Eschweiler: Die Mindesthaltbarkeit ist kein Wegwerfdatum

Eschweiler: Die Mindesthaltbarkeit ist kein Wegwerfdatum

Die Zahlen sind erschreckend: Elf Millionen Tonnen Lebensmittel, das sind 275.000 Lkw-Ladungen, werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen. 61 Prozent davon, das sind 6,7 Millionen Tonnen, werden von den Verbrauchern, also Privatpersonen, verursacht.

Und es geht noch weiter: Jedes achte gekaufte Lebensmittel wird weggeworfen, 13 Prozent davon ungeöffnet. Die Verantwortlichen der Awa-Entsorgungs-GmbH haben sich nun das Ziel gesetzt, im Rahmen der Wanderausstellung „Lebens(mittel)verschwendung? Wertschätzen statt Wegwerfen“, die am Donnerstag im Foyer des Rathauses zu sehen ist, Aufklärungsarbeit zu leisten.

„Als regionales Entsorgungsunternehmen haben wir den gesetzlichen Auftrag, an allererster Stelle auf die Vermeidung von Abfällen hinzuwirken“, begründete AWA-Geschäftsführer Ulrich Koch das Engagement. Häufig geschehe das Wegwerfen von eigentlich noch essbaren Lebensmitteln vollkommen unbeachtet, da diese im Verhältnis zu anderen Konsumgütern sehr preiswert bis billig zu kaufen und eigentlich immer zu bekommen seien.

„Wer von uns kennt noch Hunger aus Mangel an Essbarem?“, fragte Ulrich Koch während der Eröffnung der Ausstellung, die in Kooperation mit der Städteregion Aachen, dem Bundesernährungsministerium, dem Bistum Aachen, der Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET), der Landwirtschaftskammer NRW sowie den regionalen Akteuren von „Foodsharing“ und den „Öcher Gärten“ auf „Gut Hebscheid“ und „Meine Gärten“ gezeigt wird, am gestrigen Nachmittag in die Runde.

Anders ergehe es dagegen einer ständig wachsenden Zahl von Menschen aus den Herkunftsländern der Lebensmittel. „Diese spüren häufig regelmäßig Hunger und müssen dessen gravierende Folgen erleiden. Dass unser Massenverbrauch und die damit einhergehende und weit verbreitete Geringschätzung von Lebensmitteln zu Hungersnöten in den Herkunftsländern beiträgt, ist eine Tatsache, die wir gerne ignorieren“, so der AWA-Geschäftsführer.

Darüber hinaus seien Massenproduktion und Transportwege nachweislich mitverantwortlich für negative Veränderungen des Klimas. Wichtig sei es, über die reine Information hinaus ein Gespür für den eigenen Umgang mit Lebensmitteln zu entwickeln, nur dann könne mit Kopf, Hand u.

„Mit dieser Ausstellung möchten wir einerseits auf das Ausmaß der Verschwendung hinweisen, aber auch Möglichkeiten aufzeigen, diese zu vermeiden“, macht Nicoll Parthey deutlich. Überfluss führe zur Verschwendung von Ressourcen.

„Hinzu kommt, dass zum Beispiel das Mindesthaltbarkeitsdatum viel zu oft mit dem Verfallsdatum gleichgesetzt und als Lizenz zum Wegschmeißen angesehen wird!“ Zu beachten sei deshalb unter anderem die richtige Lagerung von Lebensmitteln im Kühlschrank, der verschiedene Temperaturen aufweise. „Tomaten gehören beispielsweise gar nicht in den Kühlschrank, da sie die Reifung anderer Früchte fördern.“ Generell müsse die Frage lauten: „Was und wieviel benötige ich?“ Ratsam sei es, den Einkauf im voraus zu planen.

Dazu gehöre die Akzeptanz, dass bestimmte Produkte nicht ganzjährig zu erhalten seien. „Abfallvermeidung ist immer auch mit Verzicht verbunden. Dieser führt meiner Meinung aber auch zu einem gelebten, bewussten Genuss.“ Und: „Wer Lebensmittelabfall vermeidet, reduziert den CO2-Ausstoß!“

(ran)