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Eschweiler-Dürwiß: Dieter Wilhelm unterstützt als Senior-Experte junge Auszubildende

Eschweiler-Dürwiß : Dieter Wilhelm unterstützt als Senior-Experte junge Auszubildende

Dieter Wilhelm drückt in diesen Tagen wieder die Daumen. Nicht jemandem aus der Familie oder dem Freundeskreis, sondern einer jungen Frau, die er vor nicht einmal drei Jahren kennengelernt hat. Dieter Wilhelm ist 73 Jahre alt und hat sich nach seiner beruflichen Karriere entschieden, als sogenannter Senioren-Experte junge Menschen zu unterstützen.

Und für die junge Frau, die er seit 2015 auf ihrem Weg durch die Ausbildung begleitet, steht in Kürze die Abschlussprüfung an.

„Nach meiner Arbeitszeit war ich der Meinung, dass ich so viele Kenntnisse erworben habe, die man weitergeben kann“, sagt Dieter Wilhelm. Er ist gelernter Betriebsschlosser und besuchte danach die technische Abendfachschule für Maschinenbau. Später war er 30 Jahre in der Entwicklungsabteilung von Philips in Aachen tätig und beschäftigte sich mit dem Thema Qualitätssicherung.

Also machte er in seinem Ruhestand Pläne und sprach zunächst Bürgermeister Rudi Bertram an. Der habe die Idee interessant gefunden, Jugendliche zu unterstützen. Dieter Wilhelm versuchte daraufhin, eine Kooperation zwischen der Waldschule und Handwerksbetrieben auf die Beine zu stellen. Unter anderem traf er sich mit dem Vorsitzenden der Kreishandwerkerschaft, daraufhin wurden sämtliche Handwerksbetriebe in Eschweiler angeschrieben.

Das Ziel war, Schüler und Betriebe an einem Tag in der Schule zusammenzubringen. Das Ergebnis war jedoch ernüchternd: Mehr als 100 Betriebe wurden angeschrieben, lediglich drei antworteten. Dieter Wilhelm ließ trotzdem nicht locker und besuchte sogar zwei der drei Betriebe. Die Begeisterung sei immer groß gewesen, an der praktischen Umsetzung scheiterte es jedoch.

„In der Zwischenzeit hatte ich Kenntnis vom SES bekommen“, sagt Wilhelm. SES steht für Senior-Experten-Service. Die Organisation mit Sitz in Bonn vermittelt Experten für die verschiedensten Projekte im In- und Ausland. Dieter Wilhelm meldete sich also in Bonn, fuhr in die ehemalige Hauptstadt und sprach mit ein paar Verantwortlichen, die ihm das Programm VerA ans Herz legten.

VerA steht für Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen und damit ist schon gut beschrieben, worum es bei dem Projekt geht. Der Hintergrund: In Deutschland bricht jeder vierte Jugendliche seine Ausbildung vorzeitig ab, oft schon im ersten Lehrjahr. Nur jeder zweite setzt die Ausbildung in einem anderen Betrieb oder Beruf fort. Kurz darauf war Dieter Wilhelm einer von 1500 VerA-Ausbildungsbegleitern in Deutschland.

Im November 2015 traf sich der Wahl-Dürwisser mit der eingangs erwähnten jungen Frau zu einem ersten Kennenlernen. Die berühmte Chemie stimmte und so schlossen die beiden eine Vereinbarung zur Ausbildungsbegleitung ab, die jederzeit von beiden Seiten gelöst werden kann. Wurde sie nicht und Dieter Wilhelm freut sich, „dass es gut läuft“.

Er habe sehr schnell festgestellt, „dass der Wille bei ihr da ist, die Ausbildung durchzuziehen“. Zudem sei sie immer sehr zuverlässig. Alle drei Wochen finden seit Beginn der Zusammenarbeit Treffen statt, und Dieter Wilhelm ist sehr zufrieden, dass diese eingehalten und falls es mal nicht möglich ist, auch abgesagt werden. Zuverlässigkeit ist nicht selbstverständlich, wie der Senior-Experte weiß. Aus zwei weiteren VerA-Anfragen ist — aus verschiedenen Gründen — nichts geworden. Auch das kann bei diesem Projekt vorkommen.

Aber zurück zu Dieter Wilhelms (bislang) erfolgreichem VerA-Schützling. Er habe ihr viel beibringen können und dies sei auch sehr gut angenommen worden. Waren die Zeugnisnoten etwa mal nicht so gut, erstellten die beiden einen Plan, wie die Noten verbessert werden konnten. Auch, wie man strukturiert arbeitet, vermittelte der 73-Jährige. Die junge Frau, die in Aachen wohnt, habe dies stets gut aufgenommen. Und mehr noch: „Sie zeigt mir regelmäßig auf dem Handy Fotos, was sie gemacht hat“, erzählt Wilhelm mit einem Lächeln. Die junge Frau ist Malerin und Lackiererin.

Dieter Wilhelm und seine Mitstreiter des SES, die jedes halbe Jahr einen Bericht über den Fortschritt ihres Schützlings schreiben, werden übrigens auch nicht alleine gelassen. Zweimal im Jahr gibt es eine Zusammenkunft in Aachen für die Ehrenamtler, die bei VerA mitarbeiten, bei der Informationen und Erfahrungen ausgetauscht werden. „Man ist nicht allein auf weiter Flur“, erklärt der 73-Jährige, der sich wünscht, dass das Projekt noch bekannter wird. So wüssten in den Berufskollegs viele noch gar nicht über VerA bescheid.

Die Zahl der Anfragen steigt dennoch stetig. Waren es im Jahr 2009 noch 135 Anfragen, die beim SES eingingen, ersuchten im Jahr 2017 3070 Auszubildende um Hilfe. Seit Start des Projekts gingen insgesamt 14.253 Anfragen beim SES ein. Bei zwei Dritteln der Jugendlichen ist das Ausbildungsverhältnis nach eigenen Angaben gefährdet, ein Drittel will seine Leistungen optimieren. Etwa die Hälfte aller VerA-Anfragen stammt von den Jugendlichen, die andere Hälfte stellen Eltern, Lehrer, Ausbildungsbetriebe und Kammern.

Hört man Dieter Wilhelm zu, hat man das Gefühl, dass beide Seiten profitieren. Der Senior, weil er sein Wissen weitergibt und nach dem Berufsleben eine wichtige Aufgabe hat. Der junge Mensch, weil er vom Fachwissen und der Lebenserfahrung des Seniors profitiert. Ob das Daumendrücken hilft, wird man in Kürze sehen. Der Weg zum erfolgreichen Abschluss ist auf jeden Fall geebnet.