Dem Markt am Mittwoch in Eschweiler fehlt es an Händlern und Kunden

Wenig Händler, wenig Kunden : Mittwochs ist der Wochenmarkt „eine Katastrophe“

Es ist ein eher trauriges Bild, was sich fast jeden Mittwoch auf dem Marktplatz in Eschweiler zeigt. Im Vergleich zum Samstag sind beim Wochenmarkt am Mittwoch nur wenige Marktbeschicker vor Ort und dementsprechend weniger Kunden. Ein Teufelskreis, von dem sich viele wünschen, dass er gebrochen wird.

Sechs Händler standen am Mittwoch bei bestem Wetter mit ihren Ständen auf dem Markt. Zu wenige, um ihn für Kunden dauerhaft attraktiv zu halten, finden einige Beschicker. Für das Geschäft rentiere sich der Mittwoch nicht wirklich, sagt Sandra Hillemacher-Boese, die vor allem Obst ihrer Plantage in Eschweiler verkauft. „Wenn mittwochs so wenige Kunden kommen, dann lohnt sich das eigentlich nicht für uns. Aber wir sind Selbsterzeuger, die Äpfel müssen gepflückt und verkauft werden“, sagt Hillemacher-Boese. Es seien vor allem die Stammkunden, für die sie jeden Mittwoch erneut den Stand aufbauen.

So geht es nicht nur ihr, sondern auch den anderen Marktbeschickern, die mittwochs ihre Waren anbieten, um hauptsächlich den bestehenden Kundenstamm zu pflegen. „Der Mittwoch ist eine Katastrophe“, sagt Stephanie Lucassen, die Blumen anbietet. „Wir haben den größten Stand, wenn wir nicht da sind, entsteht eine Lücke. Wir wollen aber ein schönes Marktbild präsentieren.“

Die Mittwochshändler stehen gemeinsam für einen belebten Wochenmarkt mit vielen Beschickern ein, um Vielfalt zu gewähren. „Wir halten hier zusammen“, sagt Shefki Gllareva, der hinter dem einzigen Gemüsestand steht. „Wenn einer wegfällt oder einmal nicht kommt, wirkt sich das auch negativ auf die anderen aus“, ergänzt er. Weitere Marktbeschicker seien sehr erwünscht.

Die gab es auch. Immer mal wieder standen neue Anbieter auf dem Markt und haben Waren wie frische Pasta oder auch Biomilch verkauft, erinnert sich Blumenhändlerin Lucassen. „Aber als sie nach zwei, drei Monaten gemerkt haben, dass mittwochs vergleichsweise wenige Besucher kommen, sind die Händler weggeblieben. Sich einen Kundenstamm aufzubauen braucht aber lange Zeit“, sagt Lucassen, die seit 30 Jahren auf dem Eschweiler Wochenmarkt steht. Mittwoch sind acht feste Händler eingeplant (plus einen Händler mit Saisonware), an Samstagen zwölf plus vier saisonabhängige Stände.

Mehr Frauen arbeiten, weniger gehen auf den Markt

Während der Markt am Samstag gut angenommen wird, kämpft der Mittwochsmarkt um jeden Kunden. Viele Faktoren seien hierfür verantwortlich, vermutet Beschickerin Hillemacher-Boese, die seit Jahren einen Rückgang des Marktes beobachtet: „Die Lebensgewohnheiten haben sich verändert. Heute bekommt man in jedem Supermarkt Obst, Fleisch und Gemüse. Wer hat Mittwochmorgens Zeit einzukaufen?“ Früher gingen vor allem die Hausfrauen auf den Markt. Seitdem immer mehr Frauen arbeiten, hat sich auch die Besucherzahl verändert.

Sandra Hillemacher-Boese (rechts) und ihre Verkäuferin Maria Mohr stehen mittwochs auf dem Markt und verkaufen Äpfel. Für sie als Selbsterzeuger ist der Markt sehr wichtig, um die Ware zu verkaufen. Foto: ZVA/Anne Schröder

Ralf Walraff vom Stadtmarketing kennt die Zulaufprobleme mit Märkten an Wochentagen: „In anderen Städten müssen teilweise die Wochenmärkte schließen. Unter der Woche, egal an welchen Wochentag, ist der Zulauf schwierig. Wir sind sehr froh, dass es in Eschweiler noch einen Markt am Mittwoch gibt und wollen ihn auch weiterhin behalten.“

Ein Hauptproblem für den vergleichsweise geringen Zulauf sehen die Beschicker aber in der Verlegung des Marktes, wenn der Platz für andere Veranstaltungen vorgesehen ist wie beispielsweise an Karneval, Weihnachten oder andere Stadtfeste. Dann wird der Wochenmarkt vor das Rathaus verlegt.

Immerhin eine feste und nicht weit entfernte Adresse, die vielen Kunden bekannt ist. Im vergangenen Jahr wurde der Wochenmarkt insgesamt 16 Mal verlegt, 2019 soll er an 15 Tagen am Rathaus sein. Dennoch sei es dort aufgrund der Nähe zur Indestraße sehr laut und die Parkmöglichkeiten sehr schlecht, heißt es von Kunden- und Beschickerseite. Der typische Marktflair fehlt. Auch die Enge der Wege sei für ältere Menschen und für Eltern mit Kinderwagen ungünstig.

