Eschweiler: Der Kunstrasenplatz als Standortvorteil

Eschweiler: Der Kunstrasenplatz als Standortvorteil

Den Hehlrather Kindern und Erwachsenen wurde kürzlich der lang ersehnte grüne Teppich ausgerollt. Das Projekt Kunstrasen hat der Verein erfolgreich gestemmt. 385.000 Euro hat der Platz gekostet, 85.000 Euro davon steuert der Verein bei.

Rund 7,1 Millionen Euro sind in den vergangenen gut zwölf Jahren in die Eschweiler Sportplätze und -heime geflossen. Unsere Zeitung gibt einen Über- und Ausblick rund um die Investitionen.

„Von Oktober bis März konnte hier kaum gespielt werden”, sagt Jürgen Classen, Vorsitzender des 2009 gegründeten Fördervereins, der das Projekt Kunstrasen in Hehlrath erst ermöglichte. Damit meint er den Rasenplatz, der die inzwischen 14 Mannschaften der Sportfreunde nicht mehr packte. Für den Verein ist es der zweite neue Platz in den vergangenen zwölf Jahren.

Im Jahr 2000 wurde der Aschenplatz ersetzt, fortan kickten die Sportfreunde auf Rasen. Nach dem erneuten Umbau gab es auch Kritik. Etwa, warum nicht im Jahr 2000 ein Kunstrasenplatz gebaut wurde. Kunstrasen habe damals in den Kinderschuhen gesteckt, betont Classen. Womit er nicht ganz Unrecht hat.

Alte Kunstrasenplätze wie die „Betonwiese” des SV Blau-Weiß Alsdorf zeugen davon. Nun ist der neue Platz da. Zum Nutzen der Sportfreunde, aber auch der Stadt. Im Jahr 2008 ging man von jährlichen Unterhaltungskosten für den Rasenplatz in Höhe von 20.000 Euro aus. Die Kosten dürften in den vergangenen vier Jahren gestiegen sein. Außerdem verzichtet der Verein auf den Zuschuss der Stadt von 185 Euro monatlich für die Platzpflege (für Aschenplätze gibt es 160 Euro monatlich). In Richtung 25.000 Euro geht somit der Betrag, den die Stadt jährlich einspart.

Nicht weit vom Hehlrather Maxweiher liegt St. Jöris. 900 Einwohner, der SV hat 250 Mitglieder und drei Seniorenmannschaften. Jugend: Fehlanzeige. Im Jahr 2006 wurde das neue Vereinsheim fertiggestellt. 500.000 hat es gekostet. Und es ist nicht nur für die Fußballer da. Der Karnevalsverein etwa nutzt es ebenfalls. Andernfalls wäre diese hohe Investition wohl auch eher fraglich gewesen. Wie die anderen Vereine, haben sich auch die St. Jöriser mit einer großen Portion Arbeit an dem Projekt beteiligt. Rudi Bittins, Vorsitzender des SV St. Jöris, betont, dass sein Verein die Kinder nach Hehlrath schicke. „Gegen Hehlrath arbeiten geht nicht”, sagt Bittins. „Wir wollen die Kooperation mit Hehlrath weiter ausbauen und eng zusammenarbeiten. Ob das in eine Fusion mündet, müssen wir abwarten”, sagt Bittins. Eine Spielgemeinschaft, die beide Vereine vor einigen Jahren starteten, zerbrach jedoch wieder.

So wirklich gerne spricht niemand das Wort Fusion aus. Karl-Heinz Neumann, Vorsitzender der 259 Mitglieder starken Sportfreunde aus Hehlrath, ist sich jedoch sicher: „Wenn die öffentlichen Kassen klamm bleiben, wird kein Weg daran vorbeiführen.” Und natürlich, wenn die Mitgliederzahlen weiter sinken. Neumann kann sich durchaus vorstellen, etwa die Jugendspiele in St. Jöris auszutragen, fügt aber gleich an: „Ich will den Verein nicht in zwei Lager spalten.”

Neue Sportheime gibt es auch bei Preußen Hastenrath und dem SV Nothberg. Der hat derzeit 184 Mitglieder (davon 64 Jugendliche) und schickt neben 1., 2. und Altherren-Mannschaft auch wieder fünf Jugendteams ins Rennen. Vor sieben Jahren sah das noch anders aus. Damals hatte der SVN nur noch eine Mannschaft im Spielbetrieb. 300 000 Euro hat das Heim gekostet, finanziert wurde es über das Konjunkturpaket II.

