Eschweiler: Azubis leiten Aldi-Süd in Dürwiß

Führungskräfte in spe : Azubis leiten drei Wochen lang einen Discounter in Dürwiß

Sie haben es fast geschafft: Nach drei Jahren stehen Katharina Teege und Marcel Sanchez-Torres kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung bei Aldi Süd und haben es in das Projekt „Azubis leiten eine Filiale“ geschafft. Drei Wochen bereiten sie sich auf den Weg in die Filialleitung vor.

Als Höhepunkt im dritten Lehrjahr bietet der Discounter das Projekt „Azubis leiten eine Filiale“ an. So gut wie eigenverantwortlich leiteten 23 Auszubildende im täglichen Wechsel die Filiale in Dürwiß. Zwei von ihnen, Teege und Sanchez-Torres, hatten sich um die Aktion beworben. Umso größer war die Freude, als sie die Zusage und damit die Gelegenheit erhielten, die Verantwortung einer Filiale zu übernehmen und so Führungsqualitäten zu erwerben. Mit Rat standen ihnen dabei die Regionalverkaufsleiter sowie die ausgebildeten Dürwisser Filialleiter zur Seite.

Dezentral ist die Discounter-Kette in Süd- und Westdeutschland in 30 eigenständige Regionalgesellschaften unterteilt, die den Verkauf in jeweils rund 60 Filialen verwalten und betreuen. Beschäftigt sind insgesamt 47.100 Mitarbeiter in 1900 Filialen. Das Projekt „Azubis leiten eine Filiale“ findet dabei in einem Discounter einer Regionalgesellschaft statt. In diesem Jahr fiel die Wahl bei der Regionalgesellschaft Eschweiler, deren Wirkungskreis bis in die Kreise Aachen, Düren und Heinsberg reicht, auf die Filiale in Dürwiß.

Das Angebot ist knapp. Wesentlich mehr Auszubildende bewarben sich als Plätze für das Projekt zur Verfügung standen. „Nach einem Workshop-Tag standen die Teilnehmer fest“, erklärt Evelyn Budniak, die in der Personalabteilung für das Unternehmen arbeitet. Die 23 Nachwuchskräfte traten Ende März den Dienst an. Während sich die Mehrheit an den 18 Werktagen der drei Wochen bei der Filialleitung abwechselte, kümmerte sich der verbleibende Teil um ein besonderes Projekt: An den drei Samstagen stellten die Azubis einen Verkostungsstand auf die Beine, an dem sie verschiedenste Speisen und Getränke anboten, die – ausschließlich aus dem eigenen Sortiment bestehend – selbst zubereitet wurden. Die Rezepte dazu konnten sich die Kunden mitnehmen und die Zutaten dazu gleich vor Ort einkaufen.

Die Regionalverkaufsleiter Hendrik Bösing und Ludger Steinbeck, die das Projekt in Dürwiß als Beauftragte für Aus- und Weiterbildung begleiteten, haben selbst ihre Ausbildung gar nicht bei Aldi Süd begonnen. Ihr Studium der Wirtschaftswissenschaften schlossen sie in Aachen und Mannheim ab, ehe sie den beruflichen Einstieg bei dem Discounter wagten und durch sogenanntes „Training on the job“ Praxiserfahrung sammelten.

Bösing und Steinbeck wissen von den Sonderaktionen während der Ausbildung zu berichten: „Im ersten Lehrjahr gibt es die sogenannte ‚Azubi Herausforderung’, bei der eine GPS-Schnitzeljagd unter allen Regionalgesellschaften ausgetragen wird. Das Sieger-Team spendet den Geldgewinn am Ende für einen guten Zweck. Bei der ‚Azubi-Tour’ im zweiten Lehrjahr hingegen geht es insofern fachlicher zu, da die Auszubildenden einen Lieferanten besuchen und Einblicke in die Herstellung und Logistik der Lebensmittel erhalten.“

Als drittes und letztes Projekt ist „Azubis leiten eine Filiale“ heiß begehrt, denn es bereitet auf den weiteren Karriereweg innerhalb des Unternehmens vor. Davon wollten auch Katharina Teege und Marcel Sanchez-Torres profitieren.

Sanchez-Torres ist mit 37 Jahren einer der Quereinsteiger. Nach dem Abitur leistete er bei der Bundeswehr seinen Dienst, wollte aber kein Zeitsoldat werden. Als er anschließend während seines Studiums merkte, dass das Lehramt nichts für ihn ist, begann er als Aushilfskraft bei einem Supermarkt. Da er großen Gefallen an dem Lebensmittelhandel fand und sowieso nicht den ganzen Tag im Büro sitzen wollte, bewarb er sich bei dem Discounter. „Das kostete schon etwas Überwindung, da ich schon über 30 Jahre alt war. Aber ich wurde direkt genommen“, erinnert er sich und ergänzt: „Rückblickend hätte ich diesen Weg gerne früher eingeschlagen.“ Jetzt ist er Teil des sogenannten „Filialführungsnachwuchsprogramms“. Dies bietet die Chance, einmal zum stellvertretenden oder schließlich zum Filialleiter aufzusteigen.

Katharina Teege hingegen hat direkt nach ihrem Fachabitur im Bereich Wirtschaft und Verwaltung die Ausbildung begonnen. Heute 21 Jahre alt, wurde sie wie Marcel Sanchez-Torres direkt angenommen und erlebe die Zeit seither als abwechslungsreich. Auch sie strebte das Nachwuchsprogramm an und ist bei dem Projekt in dem Team, das den Verkostungsstand organisiert.

Während Katharina Teege hauptsächlich in einer Filiale in Nideggen arbeitet, ist ihr Kollege in Aldenhoven beschäftigt. Somit bedeutete das Projekt auch einen kurzzeitigen Wechsel des Standorts. Eine harte Probe ist das Projekt schon, gesteht Marcel Sanchez-Torres: „Die erste Schicht beginnt um sechs Uhr morgens, bis zur Ladeneröffnung um acht Uhr muss das Personal mit Arbeits- und Pausenzeiten für den Tag eingeteilt werden. Dabei haben Frischeartikel wie Obst und Gemüse, Brot, Fleisch und Kühlung besondere Priorität. Die Teams müssen so aufgeteilt werden, dass der Laden läuft. Alles muss sauber und das Sortiment verfügbar sein. Zusätzlich muss der Warenbestand kontrolliert werden und die Produkte bei den Lieferanten bestellt werden. Und schließlich muss die Frühschicht an die Spätschicht ordnungsgemäß übergeben.“

Die beiden Azubis sind sich einig, dass die Arbeitsschritte nicht neu sind, aber eine Premiere war es für beide, die Übersicht über ein Team und die Filiale zu behalten. Auf die Frage, ob das Projekt und die neuen Erfahrungen anstrengend waren, schmunzeln beide: „Wenig Zeit sind wir gewohnt – und ein gesundes Maß an Stress gehört dazu.“

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