Eschweiler: E-Books werden nur zum Arbeiten genutzt

Eschweiler: E-Books werden nur zum Arbeiten genutzt

Dass gedruckte Bücher einmal — in ganz ferner Zukunft — aus dem Leben der Menschen verschwinden, kann sich Hannelore Wolter nicht vorstellen. Und wahrscheinlich will sich die Geschäftsführerin der Buchhandlung Librodrom das auch gar nicht vorstellen.

Nicht nur der am Dienstag stattfindende Unesco-Welttag des Buches, an dem Buchhandlungen, Bibliotheken, Verlage und Bücherliebhaber weltweit das Lesen feiern, wäre dann überflüssig.

Umringt von Mitarbeitern des RWE und der Gemeinde unterzeichneten Bürgermeister Axel Buch (l.) und Dr. Heinz-Willi Mölders vom RWE neue Konzessionsverträge für Strom und Gas. Foto: Bruno Elberfeld

Die Buch- und Verlagsbranche befindet sich im Wandel. E-Books und die Konkurrenz durch den Versandriesen Amazon sind nur einige Stichworte, die zeigen, welchen neuen Herausforderungen sich die Branche stellen muss. „Noch sind E-Book-Reader nicht so weit, dass sie gedruckte Bücher ersetzen können“, sagt Hannelore Wolter. Für Bücher mit großen Bildern, wie zum Beispiel Kochbücher oder Fotobände, seien die derzeitigen E-Books nicht geeignet.

Dass E-Books praktisch sind, will Wolter gar nicht leugnen: „Gerade bei Flugreisen hat sich doch immer die Frage gestellt, ob jetzt ein paar Kleidungsstücke zu Hause bleiben oder man dann doch ein Buch weniger mitnimmt“, sagt sie. Immerhin passen über 1000 Bücher — je nach Seitenumfang und Speicherkapazität des Geräts — auf ein E-Book. Dennoch: Der E-Book-Reader ist für Wolter ein reines Arbeitsgerät. Vorabexemplare der Verlage liest sie auf dem handlichen Gerät.

Aber privat will die Buchhändlerin nicht auf „den sinnlichen Genuss“ eines Buches verzichten.

Jörg Drescher von der Buchhandlung Oelrich und Drescher sieht das ähnlich. E-Book-Reader finden sich — genau wie bei Librodrom — im Sortiment der Buchhandlung. Drescher selbst nutzt die Reader aber nur, um sie für seine Kunden zu testen. Zwar hätten E-Books gerade für ältere Leser aufgrund der vergrößerbaren Schrift Vorteile, aber Drescher kritisiert auch: „Wer ein E-Book liest, der wird auch gelesen.“ Dass man mit dem Kauf eines E-Books viele Daten an den Hersteller preisgibt, wüssten viele Kunden nicht. Zudem sei die Bedeutung für den Umsatz noch sehr gering. Jörg Drescher schätzt, dass seine Buchhandlung ein bis zwei Prozent des jährlichen Gesamtumsatzes mit dem Verkauf von E-Books und E-Book-Readern erwirtschaftet. Hannelore Wolter geht von knapp fünf Prozent aus.

Und wie macht sich die Konkurrenz aus dem Internet bemerkbar? Stichwort Amazon. Zuletzt sah sich der Versandriese wegen seiner Arbeitsbedingungen massiver Kritik ausgesetzt: „Die Negativ-Schlagzeilen, die Amazon gemacht hat, haben uns wieder Aufwind gegeben“, sagt Hannelore Wolter. Sie weiß: „Die Leute wollen nicht nur die Bestseller-Listen lesen. Sie wollen Tipps haben, die davon abweichen.“ Die durch einen Algorithmus erstellten Buchempfehlungen von Amazon könnten da nicht mithalten.

„Wenn sich der stationäre Handel ins Internet verlagert, sinken auch langfristig die Einnahmen durch Gewerbesteuern“, gibt Jörg Drescher zu bedenken. Amazon und Google würden schließlich in Eschweiler keine Steuern zahlen, die dann etwa dem Kindergarten um die Ecke zugutekommen.

Zudem seien Buchhandlungen auch immer noch Orte der Begegnung oder „kulturelle Tankstellen“, wie Altkanzler Helmut Schmidt einmal sagte. „Wir sehen uns als kultureller Bestandteil einer Stadt“, sagt Drescher. „Wir veranstalten Autorenlesungen oder kooperieren mit Schulen. Das gibt es im Internet nicht.“