Shefki Gllareva steht hinter dem einzigen Gemüsestand auf dem Wochenmarkt. Über mehr Vielfalt würde er sich freuen, damit auch mehr Kunden kommen. Foto: ZVA/Anne Schröder

„Wir haben uns bei der Wahl zum alternativen Platz des Marktes mit den Beschickern abgestimmt“, sagt der Sprecher der Stadt, René Costantini. Ende 2017 habe man intensiv über die möglichen Plätze gesprochen. Vor allem als der Marktplatz umgebaut wurde, habe man den Rathausplatz als beste Möglichkeit gesehen, heißt es.

Blumenhändlerin Lucassen erinnert sich noch gut an die Auswirkungen nach der langen Verlegung: „Da haben wir einen richtigen Knick bemerkt. Danach sind fast 30 Prozent weniger Menschen gekommen. Ich kann verstehen, wenn das für neue Händler dann nicht attraktiv ist.“

Wenn das Rathaus Quartier fertig ist und keine Großbaustelle das Bild bestimmt, dann können sich die Händler auch bessere Bedingungen am Rathaus vorstellen. Auch die Parkplatzsituation wird sich dann dort entspannen“, sagt Costantini. „Es ist unsere Priorität Nummer eins, den Wochenmarkt möglichst wenig zu verlegen und drumherum zu planen“, sagt er. „Wir wissen auch, dass es für die Beschicker nicht einfach ist.“

Ideen, um den Markt attraktiv zu halten gibt es

Was also tun, um die Situation für den Mittwochsmarkt zu verbessern? Hillemacher-Boese fände eine Verpflichtung für beide Markttage sinnvoll: „Es sollte festgelegt werden, dass die Beschicker, die samstags kommen wollen, auch mittwochs auf dem Markt stehen“, sagt sie. Allerdings stoße die Stadt bei vielen Händlern hierbei auf taube Ohren. „Das funktioniert leider nicht, haben wir in den Gesprächen mit den Händlern festgestellt“, sagt Ralf Walraff vom Stadtmarketing. „Die möchten es einfach nicht. Es wäre eine Mischkalkulation und rentiert sich nicht für sie, wenn sie nur an einem Tag Gewinn machen würden.“ Dabei gibt es auch Modelle, um den Eschweiler Markt für Händler attraktiv zu machen. „Wenn jemand zum ersten Mal kommt, darf er auch zunächst ohne Gebühr dort stehen“, sagt Ordnungsamtsleiter Michael Effenberg und ergänzt: „Wer mittwochs und samstags kommt, dem wird auch bei den Kosten entgegengekommen.“

Werbung sei in der Stadt weiterhin in Planung. Auch neue Händler werden immer wieder angeworben, aber „man könne aber niemanden zwingen, hier zu bleiben“, sagt Walraff. Er weiß, dass Backware und vor allem Fisch sehr erwünscht seien, man müsse jedoch auch wen finden, bei dem – vor allem bei Letzterem – die Qualität und die Rahmenbedingungen stimmen.

Ein Ansatzpunkt sei laut Walraff vom Stadtmarketing ebenfalls, den Platz generell attraktiv und belebt zu halten. Mit Veranstaltungen wie beispielsweise einer Bierbörse oder einem möglichen Abendmarkt mit Getränken und Fingerfood als Ausklang des Arbeitstages in Absprache mit dem lokalen Einzelhandel. Ein Abendmarkt würde den Marktplatz eventuell beleben, allerdings wenig Absatz für Gemüse- und Obstverkauf bringen, da ist sich Händlerin Hillemacher-Boese sicher.

Der Stand vom Blumenhändler Lucassen ist der größte auf dem Markt und prägt das Bild und den Flair entscheidend mit. Foto: ZVA/Anne Schröder

Als nachhaltige Stadt soll der Verkauf von regionalen, ökologischen und frischen Lebensmitteln gefördert werden. „Deswegen sind auch unsere Nachhaltigkeitsmanager im Kontext des Marktes und der Ideenentwicklung involviert“, sagt Stadtsprecher Costantini.

Ob die Maßnahmen fruchten, muss die Zeit zeigen. Die Kunden möchten ihren Markt nicht missen, sowohl mittwochs als auch samstags nicht. „Ich mag die Atmosphäre. Die Lebensmittel sind regional und man braucht nicht so viele Verpackungen“, sagt Markbesucherin Barbara Jougsma-Türk. Das, was sie bräuchte, bekäme sie hier. Dennoch: „Ein Milchbauer wäre noch schön und mittwochs ein Käsestand“, fügt die 40-Jährige hinzu. Hans-Günter Federau besucht seit mehr als 40 Jahren den Markt. „Man kriegt, was man braucht. Die Frische ist toll. Aber der Wochenmarkt könnte schon attraktiver und vielfältiger sein.“ Ein Markt gehöre an den Marktplatz mit der Kirche als Kulisse, sagt der 71-Jährige.

Es scheint also, als hänge es viel von den Kunden ab, ob diese das bestehende Angebot weiter nutzen und somit mehr Händler auch am Mittwoch auf den Eschweiler Markt locken können. Damit auch unter der Woche ein Treffpunkt mit besonderem Flair zum sozialen Austausch und Einkauf bestehen bleibt.