Eschweiler-Röhe: Dorfwerkstatt in Röhe: Bäckerei und Kneipencafé für die Zukunft

Eschweiler-Röhe: Dorfwerkstatt in Röhe: Bäckerei und Kneipencafé für die Zukunft

„Unser Dorf hat Zukunft“ — so hieß der von der Städteregion Aachen ausgerichtete Wettbewerb, an dem sich der Eschweiler Stadtteil Röhe im vergangenen Jahr beteiligte. Die Teilnahme unter Federführung der Interessengemeinschaft Röhe war erfolgreich: Röhe gewann einen Sonderpreis und die IG Röhe richtete damit nun eine Dorfwerkstatt aus.

Ziel der Veranstaltung, die am Samstagnachmittag im Pfarr- und Jugendheim St. Antonius stattfand, war, unter Beteiligung der Bürger kreative Lösungen zur Verbesserung des Ortsteils zu finden. Zunächst begrüßte Klaus Fehr, Vorsitzender der IG Röhe, sein Projektteam, das die Teilnahme am Wettbewerb seit fast eineinhalb Jahren begleitet hatte. Zu den Begleitern gehörte vor allem auch Andrea Drossard, die die IG Röhe als Kommissionsleiterin und Ansprechpartnerin der Städteregion Aachen während des Wettbewerbs unterstützte. Ebenso freute er sich über die zahlreichen Bürger, die sich an der Dorfwerkstatt aktiv beteiligten.

Die Röher Bürger wünschen sich unter anderem auch mehr Einzelhandelsgeschäfts. Einen ersten Schritt gab es nun. Die Röher sind nämlich sehr froh, dass es seit Anfang April mit der Bäckerei „Bei Violetta“ einen neuen Nahversorger gibt. Bleibt abzuwarten, ob dieser auch ausreichend frequentiert wird. Foto: Sandra Ziemons

Insgesamt fast 50 Leute waren der Einladung zur Dorfwerkstatt gefolgt, welche die IG Röhe mit 950 Flyern an alle Röher Haushalte, Geschäfte und Institutionen verteilt hatte. Als besondere Gäste begrüßte Fehr ebenfalls einige SPD- und CDU-Ratsmitglieder sowie Lisa Trienekens von der Abteilung Planen und Entwicklung der Stadt Eschweiler. Prof. Dr. Christoph Hebel und Bernd Billion, Mitglieder der Wettbewerbskommission und geschäftsführende Gesellschafter des Planungsbüros p:4, moderierten die Dorfwerkstatt.

Organisierten und gestalteten die Dorfwerkstatt: Klaus Fehr (2.v.l.), Vorsitzender der IG Röhe, Kommissionsleiterin des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ Andrea Drossard (r.) von der Städteregion Aachen sowie die Kommissionsmitglieder und Moderatoren Christoph Henkel (l.) und Bernd Billion (3.v.l.). Foto: Sandra Ziemons

In seiner kurzen Ansprache sagte Klaus Fehr, dass er hoffe, dass die IG Röhe beim Workshop Impulse erhalte, wie sie Röhe zukunftsfähiger machen könne. Er gab einen kleinen Rückblick über den Dorfwettbewerb. In einer Stärken- und Schwächenanalyse sammelten die Teilnehmer anschließend zunächst positive wie negative Aspekte ihres Stadtteils. Auf der positiven Seite nannten die Anwohner unter anderem die gute ÖPNV-Anbindung, die historischen Bauten, die schöne Kirche und das Vorhandensein von Kindergarten, Grundschule und Spielplätzen. Mit der vor kurzem neu eröffneten Bäckerei „Bei Violetta“ der Familie Cunaj verfüge Röhe auch wieder über einen Nahversorger mehr. Ebenfalls stolz sind die Röher auf ihren zentralen Rinkensplatz sowie den Sportplatz.

Die Aachener Straße ist eine der Schwächen des Stadtteils Röhe. Die Anwohner wünschen sich unter anderem mehr Querungshilfen wie hier an der Röher Kirche. Foto: Sandra Ziemons

Als Schwächen von Röhe nannten die Teilnehmer beispielsweise den hohen Verkehrslärm durch Autos und Flugzeuge, die schlechten Querungsmöglichkeiten an der Aachener Straße, zu wenige Parkmöglichkeiten an der Kirche und zu wenig Einzelhandel. Die Bürger bedauerten außerdem, dass es kaum Bauflächen und somit Städteentwicklungsmöglichkeiten in ihrem Stadtteil gebe. In einzelnen Straßen, wie Am Römerberg, in der Erftstraße und in der Goerdstraße bemängelten sie auch Probleme mit Durchgangs- und Schwerlastverkehr. Dann ging es darum, Wünsche zu äußern: Hier waren sich die Workshopteilnehmer schnell einig. Sie wünschen sich vor allem eine Art Dorfcafé, einen Ort, wo sich die Röher zum Quatschen treffen können. Auch eine Dorfkirmes, sogar mit Riesenrad, lag einer Röherin am Herzen. Da Röhe in drei Jahren 675 Jahre alt wird, soll es dann ebenfalls ein großes Fest geben. So lautete ein weiterer Wunsch.

