Eschweiler/Düren: Dramatischer Unfall: Fahrer überlebt um Haaresbreite, A4 voll gesperrt

Eschweiler/Düren: Dramatischer Unfall: Fahrer überlebt um Haaresbreite, A4 voll gesperrt

Nach einem schweren Unfall am Mittwochmorgen ist die Autobahn 4 ab Kerpen in Richtung Aachen für rund sieben Stunden lang voll gesperrt gewesen. Ein Lkw-Fahrer hatte lebensgefährliche Verletzungen erlitten, als seine Fahrerkabine von Teilen eines anderen Fahrzeugs durchbohrt wurde. Der 62-Jährige wurde nur um Zentimeter verfehlt - noch am späten Nachmittag kämpften die Ärzte um sein Leben.

Der Auslöser der Unfälle war ein relativ geringfügiger Zwischenfall: An einem Lastwagen platzte um 7.11 Uhr vor Weisweiler ein Reifen. Die Reifenteile flogen so unglücklich über die Fahrbahn, dass sie rund 20 darüberfahrende Autos beschädigten. Einem Lastwagen wurde der Tank aufgerissen, rund 300 Liter Diesel verteilten sich ebenfalls auf der Straße.

Beim vorangegangenen Unfall gegen 7 Uhr morgens waren rund 20 Autos durch Teile eines geplatzten Lkw-Reifens beschädigt worden. Einem anderen Lastwagen wurde der Tank aufgerissen, rund 300 Liter Kraftstoff liefen auf die Fahrbahn. Foto: Ralf Roeger

Um die Trümmer beseitigen zu können, musste die Autobahnpolizei zwei Spuren auf dem dreispurigen Streckenabschnitt sperren. Damit der sich bildende Stau nicht noch größer wurde, wies die Polizei die betroffenen Autofahrer an, ihre defekten Wagen zunächst an der Raststätte Aachener Land abzustellen.

Am Stauende kam es dann gegen 9.30 Uhr auf Höhe des Rastplatzes Rurscholle bei Düren zu dem schweren Unfall. Der Fahrer eines österreichischen Sattelschleppers übersah offenbar das Stauende. Sein 40-Tonner prallte gegen das Heck eines voll beladenen Autotransporters aus Litauen, der wiederum gegen einen Lkw aus Polen geschoben wurde.

Die Ladefläche des Autotransporters drang durch die Frontscheibe in das Führerhaus des Sattelschleppers, wobei sie den 62-Jährigen um Haaresbreite verfehlte. Der Mann wurde in der Kabine eingequetscht, wobei er schwerste Verletzungen erlitt. Die Feuerwehr musste ihn aus dem zertrümmerten Wrack schneiden, was sich rund zwei Stunden lang hinzog. Dass er überhaupt lebend geborgen werden konnte, grenzt an ein Wunder. Die Fahrer der beiden anderen Lastwagen, 25 und 49 Jahre alt, kamen mit dem Schrecken davon.

Ein Rettungshubschrauber flog den Geretteten ins Medizinische Zentrum nach Würselen, wo er sofort einer mehrstündigen Notoperation unterzogen wurde. Noch am späten Nachmittag kämpften die Ärzte um das Leben des 62-Jährigen. Gegen 16.30 Uhr äußerte sich Dr. Markus Graf, Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie, auf Anfrage unserer Zeitung vorsichtig optimistisch. „Die akute Lebensgefahr ist abgewendet.“ Es seien aber voraussichtlich noch mehrere weitere Operationen notwendig. Der Zustand des LKW-Fahrers hatte sich auch bis zum späten Mittwochabend nicht verändert.

Die Autobahn wurde ab dem Kreuz Kerpen in Richtung Heerlen/Aachen voll gesperrt, es kam zu langen Staus. Der Verkehr wurde ab Kerpen über die Autobahnen 61 und 44 über das Kreuz Jackerath umgeleitet. Die noch hinter der Unfallstelle auf der A4 stehenden Fahrzeuge wurden schließlich über den Rastplatz an der Unfallstelle vorbeigeführt. Erst nach rund sieben Stunden, gegen 16.30 Uhr, konnten zwei Fahrspuren wieder freigegeben werden.

Der Sachschaden dürfte in die Hunderttausende gehen. Allein auf dem litauischen Autotransporter wurden rund zehn Neuwagen schwer beschädigt.

Bei der Rettung des eingeklemmten Fahrers wurden die Feuerwehrkräfte aus Düren erstmals auch durch Kollegen von der Berufsfeuerwehr Aachen unterstützt. Das Verkehrskommissariat der Polizei Köln hat Ermittlungen zum Unfallhergang aufgenommen.

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