Eschweiler: Einen Grabstein bekommt längst nicht mehr jeder

Eschweiler : Einen Grabstein bekommt längst nicht mehr jeder

Deutschlands Friedhöfen gehen so langsam die Gräber aus, zumindest die nach traditionellem Muster. Viele Verstorbene enden heute in einem anonymen Grab, in einer Urne. Das neue, veränderte Kaufverhalten bei Bestattungen stimmt die Handwerksmeister der Region nachdenklich.

Für Hans Wolter, Steinmetzmeister und Betriebsleiter der Eschweiler Firma Natursteine Schaen, ist es der „Wandel der Zeit”, der zu einer Werteverschiebung in der Gesellschaft geführt hat. „Früher haben die Menschen allein aus der Tradition heraus Denkmäler und Grabstätten gekauft. Heute wird - wenn überhaupt - in ein Urnenwahlgrab investiert”, berichtet Wolter, der seit 31 Jahren für den Betrieb seiner Frau Elvi Schaen-Wolter tätig ist.

Den Rückgang der traditionellen Trauerkultur spürt der 59-Jährige auch in seiner täglichen Arbeit. Küchenarbeitsplatten, Fensterbänke oder andere Ausführungen im Natursteinbereich machen mittlerweile einen Großteil seines Umsatzes aus. „Das Verhältnis war früher ausgeglichen. Heute liegt der Grabsteinverkauf nur noch bei 40 Prozent”, schätzt Wolter.

Kopfzerbrechen bereitet den hiesigen Steinmetzbetrieben auch die zunehmende „Discountmentalität” in der Branche. Schnäppchenverkauf und Rabattaktionen einiger Grabsteinhändler schädige den Berufsstand, verdeutlicht Wolter. Das Grabmal sei sicher kein Ramschartikel und auf respektlose sowie irreführende Werbung müsse künftig verzichtet werden.

Daher hat sich die Steinmetz-Innung dazu entschlossen, Betriebe mit einem besonderen Vertrauenssiegel auszuzeichnen. An 20 Steinmetzbetriebe, darunter die Firma Schaen, wurde Anfang des Jahres dieses spezielle „Gütesiegel” verliehen. Für die ausgezeichneten Betriebe gilt der Grundsatz, dass ihr Verhalten und Auftreten sowie die Außendarstellung dem Bestattungsfall angemessen und pietätvoll sein müssen.