Gemeinschaft neue Anregungen geben

Aufgeteilt in zwei Gruppen sammelten die Teilnehmer unter Leitung von Christoph Hebel und Bernd Billion nach der allgemeinen Diskussion weitere Projektideen unter Einbeziehung der genannten Stärken und Schwächen des Dorfs. In einer Gruppe kristallisierte sich die Planung des sozialen Treffpunkts, des „Erzählcafés“, wie es die Workshopteilnehmer nannten, heraus. 13 Interessenten meldeten sich, um ein Planungsteam hierfür zu bilden. Kathi Winzern, Wirtin der Röher Kneipe „Zum Hirsch“ erklärte sich bereit, einen separaten Saal ihres Lokals zukünftig zum Erzählcafé umzufunktionieren. „Ich habe an dem Workshop teilgenommen, um der Gemeinschaft im Dorf neue Anregungen zu geben. Ich möchte sehen, wie es weitergeht und ich möchte helfen und die Gemeinschaft fördern. Wir werden nun das Dorfcafé gemeinsam starten“, sagte Kathi Winzern.

Ihr stimmte Gisela Plasa zu: „Ich finde die Idee gut. Es gab bisher nichts in Röhe, wo man sich treffen konnte. Also machen wir jetzt ein Kneipencafé auf. Es ist geplant, dass einige Frauen aus Röhe Kuchen backen und diesen im zukünftigen Erzählcafé verkaufen — die Erlöse sollen für Anschaffungen im Stadtteil gespendet werden.“

In der anderen Projektgruppe spielte Kommunikation in Röhe ebenfalls eine große Rolle. Derzeit gibt es bereits viele Möglichkeiten, mit denen die Röher Vereine und die IG Röhe mit den Bürgern kommunizieren: diverse Schaukästen, unter anderem an der Gaststätte „Zum Hirsch“, Plakate, den Pfarrbrief und auch einige Facebook-Gruppen im Internet. Somit würde es bereits gut klappen, dass die Vereine ihre Termine im Ort mitteilen. Leider würden sich aber beispielsweise die Pressewarte der Vereine nicht untereinander austauschen, merkte Christina Frantzen vom Wettbewerbs-Projektteam an, die die Ergebnisse der zweiten Diskussionsgruppe vorstellte.

Der Vorschlag: Ein Erfahrungsaustausch der Vertreter der jeweiligen Röher Vereine könnte bei der Hauptversammlung der IG Röhe stattfinden. Außerdem wäre ein Dorfkalender mit allen Veranstaltungen in Röhe eine gute Idee, ebenso wie eine Dorfzeitung. Zur Finanzierung einer Dorfzeitung könne man beispielsweise bei den Bürgern Geld sammeln, schlug Christina Frantzen vor. Dafür würde die Zeitung dann die Dorfgeschichte und -geschichten erzählen.

„Leute aktivieren“

„Röhe soll am Fortschritt teilnehmen. Man muss aber die Leute aktivieren und sie ansprechen. Dann kann man etwas bewegen“, zog Teilnehmer Heinz-Josef Schönenborn aus seiner Sicht ein Zwischenfazit zur Kaffeepause. Während der kurzen Unterbrechung konnten sich die Teilnehmer der Dorfwerkstatt mit Kuchen stärken, den die IG Röhe von der neuen Bäckerei „Bei Violetta“ bezogen hatte.

Frank Laufs, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Eschweiler Nord-West, zeigte sich begeistert vom Workshop: „Herr Fehr hat viel auf die Beine gestellt. Ich finde es interessant, was machbar ist, wenn die Dorfgemeinschaft zusammenhält. Und welche Unterstützung öffentliche Stellen leisten können, wenn Bürger zusammenstehen.“ Während die Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ allein in Hand der IG Röhe lag und weder Aufgabe der Politik noch der Stadt Eschweiler war, so versuchte die Stadt dennoch ein wenig zu unterstützen. „Als klar wurde, dass Röhe am Wettbewerb teilnahm, haben wir die IG Röhe ein wenig begleitet, indem wir einen Platz auf der Website der Stadt Eschweiler im Bereich Planen und Entwicklung eingeräumt haben, wo Dokumente zum Wettbewerb veröffentlicht werden konnten. Heute bin ich zum Zuhören da, denn vielleicht habe ich ja später eine Idee, wie die Stadt Eschweiler Röhe helfen kann. Hier sind viele engagierte Bürger, die wissen, was man aus ihrem Dorf machen kann. Und das ist letztlich auch gut für die gesamte Stadt“, sagte Lisa Trienekens von der Stadt Eschweiler.

Zum Abschluss des Nachmittags fassten die Moderatoren Christoph Hebel und Bernd Billion die ersten Ergebnisse des Workshops zusammen. An einige Sachen müsse man noch einen Haken machen, sagte Hebel, deshalb rief er die Teilnehmer dazu auf, weitere Mitstreiter zu finden, und dann würde in drei Jahren vielleicht auch ein Riesenrad in Röhe stehen. Eine Anspielung auf den Wunsch einer Workshopteilnehmerin nach einer Kirmes mit Riesenrad. Die 675-Jahr-Feier sei ein mittelfristiges Ziel, auf das Röhe nun gut hinarbeiten könne. Auch Andrea Drossard, Kommissionsleiterin des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ der Städteregion, war sich sicher: „Sie haben verstanden, dass es sich lohnt, sich für die eigene Heimat zu engagieren.

Eine starke Gemeinschaft kann viel erreichen.“ Sie lege viel Hoffnung in das Programm der neuen Bundesregierung zur Heimatförderung und hoffe, dass die Förderung tatsächlich auch bürokratiearm erfolgen werde. Klaus Fehr hatte dem nicht viel mehr hinzuzufügen, außer den Teilnehmern nochmals für ihr Kommen und ihr Engagement zu danken und sie zu bitten: „Unterstützen Sie Röhe, unterstützen Sie die Interessengemeinschaft Röhe.“ Im Nachgang zur Dorfwerkstatt werden alle Teilnehmer ein von Bernd Billion und Christoph Hebel erarbeitetes Ergebnisprotokoll erhalten.

(zsa)
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