Eischwiele: „Das ist Wahnsinn! Das ist Weltklasse!“

Eischwiele: „Das ist Wahnsinn! Das ist Weltklasse!“

Es war Festival der Premieren, das 16. Jecke-Tön-Projekt am Fettdonnerstag auf der Marienstraße. Zum ersten Mal seit Bestehen der längst zum Kult gewordenen Konzertreihe rockte ihr „Vater“ Christian Leuchter nicht gemeinsam mit „seinen“ Inde-Singers die Bühne.

Und zum ersten Mal in 185 Jahren Aachener Sparkassengeschichte war es gelungen, den Vorstandsvorsitzenden des Kreditinstituts, das von Anfang an das von ihr und unserer Zeitung präsentierte Festival mitgetragen hat, zu Wieverfastelovend nach Eischwiele zu holen.

Und Hubert Herpers, in stilechter Koch-Montur, zeigte sich begeistert: „So wie hier ist es auf dem Katschhof nie gewesen. Auf dem Öcher Markt ist heute nix los! Das hier ist einfach toll! Da kann man Eschweiler nur gratulieren!“ In der Kaiser- und Domstadt Aachen herrscht in Sachen Straßenkarneval „tote Hose“. Was auch Komitee-Präsident Norbert Weiland, der es sich nicht hatte nehmen klassen, mit seinen Mannen die vieltausendköpfige Jeckenschar vor der Sparkassenbühne zu begrüßen, nicht unkommentiert ließ: „Wenn ich das hier sehe, muss ich sagen: Die janze Öcher hannt einfach ‚ne Eck av! Aachen feiert heute keinen Straßenkarneval. Was dagegen in Eschweiler abgeht, das ist einfach Weltklasse!“

Letzteres konnte auch Prinz Christian III. nur unterstreichen. Angekündigt von seinen Prinzenbläsern und seinem zu Höchstform aufgelaufenen Zeremonienmeister Frank („Wisst Ihr, wen ich Euch mitgebracht habe? Den großen kleinen Mann mit den Federn!“) hatte er an „High Noon“, um 12 Uhr mittags, die Bühne erobert. Christian kam von der „längsten Theke Eschweilers“, aus dem Rathaus. Schon dort hatte der sprichwörtliche Bär getobt. „Frank hat zu mir gesagt: ,Das ist der helle Wahnsinn!‘. Daraufhin hab‘ ich geantwortet: ,Lass uns zur Marienstraße fahren, dann zeig‘ ich dir, was Wahnsinn ist.‘ Das hier, das ist der Wahnsinn!“

Und der soll weitergehen: Sparkassenvorstand Hubert Herpers fasste seine Begeisterung in ein Versprechen: „Das Festival ist einfach toll! Die Sparkasse verspricht, dazu beizutragen, dass das noch viele, viele Jahre so bleibt!“ Klaus Wohnaut, Gebietsdirektor der Sparkasse für Eschweiler (und Stolberg), hatte sehr genau zugehört: „Er hat gesagt: ,Für Eschweiler werde ich in Zukunft alles Mögliche tun!‘“

Um 11.28 Uhr hatte ein donnernder Tusch das Festival eingeleitet. Sparkassenchef Lothar Müller, wie stets beim „JTP“ (Jecke Tön-Projeckt“) in knallbuntem Clowns-Outfit, hatte die ungezählten Jecken auf der gesperrten Marienstraße begrüßt. Zu einer Non-stop-Musikshow, die Jahr für Jahr mehr Jecke aus der gesamten Region nach Eschweiler lockt. „Was kann es Schöneres geben, als he met Üch Fastelovend ze fiere?!“, rief Müller den Pharaonen und FBI-Agenten, Schornsteinfegern und Wikingern, Heinzelmännchen und Blumenkindern, Pinguinen und Rockerbräuten, Clowns und Clowns und Clowns und Clowns vor der Bühne zu. Und versprach: „Wir werden Euch in den nächsten Stunden so einheizen, dass Ihr meint, es sei Hochsommer!“

Und darauf verstanden sich de Fröngde bestens. Die „Einheizer“-Truppe, die ebenso wie die Inde-Singers im aktuellen Eschweiler „Loss mer singe“-Wettbewerb um die Publikumsgunst buhlen, ließen „Colonia“ hochleben und spielten auf Hochdeutsch „Hoppe hoppe Reiter“ mit den Fans, ehe sie mit Schunkelwalzern und Partysongs das Volk begeisterten.

Dass sie das ebenfalls bestens verstehen, das beweist schon seit über 44 Jahren Eschweilers „älteste Boygroup“, die Inde-Singers, die mit Liedern wie „Nä, wat es et Läve schön“, „De Mädcher“ und „Hück oder nie, Marie“ begeisterten. Inde-Singer Matthias Junk hatte vor anderthalb Jahrzehnten die Idee zu einer Freiluft-Musikveranstaltung zu Weiberfastnacht, Kollege Christian Leuchter machte daraus gemeinsam mit dem damaligen Sparkassenchef Klaus-Dieter Bartholomy das Jecke-Tön-Festival.

De Kröetsch legten eine Gedenkminute für den Öcher Straßenkarneval ein, indem sie ihr erstes Stück zunächst gaaaaanz laaaangsaaam spiiiiieeelteeeeen. Dann aber ging wie gewohnt die Post ab. Ebenso wie bei Puddelrüh, die mit ihren Hits („Schatzepaav“, „Caroline“) zum dritten Mal beim Festival antraten und damit Eschweilers jüngste Mundart- und älteste Nachwuchsband sind. Zu guter Letzt griffen Stabelsjeck in die Tasten und Saiten. Die Coverband präsentierte gekonnt ihr erstes eigenes Stück. Titel: „Mir sin stabelsjeck“. Hunderte Fans harrten auch bei Regen bis zum Schluss aus, als Stabelsjeck und die Kröetsch gemeinsam sangen. Sie verdienten sich den Dank der Akteure: „Ihr seid die besten Fans der Welt!“

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