DLRG Eschweiler: Keine Nachwuchs-Probleme

DLRG in Eschweiler : Andere Probleme als Nachwuchssorgen

105. Geburtstag der DRLG: Ortsgruppe zeigt auf, was gut läuft, wo es Schwierigkeiten gibt und was Schulen tun können.

„Die Mitgliederzahl ist sehr konstant, wir haben keine Nachwuchsprobleme“, stellt Michael Uhr, Pressesprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Eschweiler, direkt zu Beginn fest. Die Ortsgruppe Eschweiler zählt zurzeit etwa 250 Mitglieder. Diese sind allerdings nicht alle aktive Mitglieder.

Zwischen aktiven und passiven Mitgliedern gibt es nämlich einen Unterschied: „Passiv sind die, die sich nur zu den Trainingsstunden treffen“, erklärt Uhr. „Die aktiven hingegen übernehmen unsere Hauptaufgabe draußen“, führt er weiter aus. Diese Hauptaufgabe besteht vor allem aus dem Wachdienst am Rursee, der von der Bezirksgruppe Aachen durchgeführt wird, zu der auch die Ortsgruppe Eschweiler zählt.

Knapp 45 Mitglieder gelten als aktive Mitglieder. Sie kümmern sich um die Wasserrettung und die Beaufsichtigung am Rursee – zu letzterer gehören übrigens sowohl Schwimmer als auch Boote. Von April bis Oktober sind die DLRG’ler im Einsatz, das alles ehrenamtlich.

Uhr weist darauf hin, dass diese Arbeit nicht nur einen zeitlichen Aufwand für die Mitglieder bedeutet, sondern auch einen finanziellen. Die Einsatzkleidung zum Beispiel werde zwar bezuschusst, trotzdem müssen die Helfer oft noch einen Eigenanteil zahlen. „Man muss vom Betreiber schon irgendwie unterstützt werden, neben dem Material wie Booten müssen auch andere Kosten wie zum Beispiel Spritkosten bedacht werden“, sagt Uhr.

Die fehlende Unterstützung ist im Übrigen auch ein Grund dafür, dass die DLRG nicht mehr am Blausteinsee aktiv ist. Was viele allerdings nicht wissen: Die Ortsgruppe Eschweiler war noch nie für den See verantwortlich. „Wir haben hier, wenn überhaupt, mal ausgeholfen, aber er war immer im Aufgabenbereich des Bezirks Düren“, erklärt er. Aber seit geraumer Zeit ist die DLRG nicht mehr vor Ort, nach Uhrs Kenntnisstand sei das Schwimmen seitdem unbeaufsichtigt.

Ganz anders sieht das abgesehen vom Rursee im Hallenbad an der Jahnstraße aus. Dort gibt die DLRG wöchentlich ihre Schwimmkurse. Immer montags zwischen 19 und 21 Uhr wird für verschiedene Level trainiert. Die Nachfrage nach den Kursen ist riesig, „es gibt monatelange Wartelisten“, wie Uhr berichtet. Wer sein Kind zum Schwimmkurs anmelden möchte, sollte das nach Möglichkeit sechs bis zwölf Monate im Voraus tun.

Die DLRG würde gern kürzere Wartezeiten anbieten und mehr Kinder ausbilden, dazu fehlt es aber vor allem an Platz. „Wir hätten für die Schwimmausbildung von Kindern gerne mehr Kapazitäten, aber dazu bräuchten wir mehr Hallenzeiten und das geht nicht“, klagt Uhr. Ein Hallenbad für eine Stadt in der Größe Eschweilers sei einfach zu wenig.

„Arbeiten an Kapazitätsgrenze“

Da die Vereine, darunter auch die eigene Ortsgruppe Weisweiler und die Wasserfreunde Delphin Eschweiler, schon lange an ihre Grenzen stoßen, sieht Uhr vor allem einen anderen Akteur in der Pflicht: die Schulen. „Wir arbeiten an unserer Kapazitätsgrenze, aber die Anfragen sind auch immer mehr geworden, weil die Schulen die Ausbildung nicht mehr leisten“, meint Uhr. Würden Grundschulen wieder Schwimmunterricht anbieten, könnte das die Vereine entlasten. Oft scheitert das aber daran, dass den Lehrern die entsprechende Ausbildung fehlt.

„Die Sportlehrer brauchen eine Rettungsbefähigung, aber diese haben viele leider nicht mehr“, behauptet Uhr. Dabei sei sie deutlich weniger Aufwand als zum Beispiel ein Rettungsschwimmer. Er würde Kinder in jedem Fall immer professionell ausbilden lassen, da Eltern meist keine gleichwertige Ausbildung leisten könnten. „Am meisten würde ich mir da wünschen, dass die Schulen wieder verstärkt mit einsteigen“, sagt Uhr. Er weiß aber auch, dass das aufgrund von engen Zeitfenstern oft nicht möglich ist.

Was Eltern aber übernehmen können, ist die Wassergewöhnung des Kindes. „Man kann an und auch ins Wasser gehen, sollte dann aber unbedingt bei ihnen bleiben“, erklärt Uhr. Viele Eltern gingen zu leichtsinnig mit den Gefahren des Wassers um. Außerdem können Eltern sich frühzeitig um einen Platz in Schwimmkursen kümmern. Zusätzlich zur Wartezeit kommen laut Uhr nochmal mindestens zwei Monate Schwimmausbildung dazu. Dabei ist besonders wichtig, dass die Kinder eine Sicherheit im Schwimmen gewinnen. Uhr findet: „Es geht am meisten darum, die Angst vor dem Wasser zu nehmen.“

Einen genauen Zeitpunkt, wann Kinder mit der Schwimmausbildung beginnen sollten, kann Uhr nicht nennen. „Wenn man aus dem Kindergarten kommt, sollte man meiner Meinung nach schwimmen können, aber das ist idealtypisch und wäre nur mein Wunsch“, gibt er zu. Realistischer sei die Zeit zu Beginn der Grundschule. Grundsätzlich gilt für ihn aber auch: je früher, desto besser.

Mischung aus Spaß und Ernst

Dann stünden auch die Chancen besser, dass die passiven Mitglieder irgendwann zu aktiven werden. „Viele Leute, die bei uns bleiben, haben auch bei uns schwimmen gelernt“, erzählt Uhr. Das aktive Team sei sehr jung, größtenteils sind die Mitglieder unter 30 Jahre alt. „Das wichtigste ist, dass wir sie daran heranführen, dass alles freiwillig und ehrenamtlich ist.“ Dann gebe es zwei Bereiche: Einen ernsten bei der Arbeit, in dem alles funktionieren muss, und den Teil nach der Arbeit: die Freizeit. „Nur wenn man Spaß miteinander hat, kann auch die ernste Arbeit Spaß bringen“, findet Uhr.

Die Arbeit der DLRG hält Pressesprecher Michael Uhr auch 105 Jahre nach dem Entstehen noch für überaus relevant: „Es ist wichtiger denn je, weil das Freizeitverhalten immer mehr nach draußen drängt und damit oft eine Risikobereitschaft einhergeht, die immer größer wird.“

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