Eschweiler: Die weltgrößte Jugendbewegung lebt auch in Eschweiler

Eschweiler : Die weltgrößte Jugendbewegung lebt auch in Eschweiler

André Daun ist stolz ein Pfadfinder zu sein. Denn damit ist der gebürtige Eschweiler ein Teil der größten Jugendbewegung der Welt, die vor einigen Tagen mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet wurde — übergeben von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

Schätzungen zu Folge gehören der Pfadfinderschaft etwa 38 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit an, in Deutschland sind es 220.000 Mitglieder. Und 43 von ihnen sind Pfadfinder der Pfarre St. Bonifatius in Dürwiß.
Auch André Daun ist seit seinem fünften Lebensjahr dabei und mittlerweile einer von sechs Gruppenleitern, die 43 Kinder und Jugendliche betreuen.

Der 26-Jährige findet den Westfälischen Friedenspreis für die Pfadfinder sehr passend, denn Frieden ist einer ihrer wichtigsten Werte. „Wir sind eine Gemeinschaft und tolerieren jeden, egal wie unterschiedlich wir sind und ganz unabhängig von Herkunft, Religion oder ob jemand eine Behinderung hat oder nicht“, erklärt Daun. Er findet es wichtig, dass auch die Pfadfinder mal mit einer solchen Auszeichnung bedacht werden.

Eine Herzensangelegenheit

Hinter der Gemeinschaft steckt nämlich jede Menge Engagement. Jede Woche treffen sich die St.-Bonifatius-Pfadfinder und überlegen sich ein gemeinsames Abendprogramm, das alle mitnimmt. Geleitet werden diese Treffen von Betreuern wie André Daun. Er organisiert auch das große Sommerlager in Zandvoort, das nächste Woche beginnt.

Seit einem Jahr wird Stück für Stück alles vorbereitet: Eine Radtour, ein Strandtag, ein Spieletag und ein Ausflug nach Amsterdam stehen auf dem Programm. Viel Arbeit und viel Zeit müssen Daun und die anderen Betreuer investieren. Warum er das macht? „Für mich ist es eine Herzensangelegenheit“, sagt André Daun. „Es macht mir einfach Spaß, Zeit mit den Kindern zu verbringen und das alles hier am Laufen zu halten.“

Ohne engagierte Betreuer würde es für die Pfadfinder schlecht aussehen. Diese Erfahrung haben auch die St.-Bonifatius-Pfadfinder schon gemacht. Als einer ihrer Betreuer den Verein verlassen musste, verließen auch viele ältere Pfadfinder seiner Gruppe den Verein. Damit wurde der Pfadfinderstamm insgesamt sehr jung, jetzt fehlt der Nachwuchs bei den Betreuern. „Das ist wirklich ein Problem“, sagt Daun. „Es ist auch nicht so einfach, Leiter von außerhalb zu finden. Die einen unterschätzen die Tätigkeit, den anderen fehlt einfach die Verbindung zur Pfadfinderschaft.“

Denn auch wenn die Pfadfinder eine ganz normale Jugendgruppe sind, gibt es doch ein paar traditionelle Gepflogenheiten, die manch einem erstmal befremdlich erscheinen mögen. Zum Beispiel tragen die Pfadfinder eine Uniform, die sie selbst als „Kluft“ bezeichnen. „Die tragen wir aber nicht immer, nur zu besonderen Anlässen oder im Sommerlager“, sagt Daun.

Einerseits verbinde sie alle miteinander, andererseits sei sie sehr individuell. Denn jeder hat darauf verschiedene aufgenähte Abzeichen als ErinnerungSstücke an Erlebnisse seines Pfadfinder-Lebens. Aber es gibt noch vielerlei andere Eigenheiten bei den Pfadfindern, eigene Begriffe, eigene Strukturen und Rituale. Traditionell gehören zum Beispiel Lagerfeuermachen, Stockbrotbacken oder Schnitzen dazu.

Generell wird auf den sorgsamen Umgang mit der Natur Wert gelegt. „Aber das heißt nicht, dass wir non-stopp im Wald sind“, erklärt Daun. Genausowenig verkaufen die Eschweiler Pfadfinder Kekse oder suchen ständig Spuren. Das seien eher Klischees aus amerikanischen Hollywood-Filmen.

Keine Erziehungsanstalt

Auch stellt Daun klar: Die Pfadfinder sind auf keinen Fall eine Erziehungsanstalt — im Gegenteil. „In der Schule gibt’s Regeln, zu Hause darf man auch nicht alles — hier sollen die Kinder ruhig mal etwas ausprobieren“, erklärt der 26-Jährige.

Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb das Konzept der Pfadfinder solange währt. 1907 wurde die Jugendorganisation in England gegründet, kurze Zeit später erreichte sie auch Deutschland. Mehrere Verbände haben sich daraus entwickelt, die vom Ring deutscher Pfadfinderverbände zusammengehalten werden. Hier in der Region ist die DPSG Aachen mit 6800 Mitgliedern der größte Verband.

„Zu wenige Kinder werden wir nie haben. Wer von klein auf Pfadfinder ist, der bleibt auch bis ins Jugendalter dabei“, meint Daun. „Als Pfadfinder fühlt man sich einfach immer irgendwie miteinander verbunden.“ Zwecklos sei es dagegen, zu versuchen, jemanden erst im Jugendalter von den Pfadfindern zu begeistern. „Das ist vielen dann zu uncool.“

Dass Pfadfindersein aber doch ganz schön cool sein kann, zeige sich vor allem bei den Sommerlagern, wo jährlich Hunderte Pfadfinder aus vielen Ländern der Welt zusammenkommen.

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