Ten Brinke muss an der Statik arbeiten: Der Bauantrag fürs Rathaus-Quartier verzögert sich

Ten Brinke muss an der Statik arbeiten : Der Bauantrag fürs Rathaus-Quartier verzögert sich

Es war eine Premiere, dass ein Projektleiter der Investorengruppe Ten Brinke Bürgern und Lokalpolitik über das Millionenprojekt Rathaus-Quartier berichtete. Rund 40 Bürger hörten im öffentlichen Teil des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses zu – eine Zahl, die Raum für Interpretationen lässt angesichts der oft aufgeladenen politischen Diskussion um das Bauvorhaben.

Die wohl wichtigste Frage konnte Projektleiter Moritz Tank nicht beantworten: Der Baubeginn der zwei Jahre dauernden Arbeiten ist noch unklar, weil der Bauantrag noch nicht fertig ist und dann die Stadt an der Reihe ist.

Welche Themen diskutiert wurden, legt die folgende Zusammenfassung dar.

Die Planungen: Projektleiter Moritz Tank schilderte, dass der Investor noch nicht alle Hausaufgaben erledigt hat, um den Bauantrag einzureichen. Knackpunkt ist vor allem die Statik. „Wir müssen neu planen, weil es ein neues Bodengutachten gab. Wir müssen aber vorsichtig sein, weil die Mieter bei den Grundrissen empfindlich sind. Jede Änderung tut also weh – wir müssen behutsam sein“, erläuterte Tank. Deswegen „hinken wir auch bei der Planung im Obergeschoss hinterher“ – noch seien nicht alle Parzellen vermietet.

Planer und Stratege der Stadt: Hermann Gödde. Foto: Patrick Nowicki

Die Transparenz: Die Fraktionen machten deutlich, dass sie sich ab jetzt die gezeigte Transparenz oder gar mehr vom Investor wünschen. Tank: „Wir stehen zur Verfügung, wollen Wünsche der Bürger hören – aber, wie gesagt, wir sind auch an die Vorgaben vor allem der Ankermieter gebunden.“ Ankermieter sind unter anderem Edeka, Aldi und der Drogeriemarkt Müller. Die bleiben mindestens 15 Jahre, sagte Tank mit dem Hinweis, dass 20 oder 25 Jahre eigentlich marktüblich seien.

Die Dürener Straße: Die dortigen Anwohner können sich freuen, denn ihr Blick aus dem Fenster wird nicht so zugebaut, wie es einst mit dem Karstadt-Gebäude der Fall gewesen ist. Entgegen der ursprünglichen Planung sind die unmittelbar an der Straße liegenden Gebäude aber nicht viergeschossig, sondern nur ein- (fünf Meter Höhe) beziehungsweise zweigeschossig (zwölf Meter). „Wir sind bewusst zurückgetreten, um den Anregungen der Bürger Rechnung zu tragen“, betont Hermann Gödde, der Technische Beigeordnete der Stadt. Und Moritz Tank ergänzte, dass er eine große Chance darin sehe, mit Grünbepflanzung den Straßenzug aufzufrischen und den Übergang vom Neubau zu den denkmalgeschützten Gebäuden zu gewährleisten. UWG-Sprecher Erich Spies lobte: „Die Situation an der Dürener Straße hat sich im Vergleich zu den früheren Jahren erheblich verbessert.“

Die Peilsgasse: Ein Stück dieser Straße wird für die Lkw-Anlieferung genutzt. Dort wird eine Schallschutzwand errichtet, um die Belastung der Anwohner zu minimieren.

Was aus dem kleinen öffentlichen Park an der Indestraße wird, können Bürger mitentscheiden. Foto: ZVA/Carsten Rose

Die Wollenweberstraße: Was die dortige Geschossigkeit betrifft, ist Tank ein Fehler unterlaufen, der in der Sitzung nicht berichtigt worden ist. Das Gebäude an der Ecke Indestraße wird nicht fünf-, sondern viergeschossig ausfallen.

Das Verkehrsgutachten: Über dieses Dokument herrscht zwischen der Stadtverwaltung und vor allem der UWG und den Grünen Uneinigkeit. Die Diskussion darüber, ob und wie das neue Rathaus-Quartier den Verkehr auf der Indestraße bei vier, drei oder zwei Spuren verändert, versuchte Gödde damit zu entschärfen, dass die Verwaltung ein Aachener Ingenieurbüro damit beauftragt hat, alle wichtigen von Straßen.NRW aufgeworfenen Aspekte zu erörtern. „Die Fragen werden wohl zur Zufriedenheit beantwortet, das läuft zur Zeit“, sagte Gödde. Die Stadt lasse die Punkte jetzt klären, damit sie nicht wieder beim Bauantrag aufkommen würden. Der städtische Experte machte aber vor allem deutlich: „Die Bürgerwerkstätten werden erst stattfinden, wenn alles rund um den Verkehr feststeht. Wir müssen das Gesamtpaket abwarten. Das ist die Grundlage.“ (Siehe Infobox)

Die Klagen: Gegen den positiven Bauvorentscheid haben Bürger drei Klagen eingereicht, von denen zwei jedoch noch unbegründet waren. „Da wissen wir noch gar nicht, worum es geht“, antwortete Gödde auf eine Anfrage der CDU-Fraktion. „Die begründete Klage wird derzeit abgearbeitet.“

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