Eschweiler: Der Literaturkurs überzeugt mit großer Spielfreude

Eschweiler : Der Literaturkurs überzeugt mit großer Spielfreude

So etwas wie ein Drehbuch gibt es nicht. Alles entsteht aus dem Augenblick, ohne alle sonst auf und neben der Bühne üblichen Hilfsmittel. Ein Improvisationstheater auf die Bühne der Aula zu bringen, bedeutet ein hohes Risiko. Dass die Bereitschaft dazu in ihnen keine Beklommenheit, sondern die reine Spielfreude auslöst, bewies der Literaturkurs Q1 unter Leitung von Jan Hildebrandt — und das gleich zwei Mal hintereinander am Freitag- wie am Samstagabend.

Um viel Theater zu machen, brauchten Hildebrandt und die Seinen, rund 25 junge Männer und Frauen im Alter von 16, 17 Jahren, erstaunlich wenig Material. Ein, zwei Vorgaben, zum Beispiel darüber, was ein bestimmter Gegenstand in Wirklichkeit sein sollte, genügten, um viel szenischen Wirbel zu entfalten. Da verwandelte sich die Regieklappe in ein Rasiermesser — zum Beispiel. Und auch sonst lebten die Akteure, über 18 Szenen und rund eineinviertel Stunde verteilt, ihren Erfindungsreichtum nach Strich und Faden aus — auch mit Hilfe der zahlreichen Zuschauer, die sich ein ums andere Mal als Stichwortgeber bewährten und unter anderem entscheiden mussten, in welcher Beziehung zwei Figuren (einer rief: „Liebespaar!“) zu einander stehen.

Viele spontane Elemente: Da wunderte es kaum, dass die Atmosphäre in der Aula an der Peter-Paul-Straße phasenweise der bei einem Poetry Slam glich. Da saßen die Mitschüler, Freunde und Verwandten nicht andächtig und ehrfürchtig still, sondern schalteten sich immer wieder ein — und das nicht leise, sondern lautstark. Die spielerischen Elemente luden aber auch dazu ein, der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. So wurde eine Szene quasi gedoppelt: In der Mitte spielten zwei Akteure eine Szene, während rechts und links zwei weitere „Kollegen“ das Gespielte in eine erfundene Gebärdensprache „übersetzten“.

Alles war möglich in der Aula der Schule, und das mit nur sehr wenigen Elementen. Die reichten völlig aus, um die Bühne beispielsweise in einen Bus zu verwandeln. Langeweile konnte kaum aufkommen, schon weil die einzelnen Szenen teilweise extrem kurz waren. Eine dauerte gerade mal 15 Sekunden. Nichts wird episch breit in die Länge gezogen, alles auf den Punkt gebracht — und dann: neues Spiel, neues Glück, nächste Szene. Spannend, weil immer wieder neu. Verständlich, dass die Zuschauer die Mitwirkenden zum Abschluss der Vorstellung feierten.

Zu ihnen gesellte sich auch Direktor Winfried Grunewald, der den jungen Schauspielern zu ihrer rückhaltlosen Risikobereitschaft gratulierte und auch Spielleiter Jan Hildebrandt, der in der Zugabe seinen Auftritt auf der Bühne hatte, für seinen Beitrag zum Gelingen dankte.