Stolberg: Eifel-Award als Anstoß zum weiteren Wandel

Stolberg: Eifel-Award als Anstoß zum weiteren Wandel

„Fortschritt heißt Wandel”, sagt Rainer Sievers. Der Geschäftsführer der Milch-Union Hocheifel (MUH) sieht in der Verleihung des Eifel-Awards 2011 der Zukunftsinitiative Eifel (ZI) just in diesen Tagen eine Bestätigung für den Weg, den die Genossenschaftsmolkerei mit rund 2600 Mitgliedern aus Deutschland, Belgien und Luxemburg bislang genommen hat und jetzt neu einschlagen möchte.

Die MUH steht vor einem Zusammenschluss mit Arla Foods amba, der weltweit achtgrößten Molkereigenossenschaft mit Sitz im dänischen Viby mit 8000 dänischen, schwedischen und deutschen Landwirten als Mitgliedern. Am 26. Juni stimmen die Vertreter der Mitglieder über das Zustandekommen der Fusion ab, aus der das drittgrößte Molkereiunternehmen in Deutsch­land hervorgehen soll. Zu diesem Zeitpunkt soll auch die Genossenschaft „Milk Link”, die viertgrößte Molkerei Großbritanniens, beitreten.

„Die Eifel ist wichtig”, betont Sievers bei der Feierstunde vor geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft im Unternehmenssitz Pronsfeld. „Wir arbeiten sehr effizient, aber alleine können wir die Erträge für unsere Landwirte auf Dauer nicht sichern.” Der MUH fehlt trotz eines breiten Standbeins im Dreiländereck und einem 40-prozentigen Exportanteil ein Partner, der international breit aufgestellt ist. Den sieht Sievers in Arla gefunden, um mit neuen Absatzmärkten „die seit Jahren verfolgte Strategie eines möglichst hohen und stabilen Milchpreises konsequent fortsetzen” zu können.

1966 wurde die MUH als klassische Molkereigenossenschaft im Herzen von Eifel und Ardennen gegründet. Heute sitzen die Mitglieder in Luxemburg, Wallonie, Flamen, in der Eifel über die Städteregion, Selfkant, bis ins Bergische Land und zum Niederrhein. 2600 Landwirte liefern mehr als 3,5 Millionen Kilogramm Milch täglich. 85 Prozent der Produkte werden als Handelsmarken europaweit vertrieben. Dabei setzt die MUH in erster Linie auf die klassische weiße Linie von haltbarer Milch über Kondensmilch bis zu Schmand. Ausbaufähig sind noch die Eigenmarke und weitere Produkte. Dabei verspricht Arla aus Pronsfelder Sicht der rechte Partner zu sein. „Arla produziert jede Menge Marken und bietet ein breites Produktportfolio”, verweist Sievers beispielsweise auf die Butter- und Käsesparte. Eine genossenschaftliche Fusion biete bei Wachstum mit Zugang zu globalen Märkten Planungssicherheit, Erzeugerpreise auf möglichst hohem Niveau und eine Milchabnahme-Garantie.

Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die Landwirte, denn im Jahresschnitt steigt die angelieferte Milch um rund fünf Prozent. Lieferte der durchschnittliche Landwirt im Jahr 2010 noch 462 543 Kilogramm an, so waren es im vergangenen Jahr bereits 507 781 Kilogramm.

„Wir müssen über den Tellerrand gucken”, sagt Sievers und verweist auf die Erweiterung der Molkerei in Pronsfeld, wo vor dem Hintergrund der 2015 auslaufenden Quotenregelung eine weitere Aufbereitung, eine Trockenmilchanlage und eine Butterei entstehen. „Fortschritt heißt Wandel”, betont der Geschäftsführer nochmals und freut sich mit seinen 850 Mitarbeitern über den Eifel-Award der Zukunftsinitiative, der die Entwicklung aus den Anfängen einer kleinen Molkerei „zu einem Hochtechnologieunternehmen, das der Region eine besondere Strahlkraft verleiht”, würdigte Städteregionsrat Helmut Etschenberg als amtierender ZI-Vorsitzender. Mit der Auszeichnung werden die Kernaufgaben der Zukunftsinitiative deutlich: Vernetzen, Informieren und Anstoßen.

Die MUH bediene mit Leichtigkeit alle gesetzten Schwerpunkte der ZI und ist als Partner der Regionalmarke Eifel und der Handlungsfelder Landwirtschaft, Tourismus sowie Innovation und Technologie, aber auch im Rahmen der Bekämpfung des Fachkräftemangels und der Aktivitäten zugunsten von Energie- und Klimaschutz ein Vorzeigebetrieb und Maßstab.

„Regionale Identität, Verbundenheit und Wertschätzung prägten stets die Firmenpolitik”, stellte Dr. Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises Bitburg-Prüm, heraus. Mit ihren Zukunftsplanungen werde die MUH der zunehmenden Globalisierung und dem steigenden Kostendruck auch im Agrarsektor Rechnung tragen.

9,7 Millionen Kilogramm Milch aus Stolberg

13 Landwirte aus Eschweiler sind Mitglieder in der Molkereigenossenschaft Milch-Union Hocheifel (MUH), 12 von ihnen sind noch aktiv. Sie haben im Milchwirtschaftsjahr 2011/2012 rund 5 Millionen Kilogramm Milch an die MUH geliefert. Der Jahresdurchschnitt pro Betrieb liegt bei rund 414.000 Kilogramm Milch. Der Durchschnitt für alle Lieferbetriebe der MUH liegt bei rund 500.000 Kilogramm. Der größte Lieferant aus der Indestadt produziert rund 837.000 Kilogramm für die Molkereigenossenschaft in Pronsfeld, der kleinste rund 138.000 Kilogramm.

Der Eifel-Award 2009 ging für das „Krimiland Eifel” stellvertretend an die Autoren Jacques Berndorf und Ralf Kramp; bislang erschienen eifelweit über 100 Kriminalromane und Anthologien von zahlreichen Autoren. Der Eifel-Award 2010 würdigte das „Eifel-Literatur-Festival”, mit dem Organisator Dr. Josef Zierden bei über 30 Lesungen mit namhaften Autoren allein im Jahr 2010 über 15.000 Besucher begeisterte, sowie das ostbelgische „Center Young Service Team”, das Jugendliche im ostbelgischen Raum mobil macht.