Eschweiler: Bürgerwerkstatt zum Rathaus-Quartier

Rathaus-Quartier : Viele Emotionen, aber auch gute Nachrichten

Dass die Bürgerwerkstatt nicht den gewünschten Charakter angenommen hat, stellt die CDU nicht zufrieden. Der Bürgermeister hält eine emotionale Ansprache, und weitere Aussagen zeigen: Interesse von außerhalb an Eschweiler ist da.

Eigentlich wollten sich die Politiker am Donnerstagabend im Ratssaal zurückhalten, auch Bürgermeister Rudi Bertram, aber er konnte dann doch nicht anders, emotional ergriff er das Wort, um seine Sicht der Dinge auf das geplante Projekt Rathaus-Quartier zu schildern. Er sah sich förmlich gezwungen. Da Bürger im Publikum das Nahversorgungszentrum in den Händen eines Investors und die Dimension (zu groß; Edeka, Aldi, Netto sei zu viel) des geplanten Baus grundsätzlich ablehnen oder der Stadtverwaltung mehr oder minder Unvermögen vorwerfen. „Ich würde nie etwas vorantreiben, von dem die Bürger etwas Negatives zu erwarten haben“, betonte er unter anderem. „Ich wurde und werde immer auf die fehlende Nahversorgung angesprochen. Jetzt kommt sie. Und außerdem: Es kommen immer noch Leute von außerhalb nach Eschweiler zum Einkaufen, auch das kriege ich mit.“

Kurz darauf verließ der Bürgermeister die Veranstaltung, es war offensichtlich, dass ihm das gesamte Thema nahe geht.

Jene Bürgerwerkstatt, die sowohl für Transparenz als auch (limitierte) Bürgerbeteiligung sorgen sollte, ist auf einen CDU-Antrag hin organisiert worden. Zufrieden mit dem Verlauf war Thomas Schlenter nicht, wie der Fraktionssprecher auf Anfrage sagte. Konstruktive Vorschläge, für die er sich dankbar zeigte, gab es in zwei Stunden nur zwei. Dass sich rund um das Rathaus nach zehn Jahren endlich etwas tut, darüber ist Schlenter froh. Nichtsdestotrotz liefert er eine Begründung, warum sich der Abend im Wesentlichen zu einer Grundsatzdiskussion entwickelt hat: „Diesen Schuh muss sich die Stadtverwaltung anziehen. Sie hätte es vermeiden können, wenn es frühzeitig transparenter gelaufen wäre.“

Eschweilers Technischer Beigeordneter und Moderator des Abends, Hermann Gödde, verwies darauf, dass es vor zehn Jahren Bürgerabende über die Zukunft des Areals gegeben habe, sprich: Es sei nicht so gewesen, dass die Stadt alles im Alleingang versucht hätte. Schlenter lässt dies jedoch nicht als Argument gelten, zu lange sei es her. „Man hätte die Schärfe vermeiden können, wenn die Stadt damals frühzeitig mit der Sprache herausgerückt wäre, als über Wochen und Monate wild spekuliert worden ist.“

Der Donnerstagabend war indes nicht nur von scharfen Tönen und Vorwürfen geprägt, wie unter anderem Schlenters Parteikollege Marc Müller bewies. Der äußerte sich aber ausdrücklich als Unternehmer, nicht als Politiker, als der Immobilienmakler sagte: „Wir haben im vergangenen dreiviertel Jahr rund um das Rathaus alleine vier Zuzüge aus Aachen gehabt, die sich bewusst wegen der Nahversorgung dafür entschieden haben.“

Diesen Aspekt nahm Hermann Gödde gerne auf, denn auch er konnte berichten, dass die Stadt „Nachfragen ohne Ende von außerhalb“ nach Wohnraum habe. Für das geplante Neubaugebiet am Patternhof sei das anvisierte Nahversorgungszentrum rund ums Rathaus ebenfalls ein großer Vorteil – es wäre für die Anwohner sehr gut erreichbar.