Eschweiler: Ein neues Hotel der ganz besonderen Arten beim Insekten-Projekt

Eschweiler : Ein neues Hotel der ganz besonderen Arten beim Insekten-Projekt

Dieses Hotel ist anders: Es ist quadratisch, kostenlos, hat 24 Räume und besteht größtenteils aus Naturmaterialien. Seine Lage direkt am Blausteinsee ist obendrein noch sehr exquisit. Aber dieses Hotel ist nicht für jedermann — ausschließlich Insekten dürfen hier hausen.

Darum trägt es auch den Namen „Insektenhotel am Blausteinsee“, erst am Freitag wurde es offiziell eröffnet. Präsentiert wurde es von seinen Machern: Guido Dondorf, sein Sohn Devid, Sergey Skrynnikov und 30 Kindern der offenen Ganztagsgrundschule Dürwiß. Ein gutes halbes Jahr haben sie daran zusammen gewerkelt und dabei auch noch eine ganze Menge gelernt.

Damit sich die Insekten in dem Hotel wohlfühlen, mussten die einzelnen Räume entsprechend eingerichtet werden. Nachdem die Kinder die Holzkisten angestrichen haben, suchten sie in der Natur nach verschiedenen Materialien für die Füllung. So nisten sich Marienkäfer gerne in Kiefernzapfen ein, Florfliegen in Stroh und Schmetterlinge mögen es zwischen Laub und Ästen.

Etwas anspruchsvoller gestaltet sich der richtige Nistplatz für Wildbienen und Wespen. Dafür arrangierten die Hoteliers Baumstumpfe und bohrten Löcher in diese: „Darin legen die Insekten ihre Eier ab“, erklärt Imker Guido Dondorf. „Immer im Wechsel platzieren sie ein Ei, dann Futter —bis die Löcher gestopft sind.“

Die gefüllten Kästen wurden anschließend in das Gerüst integriert, dass die Imkerei Dondorf konzipiert und errichtet hat. Darauf wurde ein Wellblechdach gesetzt: „Das sieht nicht nur gut aus, sondern hält auch viel aus“, erklärt Devid Dondorf, der die Leidenschaft seines Vaters für Insekten teilt. Und damit sich kein Vogel an dem Inventar des Hotels zuschaffen macht, haben die beiden Bastler Draht vor die Nistplätze gespannt. Die Räume für die Schmetterlinge sind mit Holzplatten bedeckt, in denen extra Schlitze eingearbeitet sind, durch die sie hinein gelangen können.

Die Grundschüler der OGS waren ganz schön erstaunt, als sie das fertige Insektenhotel am Freitag erstmals in voller Pracht gesehen haben. Der Aufbau wurde vom Freizeitzentrum Blaustein-See und der Caritas Weisweiler unterstützt. Bei dem Projekt haben die Schüler einiges über die Insektenwelt erfahren. „Wir haben gelernt, wie Honig entsteht, durften welchen probieren und haben sogar einen Kuchen gebacken“, erzählt die neunjährige Anna.

Aber auch das Insektensterben wurde thematisiert. „Wenn man früher ein paar Kilometer mit dem Auto gefahren ist, hatte man die ganze Scheibe voller Fliegen, es gab sogar extra Fliegenschwämme. Heute ist kaum noch ein Tier in der Luft“, macht Guido Dondorf die Situation deutlich. Dies falle aber kaum noch jemandem auf: „Insekten sind vielen Menschen lästig. Daher stört es keinen, wenn sie fehlen“, sagt der Imker.

Dabei wird aber vergessen, dass die kleinen Tierchen mehr können und einen echten Nutzen haben. „Insekten gehören zum Kreislauf des Lebens. Nur mit Hilfe ihrer Befruchtung können Früchte wachsen“, erklärt Jutta Pletz vom Freizeitzentrum Blaustein-See. „Mit dem Projekt wollen wir die Kinder schon früh dafür sensibilisieren.“

Pletz und Dondorf hoffen, dass das Projekt aber noch mehr Reichweite erfährt und vielleicht auch anderen Anreiz gibt, sich für Insekten stark zu machen. Dabei hoffen sie aber nicht nur auf die Neugierde junger Menschen: „Es soll ja auch Eltern geben, die von ihren Kindern lernen.“ Damit wären in Sachen Aufklärungsarbeit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen — aber Moment: Lassen Sie die Fliegen am Leben!

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