Eschweiler: Die Senioren müssen ihre Koffer packen

Eschweiler: Die Senioren müssen ihre Koffer packen

Etwas nervös blickt sich die ältere Dame um. „Was soll denn nun aus uns werden?”, fragt sie fast hilflos. Am Dienstag hat die Seniorin, die schon lange im Ago-Seniorenzentrum an der Bismarckstraße lebt, einen Brief erhalten. Ein unscheinbares Schreiben in einem weißen Umschlag, worauf nur ihr Name steht, mit Kugelschreiber geschrieben.

Darin teilt Einrichtungsleiterin Irmgard Lammertz mit: „Wir wollen Sie gemäß Paragraph 12 des Wohn- und Betreuungsgesetzes über die Kündigung des Mietvertrages unserer Einrichtung in der Bismarckstraße 29 - 35 informieren und Ihnen gleichzeitig ein Angebot für den Umzug in eine neue Pflegeeinrichtung in Eschweiler unterbreiten.”

Verunsicherung

Mehr Informationen enthält das Schreiben nicht. Allerdings weist es auf einen Informationsabend am kommenden Donnerstag hin, der um 19 Uhr im Restaurant beginnt.

Die Zeilen verunsichern die älteren Leute. Irmgard Lammertz bittet um Verständnis: „Es bleibt alles beim Alten, alles wird schöner, besser und preiswerter.” Und: „Es wird keiner vor die Tür gesetzt.” Der Informationsveranstaltung am Donnerstag will sie jedoch nicht vorgreifen.

Dabei müssen die etwa 120 Senioren sehr wohl ihre Koffer packen. Nach Informationen unserer Zeitung wird die AGO Betriebsgesellschaft für Sozialeinrichtungen mbH mit Sitz in Köln ihre Zelte in der Bismarckstraße abbrechen.

Im Gegenzug wird ein neues Gebäude am Ringofengelände einer anderen Betreibergesellschaft entstehen. Der Bauantrag wurde Anfang des Monats bei der Stadt abgegeben. Die Heimaufsicht, der Landschaftsverband Rheinland und die Stadt Eschweiler wurden frühzeitig über die Pläne unterrichtet und gaben bereits ihre Zustimmung.

Über eine offene Informationspolitik hätten sich auch die Bewohner des AGO-Seniorenzentrums gefreut. Heimleiterin Irmgard Lammertz hat die Unruhe und Aufregung gespürt: „Jeder, der zu mir kommt, erhält aber die gleiche Auskunft. Nämlich die, dass man sich keine Sorgen machen muss.”

Dass man mit dem Schreiben die Senioren eher beunruhigt als informiert habe, bedauert sie ausdrücklich. „Das ist unglücklich gelaufen”, räumt sie ein, verteidigt jedoch die Vorgehensweise. „Wir wollten alle Bewohner im gleichen Maße informieren, und dies kann nur in einer gemeinsamen Veranstaltung passieren.”

Ein allgemeineres Schreiben sei auch nicht zielführend gewesen, weil dann niemand kommen würde. Darüber hinaus sei man gesetzlich dazu verpflichtet, in einem solchen Fall rechtzeitig zu informieren und dazu auch auf diesem formellen Weg einzuladen.

Ein Gast des Informationsabends steht schon fest: Der Geschäftsführer der AGO-Betriebsgesellschaft für Sozialeinrichtungen, Mathias Neumayer, wird an dem Abend die Pläne vorstellen und Fragen umfassend beantworten.

Denn letztlich müssen die Senioren oder ihre gesetzlichen Betreuer einem Umzug in der dann neuen Einrichtung am Ringofen auch zustimmen. „Wir werden auch unseren Angestellten selbstverständlich das Angebot machen, in der neuen Einrichtung zu arbeiten”, betont Neumayer. Die Belegschaft soll im Detail am Mittwoch vor dem Informationsabend unterrichtet werden.

98 Pflegeplätze und20 Appartments

Die AGO Betriebsgesellschaft für Sozialeinrichtungen mbH hat ihren Sitz in Köln. Sie betreibt insgesamt sieben Senioreneinrichtungen, zwei weitere werden in den nächsten Wochen eröffnet.

An der Bismarckstraße bestehen aktuell 98 Pflegeplätze in der Stationären Pflege. Sie teilen sich auf in 28 Einzelzimmer und 35 Doppelzimmer. Hinzu kommen 20 Appartments mit betreutem Wohnen.

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