Christoph Häfner will 2020 Bürgermeister in Eschweiler werden

Bürgermeisterwahl 2020 : Christoph Häfner will Bürgermeister in Eschweiler werden

„Aus dem Gerücht wird Gewissheit“: Mit diesen Worten beginnt Christoph Häfner seine Mitteilung, in der der 55-jährige Parteilose seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl 2020 bekannt gibt. Im Interview stellt er sich vor und nennt seine Beweggründe.

Der Werbefachmann, Grafikdesigner und Illustrator Christoph Häfner ist der erste aus der Liste potenzieller Kandidaten, der seine Kandidatur für die Bürgermeisterwahl im Herbst 2020 öffentlich bekannt gibt. Der 55-Jährige ist parteilos und unabhängig. Das heißt, er muss bis zum 16. Juli mindestens 250 Unterschriften im Rathaus abliefern, damit er auch rechtlich als Kandidat zugelassen wird. Bis dahin sind es noch knappe neun Monate Zeit. Bleibt Häfner bei seinem Beschluss? „Es gibt keine Hindernisse mehr. Ich habe mir bei fünf Kindern und als selbständiger Unternehmer alles reiflich überlegt“, betont Häfner.

Im Gespräch mit Carsten Rose stellt er sich vor und erklärt seine Beweggründe – ohne aber bei seinen Zielen ins Detail zu gehen. Denn noch sind nicht alle Visionen ausgereift, und die Konkurrenz soll ihm so spät wie möglich in die Karten schauen.

Herr Häfner, vor der Bundestagswahl 2002 haben Sie als Werbefachmann für diese Zeitung die Plakate der Kanzlerkandidaten Schröder, Stoiber und Westerwelle analysiert. Sie sagten, Plakate transportieren ein Image der Politiker. Schröder wurde in kühlem Licht mit Falten fotografiert: ein sachlicher Arbeiter. Welches Image möchten Sie verkörpern?

Christoph Häfner: Ich möchte gar kein Image transportieren. Alles, was die Bürger von mir hören und sehen, entspricht meiner Persönlichkeit. Ich bin nicht an eine Fraktion gebunden, was mich glaubwürdig macht, weil ich mir meine Meinung erarbeiten kann, um zur besten Lösung zu finden. In meinen Ansichten und Glaubensgrundsätzen möchte ich mich nicht verbiegen, um ans Ziel zu kommen.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit der Kandidatur?

Häfner: Seit knapp zwei Jahren, es war also kein Schnellschuss aus der Hüfte. Ich bin seit Jahren politisch interessiert, Teil der „Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe“. Daher rührte der Gedanke an eine Position, mit der ich die Geschicke mitlenken kann.

Warum dann direkt der große Schritt Richtung Bürgermeisterbüro? Warum nicht erst der kleine in eine Partei, eine Fraktion?

Häfner: Da muss ich etwas ausholen: zu der Geschichte meines Vaters und der meines Großvaters. Mein Vater war leitender Verwaltungsbeamter bei der Stadt Stolberg und ist nie einer Partei beigetreten, obwohl es ihm nahegelegt worden ist. Deswegen ist er auf der Karriereleiter nicht so weit nach oben gestiegen, wie es anders möglich gewesen wäre. Ich habe als Kind mitbekommen, wie er unabhängig geblieben ist und sich nicht verbiegen wollte. Und mein Großvater war während der NS-Zeit in Jülich in der Rüstungsindustrie tätig – und hat sich auch nicht der NSDAP angeschlossen, was ja in den Kreisen üblich war. Er setzte sich auf der anderen Seite für russische Zwangsarbeiter ein, was ihm wiederum im Nachhinein auch das Leben gerettet hat, weil die Russen das hoch anerkannt haben.

Wer ist Ihre Wählerschaft?

Häfner: Alle, die mich wählen sollten, müssten, könnten, sind diejenigen, die auf einen Neuanfang warten. Wir leben in einer Zeit, in denen die Politik an ihre Grenzen kommt, weil die Themen schneller kommen, als die Politik diese bearbeiten kann. Ich habe in vielen Gesprächen mit Bürgern Resignation mitbekommen, was aber sehr viel Potenzial birgt, weil die Menschen sich mehr beteiligen und etwas verändern wollen.

Neuanfang, Resignation: Das sind die Stichworte, die darauf schließen lassen, dass bislang anscheinend nicht alles gut gelaufen ist.

