Damensitzung der KG "Lätitia" Blaue-Funken-Artillerie Weisweiler

Karneval : Damensitzung erstmals ohne „Mariacrönchen“

Kult war sie, Kult bleibt sie – auch ohne das Unikum „Mariacron“. Die Weisweiler Damensitzung kann als größte ihrer Art in der Eischwiele Fastelovend gelten, rund 800 Wiever feierten ausgelassen in dem noch sehr jungen Jahr die erste Veranstaltung im närrischen Kalender 2019 in der Festhalle Weisweiler.

Überraschende Neuerungen gab es bei der Damensitzung der KG „Lätitia“ von 1878 Blaue-Funken-Artillerie Weisweiler mehrere. Nachdem Präsident Ralf Hesselmann die Stimmung mit dem Hinweis auf die Datenschutzgrundverordnung nicht gerade anheizte, gab er die Bühne frei für die Damen seines Vereins und für einen rastlosen und stimmungsvollen Abend. Es wurde klar, dass die angereisten und bunt kostümierten Damen auf etwas verzichten mussten, das jahrelang Kult gewesen war: „Mariacrönchen“, die ehemalige und als markante Weinbrand-Flasche verkleidete Sitzungspräsidentin Bruni Pchalek war nicht mehr zugegen, dafür führte nun eine Doppelspitze durch das Programm.

Britta Palm-Brosius und Pia Kolvenbach spielten sich die Moderationspässe über vier kurzweilige Stunden zu und adaptierten zu Beginn den bekannten Song „Die Da?!“ auf die Gegebenheiten ihrer Sitzung. Ehe sie den Stimmungstest in den Reihen des Publikums durchführten und der erste Externe die Bühne bespielte, hieß es Bühne frei für die Blauen Funken. Der Gardeblock hatte die Uniformen angelegt und auch hier gab es eine Neuerung.

Nach dem Sessionsauftakt im November und mitten in der Session musste sich Tanzoffizier Achim Kolvenbach eine neue Gefährtin an seiner Seite suchen, da seine Marie überraschend die Tanzschuhe an den Nagel gehängt hatte. So präsentierte er sich mit seiner frischen Tanzpartnerin Sophie Sommer nach nur zwei Wochen Training auf der Weisweiler Bühne, die beiden wurden nach dieser kurzen Vorbereitungszeit vom Publikum getragen. Während die Einzeltanzmarie Alina Brosius verletzungsbedingt nicht tanzen konnte, boten die Teenies und die Herren der Schöpfung Gardetänze zu bekannten aktuellen kölschen Liedern.

Anschließend sollte Kölsches Programm im Wechsel mit den eigenen Vereinskräften die 800 Damen kräftig bei Laune halten. De Frau Kühne sprang in die Bütt und erzählte über alltägliche Herausforderungen mit ihrem Mann, ihrer Mutter und dem Gewicht, ohne dabei auf Selbstironie zu verzichten. Die Lacher waren ihr sicher und als Zugabe folgte die bekannte Problematik mit Aufzügen.

Die Paveier reihten sich in den Reigen der kölschen Kräfte ein. Mit ihren Liedern der vergangenen Jahre zeigten sie, dass seit Dauerbrenner „Leev Marie“ Hit auf Hit folgt und sie sowohl laut, als auch leise können. Die Damen sogen sowohl die schnellen, als auch die ruhigeren Songs auf, tanzten, schunkelten und sangen mit.

Bekannt für seine Grenzen sprengenden Witze ist Mr. Motombo, auch als Dave Davis bekannt. Multi-Kulti war angesagt und bei allen Klischees, die er aus der Schublade holte, lautete sein Fazit: nicht hetzen, sondern aufstehen und mit dem vermeintlich Fremden in Kontakt treten.

Eine prägende Tanzgruppe, die seit mehreren Jahrzehnten die Farben der Blauen Funken präsentiert, waren die Blue Dance Girls. Vor heimischen Publikum reisten sie mit ihrem Showtanz musikalisch durch verschiedenste Genres und erzählten, welche Träume eine Hausfrau hat. Gas gaben sie und erfreuten die Sitzung nach ihrem Haupttanz mit einer Zugabe.

Wieder zurück nach oder besser gesagt aus Köln, denn Miljö stand parat. Die Band, die man dank ihres mehrjährigen Erfolgs nicht mehr als Newcomer zu bezeichnen braucht, waren abermals zu Gast in der Indestadt, boten Musik zum Mitmachen und hatte auch ihr neues Sessionslied „Schöckelpääd“ im Gepäck.

Es ging wahrlich Schlag auf Schlag, keine Zeit zum Luftholen – vor allem nicht, als das Tanzcorps der Höppe Kroetsch die Bühne enterte und ebenfalls als vereinseigene Gruppe den Jubel auf ihrer Seite hatte. Würfe, Hebefiguren und Tanzschritte boten mit zwei Choreografien ein Gesamtpaket, das sicht- und hörbar die Damen begeisterte.

Und schließlich folgte Brings, die keine Zweifel ließen und die Stimmung weiterhin anheizten. Als Special Guest war Dennis aus Hürth mitgekommen, prollhaft war er, doch gemeinsam mit den Rockern erlebte die Festhalle eine denkwürdige Performance zu „Et jeilste Land“. Auch sie konnten die ruhigen Töne und wurden nicht von Zugaben von der Bühne gelassen.

Bei all dem Neuen, Unerwarteten und Aufregenden, war der Trompetensound „Die Weisweiler“ insofern die Konstante, da sie wie gewohnt das Finale begingen. Sie setzten mit ihrem Karnevalsrepertoire den musikalischen Schlusspunkt eines Abends, der abermals den Ruf der Weisweiler Damensitzung bestätigte: viele Gäste, ausgelassene Stimmung und hochkarätiger Karneval – und im Foyer wurden zahlreich die Karten für die nächste Ausgabe im kommenden Jahr geordert.

(mah)
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