Eschweiler: Den Mörder kennt sie schon in der ersten Zeile

Eschweiler: Den Mörder kennt sie schon in der ersten Zeile

Ein grausam entstellter Toter ohne Gesicht, ohne Papiere, den keiner vermisst! Und das an ihrem freien Wochenende! Für Hauptkommissarin Judith Krieger und ihren Kollegen Manni Korzilius von der Mordkommission Köln könnte es runder laufen. „Mir ist schon mal gesagt worden, dass es meinen Figuren ohne mich besser gehe”, schmunzelt Gisa Klönne.

Die Krimiautorin, die im Jahr 2009 mit dem Friedrich-Glauser-Krimipreis ausgezeichnet wurde, war zum Abschluss der bundesweiten Aktionswoche „Treffpunkt Bibliothek” in der Stadtbücherei zu Gast, um aus ihrem 2011 erschienenen Roman „Nichts als Erlösung” zu lesen.

Und dieser fünfte Fall des Duos Krieger/Korzilius führt die Ermittler über Köln, Hessen und die griechische Insel Samos auf die Spur einer Familientragödie sowie eines niemals gesühnten Verbrechens aus der Vergangenheit. Zunächst ließ Gisa Klönne ihre Zuhörer jedoch wissen, welche Eigenschaften eine Figur wie Judith Krieger haben sollte, damit die Schriftstellerin es über einen langen Zeitraum mit ihr aushält. „Sie muss spannend sein, Ecken und Kanten haben. Ich habe Judith Krieger stark gemacht. Nicht in dem Sinne, dass sie alles kann, sondern, dass sie in der Lage ist, wieder aufzustehen, nachdem sie hingefallen ist.”

Auch das nicht immer unkomplizierte Verhältnis der beiden Polizisten untereinander spiele in den Romanen eine wichtige Rolle. „Schließlich herrscht auch im richtigen Leben nicht immer eitel Sonnenschein”, so die studierte Politikwissenschaftlerin. Eine Romanserie sei eben auch eine Entwicklungsreise. „Am Ende eines Buches haben sich meine Hauptfiguren im Vergleich zum Beginn immer etwas verändert.”

Nicht nur Tätersuche

Doch in Gisa Klönnes Romanen geht es nicht ausschließlich um die Suche nach dem Täter, auch politische Themen werden eingebunden. So steht in „Nichts als Erlösung” auch das Schicksal der Heimkinder in der Nachkriegszeit im Mittelpunkt. Nimmt etwa ein ehemaliges Heimkind, das seine jungen Jahre in einer Einrichtung mit dem „treffenden” Namen „Haus Frohsinn” verbrachte, blutige Rache? Klar ist jedenfalls: Der Täter hat dafür gesorgt, dass das Opfer sein Gesicht verliert. Weil er selbst in der Vergangenheit sein Gesicht verloren hat? Und welche Rolle spielt eigentlich Sondengänger Erik Sievert, der bei einer seiner nicht ganz legalen Suchaktionen auf eine feingliedrige Halskette stößt?

„Diese wird ihm im weiteren Verlauf des Buches nicht wirklich Glück bringen”, verriet die 1964 Geborene, die seit 2010 Ehrenkommissarin der Kriminalpolizei Bonn ist und nach der Pause ein politisches Statement (auch) in eigener Sache abgab. „Ich sage Ja zum Urheberrecht, denn dieses ist die Lebensvoraussetzung für Autoren. Schließlich leben wir nicht vom Schreiben, sondern vom Verkauf”, sprach Gisa Klönne für ihren Berufsstand.

Viel Zeit verbringt die ehemalige Journalistin, die zeitweise als Chefredakteurin eines Umweltmagazins fungierte und ebenso für die „Frankfurter Rundschau” und „Die Welt” tätig war, mit der Recherchearbeit. So macht sie sich auch schon mal mit der Arbeit eines Gerichtsreporters einer deutschen Boulevardzeitung mit vier Buchstaben vertraut.

Der Grund: Die Figur René Zobel, die in „Nichts als Erlösung” eben einen solchen Gerichtsreporter verkörpert. „Ich benötige etwa drei Monate, um die Figuren und die Geschichte zu entwickeln. Der eigentliche Schreibvorgang nimmt etwa sechs bis sieben Monate in Anspruch. Anschließend folgen zwei bis drei Monate der Überarbeitung, so dass ich für die Fertigstellung eines Buches rund ein Jahr brauche”, berichtete Gisa Klönne.

„Wenn ich mit dem Schreiben loslege, weiß ich bereits, wer der Täter ist. Ich finde es immer sehr unbefriedigend, wenn in einem Roman auf Seite 400 eine neue Person eingeführt wird, die sich dann wenig später als Täter herausstellt. Eckdaten, Wendepunkte sowie der Showdown stehen bei mir von Beginn an”, erläuterte sie ihre Arbeitsweise. Den Täter aus „Nichts als Erlösung” wollte Gisa Klönne aus durchaus verständlichen Gründen nicht verraten. Glücklicherweise, denn so stehen noch 352 spannende und unterhaltsame Seiten mit Kommissarin Judith Krieger bevor.

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