Häfner: Nein, es geht nicht darum, zu sagen, dass jemand etwas schlecht gemacht hat. Ich will es nur anders machen. Die Stadt hat sehr viel im sozialen Bereich wie bei den Kitas getan. Die Stadt wendet viel Energie dafür auf, Kindern und Jugendlichen genügend Raum zu schaffen, und sie bemüht sich, das Vereinsleben als Bindeglied in der Gesellschaft zu stärken.

Die Stadt arbeitet derzeit auch intensiv daran, die Innenstadt zu beleben, um auch wieder mehr Auswärtige nach Eschweiler zu locken. In Ihrer Mitteilung zur Kandidatur sagen Sie: „Andere Städte zeigen, wie es gehen kann. Es ist gut und hilfreich, immer wieder über den Tellerrand zu blicken.“

Häfner: Genau. Ich hatte bereits ein Gespräch mit dem Bürgermeister von Monheim (Anm. der Redaktion: Daniel Zimmermann von der Jugendpartei PETO wurde 2009 mit 27 Jahren dort Bürgermeister; die nun prosperierende Stadt ist ein Paradebeispiel bei Reformen wie Kitagebühren und Gewerbesteuer). Wir haben uns über die dortige Zusammenarbeit von Bürgermeister, Rat und Verwaltung ausgetauscht. Die Stadt hat ja mit den gleichen Themen zu kämpfen wie Eschweiler, aber dort wird mit ganzen Konzepten gegen die Probleme gearbeitet – das ist kein puzzlehaftes Agieren wie hier.

Sie kritisieren, dass sich die Politik nicht fragt, was Eschweiler sein will, wie es hier in 20 Jahren aussehen soll. Wo soll Eschweiler denn Ihrer Meinung nach in Zukunft hin?

Häfner: Ich habe ein kleines Team um mich herum, wir arbeiten seit längerer Zeit an Strategien und Konzepten. Wir arbeiten an einem großen Strauß an Projekten, die alle umsetzbar sind – ohne ins Detail zu gehen. Nur ein Beispiel: Dorfläden. In Stolberg-Vicht gibt es einen seit fünf Jahren. Wir fragen uns: Wo funktioniert etwas? Kann man das für Eschweiler adaptieren und individuell anpassen? Grundsätzlich gilt: Wir wollen bei unseren Themen eine Perspektive für alle Lebensbereiche schaffen.

In Bezug auf Visionen schreiben Sie, dass diese meist als „Spinnerei“ abgetan werden, aber „in der Vergangenheit wurden Nörgler und Zweifler ein ums andere Mal eines Besseren belehrt“. Was meinen Sie damit?

Häfner: Der Talbahnhof ist ein gutes Beispiel, der nicht mehr aus der Stadt wegzudenken ist. Oder der Umbau der Schnellengasse in den 80er Jahren. Oder das Hotel de Ville: Auch damals gab es viel Widerstand gegen das Projekt, aber letztlich war der Verkauf eine weise Entscheidung. Immer wieder wurde gesagt: Das funktioniert nicht.

Sie setzen außerdem auf mehr Bürgerbeteiligung, nennen das „Mitgestalten von Anfang an“.

Häfner: Ja, es muss mehr Bürgerinformationsveranstaltungen geben, der Zugang zu den Entscheidungsträgern bei der Stadt muss direkter sein. Ich habe den Eindruck, dass oft Feigenblattpolitik betrieben wird, also dass Bürger ihre Meinung erst dann äußern können, wenn schon alles entschieden ist. Das Rathaus-Quartier ist dafür ein gutes Beispiel. Eschweiler hat ein großes Potenzial an Menschen, Ideen und Konzepten. Meiner Meinung nach kommen nicht immer die besten Ideen zum Zug, sondern Konzepte, die einer bestimmten politischen Richtung folgen.

Gibt es einen Politiker oder eine gesellschaftliche Person, mit der Sie sich vergleichen würden?

Häfner: Es gibt für mich nicht die eine Leitfigur. Eher sind es Politikentscheidende, die ich an ihren Einzelentscheidungen messe. Zum Beispiel Daniel Zimmermann aus Monheim. Er ist zwar kein Vorbild in dem Sinne, aber ein gutes Beispiel dafür, wie jemand aus guten Beweggründen und ohne Ideologie etwas schaffen kann, wovon die Bürger profitieren.

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