"Es lebe der Papst-König": Eschweiler Ulrich Nersinger mit neuem Buch

„Es lebe der Papst-König“ : Vatikanexperte Ulrich Nersinger thematisiert den militärischen Kampf um den Kirchenstaat

Am Dienstag hat der Eschweiler Vatikanexperte Ulrich Nersinger sein neues Buch „Es lebe der Papst-König“ veröffentlicht. Darin thematisiert er die dramatischen Ereignisse der italienischen Unabhängigkeitskriege. Kämpfte ein Indestädter in der Armee des Papstes?

Heute scheint es undenkbar, dass der Papst aktiv in Kriege verwickelt ist. Von 1860 bis 1870 aber kämpfte der Kirchenstaat um sein Bestehen. Damals lautete der Schlachtruf des italienischen Freischärlers Giuseppe Garibaldi: „Roma o Morte! – Entweder Rom oder den Tod!“.

Trotz seiner historischen Tragweite findet dieser Abschnitt der italienischen Unabhängigkeitskriege kaum fachliche Aufarbeitung. Der Eschweiler Vatikanexperte Ulrich Nersinger thematisiert nun in seinem neuen Buch die dramatischen Geschehnisse dieser Epoche.

1870 fand eines der ältesten Staatswesen auf dem europäischen Kontinent sein Ende. Über ein Jahrtausend hinaus hatten die Päpste über ein eigenes weltliches Hoheitsgebiet verfügt und die Geschicke der Welt mitbestimmt. Die damaligen Ereignisse wirken bis in unsere Tage hinein. Die Existenz des Vatikanstaates und die Rolle des Heiligen Stuhls in Kirche und Welt sind ohne das, was im letzten Jahrzehnt des Kirchenstaates geschah, nicht denkbar.

Der Eschweiler Vatikankenner weiß um die Vorbehalte, sich mit kriegerischen Auseinandersetzungen, die von den Päpsten geführt wurden, zu beschäftigen – auch wenn das Oberhaupt der Kirche immer nur aus Gründen der Verteidigung als letzter Schritt zum Schwert griff. Die Beschäftigung damit scheint heute nicht opportun zu sein. „Ein Urteil zu historischen Ereignissen darf man jedoch nur äußern, wenn man sich zuvor über sie informiert hat“, betont der Autor.

In seinem Buch lässt Ulrich Nersinger über weite Passagen Augenzeugen ausführlich zu Wort kommen. „Ich habe die Hoffnung, dass so dem Leser die Möglichkeit geboten wird, in das Geschehen dieser Jahre besser einzutauchen“.

Nersinger hat schon bei zwei internationalen Tagungen im Vatikan und vor der Päpstlichen Schweizergarde zu Themen der Militärgeschichte der Päpste gesprochen. Er ist Ehrenmitglied der Vereinigung päpstlicher Schweizergardisten und hat die Ehrenplakette der vatikanischen Gendarmerie erhalten.

Bei einer der Tagungen in Rom machte ihn ein Kölner Historiker und Universitätsprofessor darauf aufmerksam, dass sich nach seinen Recherchen unter den Rheinländern, die im letzten Jahrzehnt des Kirchenstaates als Freiwillige in der Armee des Papstes dienten, auch ein Eschweiler befunden haben soll.

Die Nachforschungen in vatikanischen und italienischen Archiven blieben bisher erfolglos, zumal in den unvollständig erhaltenen und größtenteils nicht digitalisierten Matrikelbüchern weit mehr als 17.000 Einträge konsultiert werden müssten. „Das ist also ein Projekt für die Zukunft“, sagt Ulrich Nersinger.

(red)
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