Elektromobilität: Neue Ladesäulen und Streetscooter in Eschweiler

Elektromobilität : Stadt und Unternehmen schaffen neue Ladesäulen und Streetscooter an

Eschweiler macht zwei Schritte in Richtung Elektromobilität: Die Stadt hat neue Ladesäulen in der Innenstadt verteilt, um eine bessere Infrastruktur zu bieten. Sie werden aber bald nicht mehr kostenlos sein. Zudem haben Eschweiler Unternehmen insgesamt 13 Streetscooter für alltägliche Dienstfahrten angeschafft.

In Sachen Elektromobilität tut sich etwas: Die Stadt Eschweiler hat fünf weitere Ladesäulen installiert, sechs gibt es jetzt insgesamt. Zudem haben neun Unternehmen, vor allem aus dem Handwerkerbereich, 13 elektrisch betriebene Streetscooter angeschafft. Die neuen Ladepunkte sind quer durch die Innenstadt an hoch frequentierten Plätzen zu finden.

Wer ein Elektroauto fährt, kann das künftig am Rathaus, an der Marienstraße, am Krankenhaus, am Talbahnhof und an der Gartenstraße laden. Dort hat die EWV im Auftrag der Stadt fünf neue Säulen aufgestellt, die jeweils zwei Ladepunkte bieten. „Es ist ein Schritt zum Verkehrsmix der Zukunft“, sagt Christoph Hesse, Vetriebsleiter bei der EWV. Die Säulen erzielen 22 Kilowattstunden an Leistung, was bei einer Maximalparkdauer von zwei Stunden bei den meisten Autos etwa zwei Drittel der Batteriekapazität bedeutet.

Dass die Parkzeit begrenzt ist, hat einen einfachen Grund: „Die Parkplätze sollen nicht zu Dauerparkplätzen werden, sondern als Tankstelle dienen“, betont Hesse. Es sei in anderen Städten häufiger vorgekommen, dass Menschen die meist zentral gelegenen Plätze einen gesamten Tag lang belegten. Das sei bequem, so aber natürlich nicht vorgesehen. Es sollte mehr Frequenz geben, wie es bei einer normalen Tankstelle auch der Fall sei. Dort stelle man sein Auto ja auch nicht eine Stunde an die Zapfsäule.

Die EWV hat in Zusammenarbeit mit der Stadt fünf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge auf dem Stadtgebiet installiert (v.l.: Judith Aue, Dieter Kamp, René Costantini, Josef Schultheis, Eberhard Büttgen und Christoph Hesse). Foto: ZVA/Caroline Niehus

Eine weitere Änderung, die allerdings erst zum 1. Januar kommenden Jahres greift, ist die Bezahlung. Bisher konnten Fahrer ihre Elektroautos einfach an die Ladesäule anschließen und tanken. „Das kostenfreie Laden war vor allem dazu gedacht, Akzeptanz zu schaffen und das Thema nach vorne zu bringen“, erklärt Hesse. Ab 2020 müssten Kunden dann aber einen Ladestromtarif zahlen. Zwischen fünf und sechs Euro pro 100 Kilometer werden dann fällig. Aus der Steckdose kommt übrigens zu 100 Prozent zertifizierter Ökostrom.

Die Ladesäulen kosten pro Exemplar 10.000 Euro, inklusive Erdarbeiten, Abrechnungstechnik und Wartung. 40 Prozent davon sind vom Bundesverkehrsministerium bezuschusst, der Anteil der Stadt liegt bei 3000 Euro pro Säule. „Das Problem ist oft, dass man den Strom erst mal an die gewünschten Punkte bringen muss, und das mit der entsprechenden Leistung“, erläutert Dieter Kamp, Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung, Liegenschaften und Tourismus.

Mit zunehmender Akzeptanz werde es auch mehr Säulen geben müssen, deshalb sollten die Ladepunkte gut durchdacht sein. Wo weitere Säulen Sinn ergeben, soll eine zurzeit laufende Studie der Städteregion zeigen. Die Stadt selbst will im kommenden Jahr selbst noch eine Studie in Auftrag geben, um eventuelle Wissenslücken zu schließen.

Auch die Stadt ist momentan dabei, ein Elektroauto anzuschaffen. Geplant ist das erste Quartal 2020, wie Eberhard Büttgen von der Stabstelle Nachhaltige Entwicklung sagt. Nutzen will die Kommune es für Aufgaben des Ordnungsamtes und den allgemeinen Dienstverkehr. „Im gewerblichen Bereich kommt die Elektromobilität immer mehr“, weiß auch Christoph Hesse. Firmen wollten oft für ihre Flotte und die Mitarbeiter entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Handwerkerteam Eschweiler sieht Vorteile

Das zeigt sich auch im Vorstoß des Handwerkerteams Eschweiler, das jetzt 13 Streetscooter angeschafft hat. Neun angeschlossene Firmen (Fliesen Winden, Glaserei Vonden, Elektro Gassert, Caritas Betriebs- und Werkstätten, Reiterlive, Malermeister Göbbels, Baumaschinen Uwe Müller, Dederichs Bauunternehmen, Reinartz Autoteile) haben sich für das elektronische Fahrzeug aus Aachen entschieden. Initiiert hat das Streetscooter-Händler Philip Müller. Er betreibt sein Geschäft in Zülpich, kommt aber aus Weisweiler. „Deshalb wollte ich gerne in meiner Heimatstadt anfangen“, erzählt Müller.

Der anfängliche Kontakt zum Handwerkerteam habe sich schnell intensiviert. Wie ein Lauffeuer habe sich die Idee verbreitet. „Elektromobilität hat seine Vorbehalte hinsichtlich Reichweite und Größe, das lässt sich am besten dadurch aufbrechen, dass ein anderer Handwerker sagt, dass es funktioniert“, erklärt Müller.

Das kann auch Fliesenleger Achim Winden bezeugen: „Wir nutzen den Wagen vor allem auf Kurzstrecken im Reparaturdienst, das ist innovativ und zeitgerecht.“ Die Fahrten im Kreis Aachen seien nicht allzu lang, da gebe es mit der Reichweite kein Problem. Eine Herausforderung für das Unternehmen mit schwerem Material ist die Nutzlast. „Manchmal müssen wir über eine Tonne transportieren, das passt bei der Nutzlast von knapp 700 Kilo leider nicht.“ Man könne sich daran aber anpassen. Winden kann sich auch vorstellen, die Flotte irgendwann mit weiteren Modellen zu erweitern. „Im Moment wollen wir da reinschnuppern, das ist ja für uns alle Neuland.“

Das weiß auch Elektrofachmann Volker Gassert. Der Streetscooter kommt hauptsächlich für Kundendienstfahrten zum Einsatz. „Vom Komfort her ist es nicht die absolute Endklasse, aber das ist ja auch ein Nutzfahrzeug“, betont Gassert.

Skepsis sei die vorherrschende Reaktion gewesen, als Michael Doersch das Auto bei den Caritas Betriebs- und Werkstätten vorgestellt hat. „Aber dann habe ich jeden Mitarbeiter probefahren lassen, und sie haben die guten Gebrauchseigenschaften festgestellt“, erzählt Doersch. Seit vier Wochen ist das Fahrzeug im Einsatz, vor einigen Tagen hat er den nächsten Vertrag unterschrieben. „Ich sehe Potenzial für bis zu sechs Fahrzeuge, die wir in den kommenden vier Jahren durch Elektroautos ersetzen können.“

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