Preußen Hastenrath freut sich ebenfalls über das neue Heim, das 685 000 Euro gekostet hat und derzeit rund 200 Mitgliedern (60 Jugendliche) Platz bietet. Neben zwei Seniorenmannschaften kicken eine B-, eine E- und eine D-Jugend im schwarz-weißen Dress.

Was sich beide Vereine jetzt noch wünschen, ist ein eigener Kunstrasenplatz. Den haben die Vereine als Standortvorteil etwa von Falke Bergrath und Jugendsport Wenau ausgemacht. „Eine richtige Chancengleichheit war nie gegeben”, sagt Harter. Seit die Falken im Jahr 2005 den Kunstrasenplatz für rund 220.000 Euro (über 100.000 Euro in Eigenleistung) bekommen haben, sind die Mitgliederzahlen in die Höhe geschnellt (rund 550 Mitglieder, inklusive Tischtennis). Der Verein ist derzeit am Rande des Machbaren, der Platz ist an allen Tagen in den Nachmittags- und Abendstunden belegt, in allen Altersklassen schicken die Falken Teams ins Rennen. Mittlerweile gibt es gar das eine oder andere Kind, das wieder zurück nach Nothberg oder Hastenrath geht, um ausreichend spielen zu können. Neben dem Kunstrasen wurde das Bergrather Heim ausgebaut. In die Sanierung des alten Teils flossen 30.000 Euro, der Neubau kostete 135.000 Euro und wurde aus Mitteln des Konjunkturpakets II finanziert.

Preußen Hastenrath hat derweil im vorigen Monat ein Konzept für einen Kunstrasenplatz vorgelegt. Der Hintergrund: Im kommenden Jahr müsste der Aschenplatz saniert werden. Die Kosten beziffert der Vereinsvorsitzende Stefan Harter auf rund 100.000 Euro. Dann direkt in einen Kunstrasen zu investieren, sei laut Harter sinnvoll.

Schon werden Stimmen anderer Vereine laut. „Warum die und nicht wir?” - diese Frage hört Bürgermeister Rudi Bertram häufiger. Auch von Vertretern anderer Sportarten. „Man muss sehen, dass wir über den Fußball auch die meisten Kinder und Jugendlichen erreichen.” Bertram wird nicht müde, die Vereine auf Kooperationen (in einem ersten Schritt) aufmerksam zu machen. Bertram hat schon öfter Fusionen angeregt. Etwa damals, als Germania Dürwiß und der SCB Laurenzberg die Großsportanlage bezogen. Rhenania Lohn hätte sich anschließen können. Auch für Bergrath, Hastenrath und Nothberg gab es einen Vorschlag. Was der eine oder andere Vereinsvertreter dem Bürgermeister darauf antwortet, kann man sich lebhaft vorstellen.

Anders ist es nicht zu erklären, dass eine Großsportanlage in Dürwiß für zwei Vereine mit zwei Heimen und fünf Plätzen entstanden ist. Über 800 Mitglieder werden dort zwar allein über die Fußballer beider Vereine erreicht, dazu nutzen die Leichtathleten die Top-Anlage in der Nähe des Blausteinsees, dennoch gab es durchaus Überlegungen ein Heim und „nur” vier Plätze zu bauen. Die Germania denkt seit geraumer Zeit ebenfalls über Kunstrasen nach. Einen Zuschuss der Stadt wird es nach dem Großprojekt jedoch erstmal nicht geben.

Keine Strukturen zerstören

Dennoch ist sich der Bürgermeister bewusst, welcher Spagat bewältigt werden muss. Die Investitionen in die Sportvereine seien dringend nötig, da diese sehr wichtige Jugendarbeit leisten. Bertram möchte, dass wieder mehr Kinder zu den Vereinen kommen. Aber auf keinen Fall wolle man seitens der Stadt Strukturen zerstören. Ein kleiner Schritt in Richtung Zusammenschluss wird an anderer Stelle gegangen. Hastenrath und Nothberg starten jetzt eine Spielgemeinschaft für Bambini und F-Junioren. „Die Realität zwingt uns da rein. In zehn Jahren wird es keine zehn oder elf Vereine mehr in Eschweiler geben”, sagt Stefan Harter, der betont, dass es keinen Neid, sondern einen guten Zusammenhalt unter den Vereinen gebe.

In Eschweiler wird es noch dauern, bis sich Vereine zusammenschließen. Dafür rollt Rudi Bertram ihnen dann aber sicher den roten Teppich aus.