Eschweiler: Deponie Warden: 700.000 Tonnen Asche, dann wird’s grün

Eschweiler : Deponie Warden: 700.000 Tonnen Asche, dann wird’s grün

Fast 40 Jahre ist es her, dass mit dem Bau der Mülldeponie Warden begonnen wurde. Der Name Warden trügt: Die Deponie liegt vollständig auf Eschweiler Stadtgebiet. Eine Deponie, deren Ende nun in Sicht ist.

Das sollte eigentlich bereits 2014 eingeläutet werden, doch da fehlten dem Gelände noch etliche Meter an Höhe, um ein ordnungsgemäßes Abfließen des Oberflächenwassers auf dem insgesamt 23 Hektar großen, zu rekultivierenden Gelände zu gewährleisten. Genehmigt war die „Deckelung“ der bis zu 30 Meter starken Müllschicht bereits: Eine mehrere Meter hohe, aufwendige Abdichtung aus metallfreien Aschen, Kunststofffolien, Tonschichten, Filter-vlies und Erden sollte das neue Grün der Oberfläche vom verbuddelten Müll trennen.

Ortstermin an der Deponie: Claudia Söller und Guido Schuster von der AWA sowie Robert Pelzer (l.) und Franz-Josef Schüller (r.) von der Initiative Wardener Bürger. Foto: Rudolf Müller

Auf rund sieben Hektar Fläche im westlichen Bereich des Deponie-Areals ist dies bereits geschehen. Für den restlichen Bereich aber mussten die Pläne geändert werden: „Wir müssen die Abdeckschicht verstärken, weil wir festgestellt haben, dass wir sonst mit plötzlichen, massiven Senkungen des Untergrunds rechnen müssen. Und die könnten die Kunststoffdichtung zerstören“, erläutert Dr. Manfred Kriek, der Technische Leiter der Deponiebetreiberin AWA.

Aufgestockt werden muss der bis zu 15 Meter hohe Hügel auch, „weil wir sonst nicht die vorgegebenen fünf Prozent Gefälle zur Ableitung des Wassers erreichen“, ergänzt Projektleiterin Claudia Söller. Die bisherige Verfahrensweise ergab gerade mal 1,7 Prozent — viel zu wenig, um ein sicheres Abfließen zu gewährleisten.

Die Verstärkung der Ausgleichsschicht unterhalb des Oberflächenabdichtungssystems, die ein stärkeres Gefälle ergeben und gegen Setzungen absichern soll, lässt sich allerdings nicht ohne den Segen von Sankt Bürokratius bewerkstelligen. Zwar, so Guido Schuster, Abteilungsleiter Deponie-Bautechnik bei der AWA, sei die vorgesehene Erhöhung des Deponiehügels von außen gar nicht festzustellen, da der Blick von vorhandenen Sichtschutzwällen versperrt werde, und auch die Materialanlieferung per Lkw werde den bisher üblichen Rahmen nicht überschreiten.

Ein Planfeststellungsverfahren sei nach Rücksprache mit der Bezirksregierung Köln dennoch erforderlich. Und zwar, weil die nötige Menge an Asche, die für die Ausgleichsschicht verbaut werden müsste, das Limit von 25.000 Tonnen übersteige. „Mit 25.000 Tonnen kriegen wir gerade mal eine zentimeterdicke Schicht hin“, sagt Kriek. Benötigt werden 700.000 Tonnen.

Asche, die aus Verbrennungsanlagen stammt. Allerdings nicht aus Weisweiler: Was dort an Asche anfällt, wird gemeinsam mit Asche aus dem Kraftwerk in eine Deponie bei Neu-Lohn geschafft. Nach Warden kommen Aschen aus Wuppertal, Krefeld, Düsseldorf und anderen Anlagen, deren Betreiber dafür zahlen, das Material bei der AWA loswerden zu können.

165.000 Tonnen sollen jährlich herangeschafft werden — so viel wie auch bisher. „Macht 6600 Fahrzeuge pro Jahr, die über die Autobahn unmittelbar nach Warden kommen“, rechnet Kriek vor. „Bei rund 250 Arbeitstagen sind das 26 Fahrzeuge à 25 Tonnen pro Tag.“

2024 soll dann endgültig der Deckel auf die Deponie gemacht werden. Was die AWA aber noch lange nicht aus ihrer Verantwortung entlässt: Für 30 bis 35 weitere Jahre, wenn nicht mehr, obliegt ihr die Nachsorge für das Areal, abhängig nicht zuletzt von der Grundwasserentwicklung hier in Tagebaunähe.

Die Träger öffentlicher Belange — wie Kommunen und Naturschutzverbände — die im Rahmen des Planfeststellungsverfahren gehört werden müssen, sehen das Projekt problemfrei: Einwände hat es nicht gegeben. Nur der BUND hatte Bedenken: gegen eine Alternative zur Aschenanlieferung, die auch die AWA nicht möchte, die aber durchaus von der Bezirksregierung angeordnet werden könnte; die Verfüllung der Ausgleichsschicht mit Naturmaterial.

Dies würde bedeuten, eine Kiesgrube bei Kinzweiler wieder zu aktivieren und dort ein neues Loch zu baggern, um ein anderes zu verfüllen. Was nicht nur ökologisch unsinnig wäre, sondern die AWA und damit die Bürger zusätzlich zu belasten würde.

Bürger, die auch künftig nach Warden kommen werden: Das rund 10 Hektar große Entsorgungszentrum, in dem 280.000 Privatleute jährlich rund 28.000 Tonnen Altpapier, 11.000 Tonnen Holz, 13.000 Tonnen Sperrmüll und bis zu 30.000 Tonnen Grünschnitt anliefern, bleibt auch nach dem Ende der Deponie in Betrieb. Als modernes Entsorgungszentrum, das das Image einer schmuddeligen Müllkippe längst abgelegt hat.