Eschweiler: Autoclub Europa startet Aktion gegen "Elterntaxis"

Aktion gegen „Elterntaxis“ : Männer in grellen Westen zählen Autos vor der Barbaraschule

Vor der Barbaraschule standen am Donnerstagmorgen zwei Männer mit grell-orangenen Westen und haben Pkw gezählt. Sie interessierten sich zwischen 7.30 und 8.05 Uhr für Eltern am Steuer, die ihre Kinder direkt vor dem Eingang der Grundschule an der Bushaltestelle herausließen.

Das ist aus pädagogischer Sicht nicht gewollt, denn „die Kinder sollen selbstständiger sein und den Verkehr lernen“. Das sagt Wolfgang Schiffers. Er war einer der Männer mit greller Weste. Denn Schiffers ist im Autoclub Europa (ACE) – hinter dem ADAC zweitgrößter Automobilclub Deutschlands – der Vorsitzende für die Region Aachen, Düren, Eifel. Der Club führt bundesweit derzeit in vielen Kommunen solche morgendliche Zählungen durch, Schiffers war am Mittwoch noch in Düren.

Die Wahl fiel rein zufällig auf die Barbaraschule. Die Grundschule an der Straße Stich ist also nicht bekannt dafür, dass sogenannte Elterntaxis regelmäßig den Verkehr stören, gefährliche Situationen hervorrufen oder dass sie gar ein Schwerpunkt für Unfälle ist. „Es ist generell vor allen Grundschulen in Eschweiler so, dass einige Eltern ihre Kinder bis vor die Türe fahren. Aber es gibt keine, bei der es besonders auffällig ist“, sagt Ordnungsamtsleiter Michael Effeberg, der am Donnerstagmorgen ebenfalls vor Ort war. Der ACE sei auf die Stadt zugekommen mit der Aktion, die Effenberg „nicht verkehrt“ finde, weil das Thema so von anderer Seite transportiert werde und nicht nur vom Ordnungsamt selbst, das regelmäßig wegen Elterntaxis morgens an Grundschulen kontrolliert. Knöllchen und Gespräche mit den Eltern gehören dann auch dazu – wie am Donnerstag.

Eigentlich müsste es gar nicht sein, dass Eltern ihre Kinder aus Mangel an sonstigen Haltemöglichkeiten direkt bis vor die Schule fahren – nicht nur vor die Barbaraschule. Die Stadt hat nämlich im Laufe der Jahre nach Anträgen aus den Elternschaften sieben sogenannte Eltern-Haltestellen eingerichtet: an den Grundschulen Dürwiß, Eduard-Mörike, Weisweiler, Kinzweiler, an der Gesamtschule Waldschule sowie der Kita Quellstraße und eben an der Grundschule in Stich – dort sind es gerade einmal 120 Meter von der Schule bis zu dieser Stelle ohne Durchgangsverkehr. Aus pädagogischer Sicht seien diese 120 Meter für die Kinder wichtig, betont auch Bürgermeister Rudi Bertram vor Ort: Der Weg fördere Selbstständigkeit, und die Kinder können so gemeinsam mit Freunden zur Schule gehen. Das Elterntaxi ermöglicht so etwas nicht.

Deswegen zielt die Aktion des ACE darauf ab, den Trend Elterntaxis zu stoppen. „Wir werden den Kontakt zu der Schule aufnehmen und vorstellen, was wir notiert haben“, sagt Wolfgang Schiffers. Es waren innerhalb der halben Stunde mehr als 20 Autos, die vor dem Eingang gehalten haben, zeitweise fünf gleichzeitig. Manche haben ihr Vorhaben (grinsend) gelassen, als sie die Männer in den grellen Westen gesehen haben. Die haben auch das Interesse von Eltern auf sich gezogen, die ihre Kinder zu Fuß zur Schule brachten. Die lobten die Aktion.