen die beiden Politiker an insbesondere der Einstellung mancher „Altvorderen“ fest, für die Vergangenheit, Prestige und Identität wichtiger seien als die Zukunftsperspektive. „Mit einer Erzfeind-Mentalität wird kein Verein überleben. Die jüngeren Vorstände denke heute anders“, sagt Bernd Schmitz, und Oliver Liebchen macht deutlich: „Wenn man die Spieler fragt, können sie sich nichts Besseres als eine Fusion vorstellen.“

Ein Blick ins Gutachten

Im Gutachten stehen für den Sportpark am See einige Maßnahmen. Dort sind die Germania Dürwiß und der SC Laurenzberg beheimatet, und insbesondere zwei der drei Tennenplätze sind in einem schlechten Zustand. Sie sind sehr trocken, weil die Beregnungsanlage seit Jahren außer Betrieb ist, und es fehlen jeweils mehrere Zentimeter Deckschicht. Der Tennenplatz der Laurenzberger sollte mittelfristig überholt werden – Kostenschätzung: 155.000 Euro. Eine Beregnungsanlage würde 10.000 Euro kosten.

Die Germania nutzt zwei Tennenplätze. Einer wird auch für Punktspiele genutzt und der sollte aus den oben genannten Gründen ebenfalls mittelfristig erneuert werden. Damit auch der andere Tennenplatz für offizielle Spiele tauglich ist, sei „eine Barriere einzurichten“. Die würde etwa 18.000 Euro kosten. Auch diesem Platz würde eine neues Bewässerungssystem für 10.000 Euro gut tun. Und an der südöstlichen Ecke fehlen etwa 400 Quadratmeter an vier Zentimeter dicker Feindecke, die kurzfristig für 15.000 Euro aufgebracht werden sollten.

Die Stadt Eschweiler konnte auf Nachfragen zu der Situation der Tennenplätze keine Antworten liefern. So bleibt noch offen, wann und wie entschieden wird, wann der für Punktspiele untaugliche Platz umgerüstet wird. Außerdem blieb unbeantwortet, warum a) die Beregnungsanlage nicht schon längst erneuert worden ist und b) warum die Maßnahme eher mittel- als kurzfristig angesetzt werden soll. Die Frage, warum weiter alle drei Plätze unterhalten werden sollen, obwohl einer nur selten genutzt wird, blieb ebenso offen wie die, ob Kunstrasen eine Option ist.

Bleibt noch der Rasenplatz der Germania-Anlage. Im Gutachten steht, dass „kurzfristig und langfristig erhebliche Kosten“ anfallen würden. Denn die Tartanbahn muss erneuert werden – in diesem Jahr wird die Stadt dafür 100.000 Euro bereitstellen. Die Bahn soll dann zehn weitere Jahre halten, eine „danach fällige Neuanlage der Laufbahn kostet ca. 910.000 Euro“ heißt es weiter.

Das Gutachten nennt auch größeren Investitionsbedarf für das Hubert-Bündgens-Stadion der Fortuna Weisweiler. „Nebenanlagen und bauliche Anlagen sind in einem schlechten Zustand und weisen ein hohes Unfallrisiko auf“, steht in der Bewertung. Dafür könnten in den kommenden Jahren rund 60.000 Euro fällig werden. Der Tennenplatz soll noch in diesem Jahr für knapp 100.000 Euro erneuert werden. Hinzu kommen würden mittelfristig mehr als 30.000 Euro für neue Strahler und einen Fangzaun.

Zu guter Letzt eine kurze Passage aus dem Gutachten für den Nebenplatz in St. Jöris: „Dieser ist uneben und weist ein Gefälle von 50 bis 100 Zentimeter auf.“

Gutachten samt Sportförderplan

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