Eschweiler: Die Zahl der Organspenden sinkt: Eschweiler Ärztin mit Appell

Eschweiler : Die Zahl der Organspenden sinkt: Eschweiler Ärztin mit Appell

Ich bin nicht verpflichtet, ich muss nichts zahlen und meine Daten werden nirgends registriert. Ich muss nicht einmal „Ja“ sagen. Eigentlich ist das Prinzip so simpel und dennoch tue ich mich damit schwer, einen Organspendeausweis zu beantragen.

Während die Autorin so vor sich hingrübelt, sterben irgendwo auf der Welt Menschen, die dringend ein Spenderorgan gebraucht hätten. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Organspenden in Deutschland so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Gerade einmal 797 Organe wurden gespendet. Das Bundesgesundheitsministerium macht die Krankenhäuser mitverantwortlich für diese geringe Anzahl. „Strukturelle und organisatorische Schwachstellen“ sowie „Arbeitsverdichtungen“ in den Kliniken führten zu rückläufigen Organentnahmen, teilte das Ministerium mit. Eine weitere Ursache sei die unzureichende Vergütung der Organentnahme.

Im St.-Antonius-Hospital in Eschweiler wurde 2017 kein Organ entnommen, in den vergangenen zehn Jahren waren es insgesamt vier Nieren. Das erscheint wenig, wenn man bedenkt, dass im vergangenen Jahr 797 Organe auf etwa 1200 Krankenhäuser in Deutschland entfallen sind, die befugt sind, Organe zu entnehmen. Damit in einem Krankenhaus Organe entnommen werden dürfen, muss mindestens ein ausgebildeter und zertifizierter Transplantationsbeauftragter vorhanden sein. Im Eschweiler St.-Antonius-Hospital sind gleich zwei Ärzte für diesen Posten zuständig: Oberärztin Dr. Yvonne Commerscheidt-Hopp und Dr. Andreas Niedeggen. Damit ist das Krankenhaus organisatorisch gut aufgestellt, wie Commerscheidt-Hopp erklärt.

Zeitliche Engpässe kenne man aber trotzdem: „Es ist richtig, dass die Zeit für diese Aufgabe sehr eng bemessen ist, da man noch viele andere Aufgaben wahrnehmen muss, die täglich anfallen.“ Auch in Fortbildungen, an denen die Ärztin teilgenommen hat, würde der Tenor, dass die Zeit zu knapp ist, wiedergegeben. „In jedem Krankenhaus werden die Transplantationsbeauftragten unterschiedlich gefördert“, erklärt Commerscheidt-Hopp. Sie selbst fühle sich aber gut unterstützt: „Man muss sich die Zeit eben bewusst nehmen.“

Denn neben der eigenen Fortbildung obliegt es den Beauftragten, die interne Wissensstruktur auf diesem Bereich aufzubauen und zu pflegen. Mitarbeiter müssen beispielsweise darin geschult werden, wie Organspende abläuft, wie potenzielle Spender behandelt werden müssen und welche rechtlichen Pflichten es zu beachten gilt. Auch wenn die Beauftragten nicht vor Ort sind, muss eine Organentnahme möglich sein.

Zudem kümmern sich Commerscheidt-Hopp und Niedeggen auch um Infoveranstaltungen für Bürger — allerdings haben solche zuletzt vor einigen Jahren stattgefunden.

Müsste das Eschweiler Krankenhaus da nicht viel mehr tun? Commerscheidt-Hopp verweist darauf, dass die Krankenkassen alle zwei Jahre Post mit Informationen zur Organspende versenden, die auch einen Ausweis enthält. „Das Engagement jedes Einzelnen ist gefragt“, meint die Anästhesistin. Offenbar fehlt dieses aber in Deutschland. Viele Menschen sind entweder unwissend oder ihnen fällt dieser Schritt schwer. „Organspende ist ein heikles und sensibles Thema, bei vielen löst es Angst und Sorgen aus“, nennt Commerscheidt-Hopp einen Grund. „Nicht jeder möchte sich mit dem Tod beschäftigen.“ Außerdem gebe es Vorurteile aufgrund von Skandalen in der Transplantationsmedizin. „Wir brauchen mehr Transparenz. Auch die Medien müssen Organspende offensiver thematisieren“, lautet der Appell der Oberärztin. „Es geht darum, die Menschen davon zu überzeugen, eine Entscheidung zu treffen.“

Und zwar eine Entscheidung für oder gegen eine Organspende, die man schriftlich festhält. Denn eigentlich ist das Prinzip des Organspendeausweises simpel. Kostenfrei kann man sich das Dokument mit Größe einer Visitenkarte zukommen lassen. Man trägt darauf selbstständig Name, Geburtsdatum und Adresse ein. Auf der Rückseite gibt man an, ob man einer Organentnahme im Todesfall zustimmt oder widerspricht. Falls man sich dafür entscheidet, kann man außerdem angeben, ob nur gewisse Organe und welche entnommen werden dürfen. Außerdem kann man eine Person bestimmen, die darüber entscheiden soll. Nur mit Unterschrift ist der Ausweis gültig, und die angegebenen Daten werden dabei an keiner offiziellen Stelle gespeichert.

Wer die eigene Entscheidung in einem Organspendeausweis festhält, schafft Klarheit und erspart seinen Angehörigen Kopfzerbrechen. Denn ohne diese Dokumentation bleibt es ihnen überlassen, im Todesfall über eine Organentnahme zu bestimmen. Wer jetzt ins Grübeln gerät, sollte einmal zu Ende grübeln, seine Entscheidung festhalten — und dann seine Gedanken wieder auf das Leben richten.

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