Eschweiler: Einen Abend lang wird Banksaal zum Pariser Salon

Eschweiler: Einen Abend lang wird Banksaal zum Pariser Salon

Mütter, die zur Matinee der Eschweiler Franz-Liszt-Gesellschaft und der Sparkasse in deren Filiale „Marienstraße” gekommen waren, durften sich gleich über zwei Geschenke an ihrem Ehrentag freuen.

Zu einen flochten Violetta Palatinus und ihre Flöten-Schülerinnen zum Muttertag einen musikalischen Blumenstrauß. Beim Abschied folgte dann noch einer in natura: Für Mütter allen Alters hielten die Mitarbeiter der Sparkasse am Ausgang eine Rose bereit.

Ihr Chef, Filialleiter Klaus Wohnaut, hatte die Matinee eröffnet. Bereits zum zweiten Male bewährte sich die Zusammenarbeit zwischen der Liszt-Gesellschaft und Wohnauts Bankinstitut, welches ein Sponsor der Musikvereinigung ist. Das erste Konzert „Musikalischer Frühling” damals an gleicher Stelle war ganz Franz Liszt gewidmet. Der ungarische Weltbürger und Namensgeber der Eschweiler Gesellschaft bildete auch das Bindeglied zwischen den Programmpunkten beim diesjährigen Muttertag.

Pressesprecher Siegfried Tschinkel zog als bewährter Moderator die Fäden. Er knüpfte in Worten die menschlichen und musikhistorischen Fäden, welche das 19. Jahrhundert auszeichneten. So - und auch von der Atmosphäre der Konzert-Matinee her - entstand eine intime Stimmung, die an die Wiener und Pariser Salons erinnerte.

Dort zelebrierten einst Liszt, Chopin und andere musikalische „Priester” ihre Kunst - und betörten die Damen der Gesellschaft durch Virtuosität und Auftreten.

Etwas vom „Zigeunerblut” eines Franz Liszt steckt offenbar auch in den zwei ungarischen Pianisten, die in der Sparkasse bei Liszts 2. Ungarischer Rhapsodie gleich vierhändig eine Visitenkarte ihres Könnens abgaben: József Ács, der musikalische Leiter der Liszt-Gesellschaft, und der erst 17-Jährige Zsolt Medgyesi aus Budapest.

Erfahrung, der es nach wie vor nicht an Leidenschaft mangelt, traf auf Jugend, die - schon international preisgekrönt - zu schönsten künstlerischen Hoffnungen Anlass gibt. Solistisch unterstrich dies Zsolt Medgyesi bei der Darbietung der Ballade g-moll Opus 23, mit welcher der Exilant Frederic Chopin seiner unterdrückten Heimat Polen ein Denkmal setzte: in Musik gegossene Poesie am Piano.

Huldigte der junge Mann aus Budapest Chopin, so József Ács seinem Idol Franz Liszt mit den „Wasserspielen der Villa d´Éste”. Sprudelnd wie diese vor Liszts feudalem Domizil bei Tivoli nahe Rom waren die musikalischen Einfälle des genialen Komponisten wie auch die wunderbar perlende und auswändig gespielte Interpretation des Maestros mit Wahlheimat Eschweiler.

Fixstern des musikalischen 19. Jahrhunderts - sowohl für die „reinen” Symphoniker wie Brahms wie für die Programmmusiker von Wagner und Liszt - war Ludwig van Beethoven. Beim Spielen seiner Sonate c-moll „Pathétique” ließ József Ács dem getragenen Grave das feurige Allegro folgen. Beethoven als der „erste Klassiker” und der „erste Romantiker”: Hier wurde das eine wie das andere hörbar.

Franz Liszt schätzte neben Beethoven den umfassend gebildeten Musiker Camille Saint-Saens. Bei der Arie der Dalila aus dem 2. Akt der biblischen Oper „Samson et Dalila” kam das warme Timbre der Altistin Silke Schimkat schön zum Tragen. Die Aachenerin, seit Jahren als Solistin bei Oratorien und zunehmend auch im Opern-Genre angefragt, war zum ersten Mal Gast der Liszt-Gesellschaft und hatte bei der Carmen-Habanera von Georges Bizet einen zweiten und mit ebenso starken Beifall belohnten Auftritt.

Violetta Palatinus war in letzter Zeit stark angespannt als Projektmanagerin der Eschweiler Franz-Liszt-Gesellschaft, vor allem bei der „Europa-Reise” der Graner Festmesse nach Budapest, Salzburg und Rom. Nach diesen gern übernommenen Pflichten freut sie sich aber immer auf die „Kür” und ihre eigentlich künstlerische Bestimmung - als Sängerin oder wie jetzt als Flötistin. Begleitet von ihrem Mann József Ács spielte sie „Die Flöte des Pan” von Jules Mouquet.

Der Sage nach verbreitet der Gott Pan sowohl („panischen”) Schrecken als auch becircenden Zauber. Violetta Palatinus´ Spiel ließ das Zweite vernehmen - und bei ihrem Spiel hätte man die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.

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