Eschweiler: Der Traum von neuen Autobahnanschluss

Eschweiler: Der Traum von neuen Autobahnanschluss

Gemeinsam planen, schneller bauen: bei der Verkehrsplanung sollten die Nachbarstädte Eschweiler und Stolberg zusammenarbeiten, zu beider Nutzen. Das schlagen die CDU-Fraktionen der beiden Städte vor.

Beide beantragen jetzt in den Stadträten eine interkommunale Arbeitsgruppe. Auch die Städteregion Aachen soll dabei eingebunden werden. Das Ziel: ein gemeinsames Verkehrskonzept beider Städte.

Eine solche gemeinsame Planung habe viele Vorteile, versicherten die CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernd Schmitz aus Eschweiler, Dr. Tim Grüttemeier aus Stolberg und Klaus Dieter Wolf von der Städteregion. Und auch CDU-Landtagsabgeordneter Axel Wirtz setzt sich vehement für eine Gesamtverkehrsplanung beider Städte ein. Gemeinsam stellten sie am Mittwoch in einem Pressegespräch ihre Idee einer Arbeitsgruppe für ein Verkehrskonzept der beiden größten Städte des ehemaligen Landkreises Aachen vor.

Beschleunigung durch Einigkeit

Allein schon, weil es die Chancen steigert, die gewünschten neuen Straßen oder Straßenumbauten auf höherer politischer Ebene und bei Fachbehörden durchzusetzen, sei eine solche Zusammenarbeit notwendig, argumentiert Axel Wirtz. Das ist eine Erfahrung, die Klaus Dieter Wolf nur bestätigen kann: „Immer dann, wenn sich Kommunen einig sind, gehen Planungsvorhaben schneller voran!” Wenn hingegen die beteiligten Gemeinden uneins sind, können Planungsbehörden Projekte viel leichter ablehnen.

Die Kommunalpolitiker haben dabei den Landesstraßenbedarfplan im Auge. Der wird 2015 neu aufgestellt. Bei solchen Landesplänen geht es immer auch um Prioritäten: Welches Projekt ist dringend, welches ist weniger dringend, welches wird zuerst bezuschusst (und damit auch gebaut), welches wird auf den St.-Nimmerleins-Tag verschoben. Bernd Schmitz, der Vorsitzende der CDU-Fraktion Eschweiler: „Abgestimm­te Anträge beziehungsweise politische Beschlüsse aus Eschweiler und Stolberg können dabei sicherlich mehr Gewicht haben.”

„Straßenplanungen enden nicht an der Stadtgrenze”, versichert Landtagsabgeordneter Wirtz. Aber er weiß auch, dass benachbarte Gemeinden oft unterschiedliche Interessen haben. Verkehrsströme, die aus dem einen Stadtteil heraus gehalten werden, können die Lebensqualität der Bürger im benachbarten Stadtteil erheblich mindern. Gerade deshalb aber hält er es für sinnvoll, miteinander zu reden und gemeinsam zu planen. Auch, weil dadurch planerische Reibungsverluste vermieden werden. Wirtz nennt als kleines Beispiel die Eschweiler Planung, ein Einkaufszentrum an der Stadtgrenze zu ermöglichen, auf dem Gelände des früheren Extra-Marktes. Dazu ist es notwendig, auf Stolberger Gebiet einen Kreisverkehr anzulegen. In Stolberg habe man von dieser Planung erst sehr spät erfahren.

Apropos Kreisverkehre: Gemeinsame Planung beider Städte könne auch hilfreich sein, sich über Prioritäten zu einigen und gegenüber Straßen-NRW, dem früheren Landesbetrieb Straßenbau, gemeinsam aufzutreten. Als Beispiele wurden die beiden geplanten Kreisverkehre am Nachtigällchen zwischen Stolberg und Vicht und auf der Kreuzung Zechenstraße/Südstraße bei Nothberg genannt.

Es gibt eine Reihe von Planungen, bei denen die beiden Städte gemeinsame Interessen haben, die miteinander abgestimmt werden sollten, es gibt aber auch Projekte, die sehr unterschiedlich beurteilt werden. Am wenigsten Konsens gibt es bei dem Stolberger Wunsch nach einem Autobahnanschluss am Propsteier Wald. Das Gewerbegebiet auf der Stolberger Seite des Waldes ist von Eschweiler nur ermöglicht worden unter der Zusicherung, dass „das Tor zu bleibt”, also kein Anschluss von Camp Astrid an die nur wenige hundert Meter entfernte Autobahn 4 geplant wird. Die Stadt Stolberg liebäugelt aber immer noch mit der Idee. Auch um den Stadtteil Atsch von Verkehr zu entlasten. In Eschweiler hingegen wird befürchtet, dadurch werde der Stadtteil Röhe stärker mit Verkehr belastet. Aber stimmt das überhaupt? Wirtz: „Die Zahlen müssen auf den Tisch! Und ich frage mich: Warum kommt das nicht auf den Tisch?” In einem gemeinsamen Arbeitskreis könne man sachlich über diese Verkehrs-prognosen reden.

Eine weitere Straßenplanung, bei der Gemeinsamkeit dringend nötig sei, ist der dritte Bauabschnitt der Eschweiler Westumgehung, die L 238 n. Der Abschnitt 1 von der Aachener Straße bis zur Odilienstraße ist seit Jahren fertig. Abschnitt 2 von Odilienstraße am Hohenstein vorbei bis zur Phönixstraße soll laut Axel Wirtz in diesem Jahr begonnen werden. Der 3. Abschnitt aber durch die Indeaue macht Probleme. Je nach Linienführung entweder mit dem VSW-Betriebsgelände und dem Gleisanschluss der Vegla, oder mit dem Naturschutz im Indetal. Gemeinsames Planen sei für diesen Bereich dringend nötig.

Das „krasseste Beispiel”, das dringend einer Lösung bedarf, so MdL Wirtz, ist die Ortsumgehung von Hastenrath. Die hatte 2005 bei der Landesplanung bereits die Priorität 1. Weil aber alle Möglichkeiten, diesen Stadtteil zu umgehen, auch Nachteile haben, gab es keine eindeutige Festlegung von Eschweiler, und damit bisher auch keine neue Straße. Stolberg hat dadurch Probleme in den Bereichen Gressenich, Mausbach und Donnerberg, Eschweiler hat weiterhin den Durchgangsverkehr in Hastenrath - und der werde nicht weniger, sondern mehr.

Wirtz: „Es ist sehr wichtig, dass die beiden Städte Eschweiler und Stolberg in dieser Frage mal die Köpfe zusammen stecken.” Daten und Studien über künftige Verkehrsbelastungen und Konzepte, wie der Verkehr gelenkt werden könnte, gebe es ausreichend, versicherte der Landtagsabgeordnete. Es komme darauf an, gemeinsam auf diesen Grundlagen voran zu kommen.

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