Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi: Einen Tag Rhein-Flair an der Inde?

Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi : Einen Tag Rhein-Flair an der Inde?

Wolfgang Schiffers hofft, dass der Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi so bekannt wird wie in Emmerich. Deswegen soll es 2020 über die Hauptstraßen gehen – trotz Verbot.

Wenn sich die Inde im nächsten Sommer für einen Tag im übertragenen Sinne in den Niederrhein verwandeln würde, hätte sich ein großer Traum von Wolfgang Schiffers erfüllt. Dabei geht es dem Eschweiler Kraftfahrer nicht darum, dass der Fluss in seiner Höhe und breit anschwillt, sondern nur darum, dass entlang der Inde eine Atmosphäre entsteht, wie sie in Emmerich am Niederrhein herrscht, wenn einmal im Jahr 100 geschmückte und hupende Lkw für den guten Zweck in einem Konvoi entlang der Promenade rollen. Tausende Menschen jubeln teils verkleidet den Fahrern und ihren Beifahrern zu – in diesem Fall schwerkranken Kindern. Es ist ein Volksfest und eine Spendenaktion.

Die hat der Eschweiler Wolfgang Schiffers nach einem Aufwand von mehreren Hundert Stunden Arbeit Anfang Juni das erste Mal in unserer Region stattfinden lassen. Vor allem im Internet haben sich Bildergalerien und Berichte rasant verteilt, und eine Facebook-Gruppe für die Aktion ist von knapp 200 Mitgliedern auf mehr als 1100 angewachsen.

Die ehrenamtliche Benefizaktion hat sich herumgesprochen. Und am Ende sind 10.310 Euro Spenden für schwerkranke Kinder zusammengekommen, die im Beisein eines SPD-Bundestagsabgeordneten aus dem Verkehrsministerium überreicht werden (siehe Infobox). „Die erste Aktion war ein Versuch, mit dem ich sehr zufrieden bin, auch wenn noch nicht so viele kranke Kinder mitgefahren sind – das wird sich nächstes Jahr aber ändern“, betont Schiffers, der bereits in Kontakt mit mehreren Einrichtungen steht für die Ausgabe 2020 und mit weiteren Sponsoren die Werbung ankurbeln will. „Und ich hoffe, dass der Konvoi nächstes Jahr über die Eschweiler Hauptstraßen rollt“, sagt Schiffers.

Um die Kinder geht’s: In erster Linie richtet sich die Aktion an schwerkranke Kinder, beim ersten Mal sind aber größtenteils Kinder mitgefahren, die einfach Lust auf „Brummi-Beifahrer“ hatten. Foto: Andreas Cichowski

Dass das kein einfaches Vorhaben wird, weiß der Lkw-Fahrer, denn entlang der Inde dürfen keine „Brummis“ fahren. Das ist in der Umweltzone verboten. Im August trifft sich Schiffers daher mit Bürgermeister Rudi Bertram, um zu besprechen, ob eine Ausnahmeregelung möglich ist. Auf Anfrage dieser Zeitung kann die Stadt zu dem Thema noch keine Auskunft geben, weil eine mögliche Ausnahme von politischen Entscheidungen abhängt.

Im Juni hatte Schiffers die Auflage, dass die Lkw in Aldenhoven einzeln mit einem zeitlichen Abstand starten. Er hofft, dass 2020 Zehner-Gruppen erlaubt sind. „Dann sind wir schneller durch – und für die Zuschauer ist es interessanter.“

Der Konvoi ist auch durch Aachen gefahren, was aber nur daran lag, dass der Oberbürgermeister entgegen der vorigen Absage des zuständigen Amtes persönlich eine Ausnahme erteilt hatte, nachdem Schiffers ihm einen Brief schrieb. „Ich weiß nicht, wie es nächstes Jahr ist, weil die Politik dort immer im Umweltsinne entscheiden muss“, sagt Schiffers. „Aber: Es ist für den guten Zweck! Die kranken Kinder, die bei uns mitgefahren sind, haben einen Tag ihre Krankheit vergessen.“ Und der Umweltaspekt, den auch Kritiker der Aktion im Internet geäußert haben? „Alle unsere Lkw haben Euro-5-Norm, also es sind die saubersten, die es gibt.“

Wer in den Sozialen Medien schaut, welches Echo der Euregio-Lkw-Benefiz-Konvoi erzeugt hat, der wird schnell merken, dass dem Organisator Wolfgang Schiffers viel Sympathie, Respekt und Dankbarkeit zuteil wird. Das ist auch sein Ansporn, die Aktion fortzuführen. Schiffers will sie mit Hilfe von Sponsoren und Werbung bekannter machen, und er hofft, dass ein weiterer Weg für mehr Aufmerksamkeit in der (politischen) Öffentlichkeit sorgt: „Den Benefiz-Konvoi möchte ich für den Ehrenamtspreis der Städteregion einreichen.“

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