Eschweiler Athleten nehmen am Ironman in Hamburg teil

Triathlon : Und zum Abschluss dann noch ein Marathon...

Am Sonntag steht eine große Sportveranstaltung in Hamburg an: ein Ironman – also 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss noch ein Marathon. Elf Athleten des Marathon-Clubs Eschweiler stellen sich dieser Herausforderung.

„So langsam stellt sich die Nervosität ein“, sagt Florian Biedermann und blickt seine Trainingskollegen an, die sich kurz vor einer Trainingseinheit gerade in ihre Neoprenanzüge zwängen. Biedermann ist 44 Jahre alt und einer von elf Athleten des Marathon-Clubs Eschweiler (MCE) – dazu kommen noch Freunde des MCE aus Nachbarstädten, die das Gemeinschaftsprojekt initiiert haben –, die sich am Sonntag einer besonderen Herausforderung stellen: Sie alle nehmen am Ironman in Hamburg teil.

„Das ist natürlich das große Ziel: über die Ziellinie laufen und die Worte hören ‚Du bist ein Ironman’“, erzählt er weiter. Für Florian Biedermann ist es die erste Langdistanz (siehe Infobox) überhaupt. Der Weg dorthin hat für ihn vor etwas mehr als zehn Jahren begonnen. Biedermann hatte den 30. Geburtstag gerade hinter sich, als er beschloss, wieder mehr Sport zu treiben. „Ich war anfangs ein bisschen laufen“, blickt er zurück. Dabei blieb es nicht.

Auch, weil sein Schwiegervater Mitglied des Marathon-Clubs ist und der 44-Jährige selbst als Kind im Schwimmverein aktiv war. Im Jahr 2006 absolvierte er dann seinen ersten Triathlon über die Sprintdistanz. Inzwischen hat er drei Mitteldistanzen gefinisht (so sagen Triathleten, wenn sie einen Wettkampf erfolgreich beendet haben). Am Sonntag wird die Herausforderung ungleich größer, da die doppelte Strecke zurückzulegen ist: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer laufen.

Das Training erfordert eine Menge Disziplin. Rund 15 Stunden pro Woche mussten die Athleten ins Wasser, aufs Rad und auf die Laufstrecke. Das funktioniere nur, wenn die Familie mitspielt, weiß Biedermann. Er hat eine Familie mit zwei Kindern und einen Job, bei dem er manchmal weltweit unterwegs ist. Sein Chef fördert die große Leidenschaft, indem er seinen Angestellten sponsert.

Aber warum tut man sich diese Mühen überhaupt an? „Für viele Triathleten, mich eingeschlossen, übt der Triathlon eine große Faszination aus. Es ist nicht nur Sport, sondern eine Lebenseinstellung! Zum einen nimmt der Sport gerade auf der Langdistanz einen großen Teil der verfügbaren Zeit in Anspruch, zum anderen ist es die Herausforderung, an deine Grenzen zu gehen, sich selbst zu überwinden auf der Jagd nach neuen Bestzeiten“, sagt Florian Biedermann und fügt mit einem Augenzwinkern an: „Und der besseren Platzierung vor den Vereinskollegen natürlich.“

Die Ziele für Sonntag benennt Florian Biedermann wie folgt: „Da es der erste Ironman ist, erstmal finishen. Dann sollten es unter zwölf Stunden sein. Und ganz wichtig: Es soll Spaß machen!“

Ein weiterer Eschweiler Teilnehmer ist Christoph Büttner, 35. Für den Berufsfeuerwehrmann gilt nur ein Ziel: ankommen, und zwar unter der Cut-Off-Zeit von 16 Stunden. Will heißen: Wer länger braucht, wird aus dem Rennen genommen. Für Büttner ist es die erste Langdistanz. Erst vor vier Jahren ist er zum Triathlon gekommen, als ein Arbeitskollege ihn fragte, ob er nicht bei einem Duathlon mitmachen wolle. Er wollte, und gleich nach dem Wettkampf kam die nächste Frage: nach der Teilnahme an einer Volksdistanz beim Triathlon. „Mein Ziel war immer ein Ironman 70.3“, sagt Büttner. Er trainierte und steigerte sich – bis er sich den Traum im Juni erfüllte und den Ironman 70.3 in Luxemburg finishte.

Und jetzt will er noch einen drauf setzen. Das brauchte jedoch auch etwas Überzeugungsarbeit. Büttner lief 2018 einen Marathon und entschied, in Hamburg an den Start zu gehen. In diesem Zuge gibt es ein Lob für seine Mitstreiter: „Marathon und Ironman waren nie geplant. Aber mit so einer Supertruppe, die immer für einen da ist und immer welche – egal bei welchem Wettkampf – am Rand stehen und einen anfeuern, habe ich gesagt, werde ich dieses Wagnis angehen.“

Die Kameradschaft hebt auch Florian Biedermann hervor. Es gibt gemeinsame Trainingsgruppen und einige fliegen gar im Frühjahr ins Trainingslager nach Mallorca.

Mit 60 wieder finishen

Ebenfalls in Hamburg am Start ist Jürgen Schmidt. Er ist der Beweis, dass man auch im fortgeschrittenen Alter zu sportlichen Höchstleistungen fähig ist: Jürgen Schmidt ist 60 Jahre alt und möchte seine dritte Langdistanz finishen, nach 2008 in Roth (in 12:50 Stunden) und 2016 in Klagenfurt. Seit dem Jahr 2000 war er einige Marathons gelaufen und wollte irgendwann mehr. Der Weg dorthin war mitunter ein wenig steinig – und lustig. So rief er zu Beginn seiner Triathlonkarriere in einem Schwimmbad an, um einen Schwimmkurs zu belegen. Die Dame am Telefon fragte: „Wie alt ist das Kind, das sie anmelden möchten?“ Als Jürgen Schmidt erklärte, dass er selbst einen Kurs wolle, sagte sie: „Wir geben nur Kurse für Kinder.“ Schwimmen lernte er dann aber doch noch und eines Tages trainierte er mit Neoprenanzug, der irgendwie nicht so recht passte, im Freibad und kam dort mit einem anderen Triathleten ins Gespräch. Dieser fragte plötzlich: „Hast du eigentlich einen anderen Anzug als wir?“ Jürgen Schmidt schaute verdutzt und der Kollege fuhr fort: „Der Reißverschluss ist bei dir vorne.“ Jürgen Schmidt hatte den Anzug falsch herum angezogen und stellte kurz darauf fest, dass er doch ganz gut passt. Für Sonntag erhofft er sich eine Zeit um die 13 Stunden.

Apropos Ausrüstung: Ein nicht ganz unwesentlicher Aspekt des Projekts Ironman (und Triathlon generell) fehlt: das liebe Geld. Ein Fahrrad kostet schnell zwischen 3000 und 5000 Euro, für einen Neoprenanzug und Laufschuhe sind auch dreistellige Beträge fällig. Ebenso für die Startgebühr, für Hamburg fast 600 Euro.

Für die Eschweiler Athleten wird es am Sonntagmorgen ab 6.45 Uhr ernst. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass Körper, Kopf und natürlich auch das Wetter mitspielen.

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