Eschweiler: Die Luft in der Eschweiler Innenstadt wird sauberer

Eschweiler: Die Luft in der Eschweiler Innenstadt wird sauberer

Der Anteil von giftigem Stickstoffdioxid in der Luft in der Innenstadt ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Dies geht aus den Messergebnissen hervor, die das Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz (Lanuv) nun veröffentlicht hat.

Demnach sank die Konzentration des Gases innerhalb von acht Jahren um etwa 20 Prozent auf 40,2 Mikrogramm pro Kubikmeter. Im Eschweiler Rathaus geht man allerdings davon aus, dass der „Beitrag des Luftreinhalteplans am Rückgang der Stickstoffdioxidbelastung geringer ausgefallen ist, als vom Lanuv beziehungsweise der Bezirksregierung Köln ursprünglich prognostiziert.“

Der von der Europäischen Union festgelegte Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In den Augen der Stadtverwaltung wurde dieser im vergangenen Jahr eingehalten.

Im Passivsammler

Die Werte werden im sogenannten Passivsammler ermittelt, der seit dem 3. Dezember 2009 an der Indestraße hängt. In der unscheinbaren Box, die an der Straßenlaterne befestigt ist, befinden sich zwei Messstäbe, an denen sich das Stickstoffdioxid anlagert und reagiert. Etwa alle vier Wochen werden die Messstäbe ausgetauscht und untersucht.

Anhand der chemischen Reaktion lässt sich dann ein Durchschnittswert für den Zeitraum ermitteln. Dies nennt man eine diskontinuierliche Messung. An der Aachener Wilhelmstraße hängt ebenfalls eine Messstation des Lanuv, die allerdings rund um die Uhr Schadstoffe in der Luft misst. Die aktuellen Ergebnisse können online auf der Homepage des Amtes beobachtet werden.

In den vergangenen Jahren ist die Belastung der Luft in der Eschweiler Innenstadt mit Stickstoffdioxid kontinuierlich zurückgegangen. Im ersten Jahr der Messung, im Jahr 2010, lag der Wert noch im Schnitt bei 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Auch in den folgenden Jahren wurden Werte über dem Grenzwert gemessen. Dies veranlasste die Bezirksregierung Köln, einen Luftreinhalteplan mit der Stadt Eschweiler aufzulegen. Strittig war allerdings bis zuletzt, ob eine Umweltzone erforderlich ist.

Die Stadtverwaltung ist davon überzeugt, dass man auch ohne Fahrverbote die Schadstoffbelastung gesenkt hätte. Letztlich setzte sich die Bezirksregierung durch. Die Umweltzone wurde zwar für Mitte 2016 angekündigt, trat allerdings faktisch erst wenige Monate später in Kraft, da zunächst noch sämtliche Voraussetzung geschaffen werden mussten. Unter anderem verzögerte sich der Aufbau der Verbotsschilder.

Laut Stadtverwaltung nahm die Stickstoffdioxidbelastung im vergangenen Jahr in ganz Nordrhein-Westfalen um zwei Mikrogramm pro Kubikmeter ab, in Eschweiler wurde sogar eine Verbesserung von drei Mikrogramm erreicht. Der Rückgang sei dadurch begünstigt, dass es im Vergleich zum Jahr 2016 keine ausgeprägten Inversionswetterlagen in Herbst und Winter gegeben habe.

Solche Wetterlagen sorgen dafür, dass es kaum zu einem Austausch zwischen den Luftschichten kommt und die Schadstoffkonzentration in der unteren Schicht deutlich ansteigt. Die Zahlen des Vorjahres sorgen in den Augen der Verwaltung dafür, dass ein Dieselfahrverbot in Eschweiler nicht erforderlich sein wird.

Dass der Schadstoffgehalt in der Luft sinkt, hat noch nicht zur Folge, dass die Umweltzone aufgehoben wird. Erst wenn die Werte gesichert jährlich unter dem EU-Grenzwert liegen, kann dies zum Thema werden. Im Rathaus gibt man sich vorsichtig: Man wolle die weitere Entwicklung in den nächsten Jahren abwarten. Die Hände will man jedoch nicht in den Schoß legen, sondern „weiterhin große Anstrengungen unternehmen, um die Stickstoffdioxidemissionen weiter zu reduzieren“.

Grundsätzlich soll ein Klimaschutzteilkonzept entwickelt werden, der Auftrag wurde Ende Januar erteilt. Auch in Sachen E-Mobilität drückt die Verwaltung aufs Tempo. Zunächst soll auch dort eine Expertise eingeholt werden. „Das Ergebnis soll die Planungsgrundlage für die Umstellung der betrieblichen Mobilität auf mehr Öffentlichen Personennahverkehr sowie Fahrradverkehr im Dienst und eine Elektrifizierung des kommunalen Fuhrparks sein“, schreibt die Stadtverwaltung.

Wie schwierig und zäh eine solche Umstellung sein kann, zeigen aktuell die Bemühungen der Aseag, an elektrische Busse zu gelangen. Auch in Eschweiler wünscht man sich den Einsatz von E-Bussen. Diese sind allerdings erst in Jahren lieferbar. Schon bei der Aufstellung des Luftreinhalteplans räumten Bezirksregierung und Lanuv ein, dass 18 Prozent der Stickoxide in Eschweiler von Bussen verursacht werden.

Die Umrüstung der Busse mit Dieselpartikelfilter führt zu einer prognostizierten NO2-Reduzierung von etwa 1,5 Mikrogramm. Die Messstelle befindet sich in unmittelbarer Nähe des Eschweiler Bushofs. Nach derzeitigem Kenntnisstand geht man im Rathaus davon aus, dass eine Umweltzone erst dann aufgehoben wird, wenn der Grenzwert drei bis fünf Jahre unterschritten wird. Bisher war dies in Nordrhein-Westfalen jedoch noch nie der Fall.

Als Reizgas mit stechend-stickigem Geruch wird Stickstoffdioxid (NO2) bereits in geringen Konzentrationen wahrgenommen. Da der Stoff schwer in Wasser löslich ist, dringt er auch in tiefere Bereiche des Atemtrakts (Bronchiolen, Alveolen) ein. Bereits bei relativ niedrigen Konzentrationen kommt es zu einer akuten Erhöhung der Atemwegswider­stände. Längerfristige, intensive Belastungen können zu Behinderungen des Gasaustausches, zu Entzündungsreaktionen und zu Beeinträchtigungen der Infektionsresistenz führen.

Besonders empfindliche Personengruppen, vor allem Asthmatiker, reagieren schon auf niedrigere NO2-Konzentrationen. Für Stickstoffdioxid kann nach aktuellem Kenntnisstand kein Schwellenwert benannt werden, bei dessen Unterschreiten langfristige Wirkungen von NO2 auf den Menschen ausgeschlossen werden können.

Die verfügbaren Ergebnisse aus großflächigen Untersuchungen legen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) nahe, dass Probleme in den Atemwegen bei Kindern bei einem Jahresmittel von 50 bis 75 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft auftreten.

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