Eschweiler: „Caveman“: Deutsche Adaption erfolgreich

Eschweiler : „Caveman“: Deutsche Adaption erfolgreich

Sage und schreibe über 14.000 Gäste zählte die Kult-Comedy „Caveman“ in den vergangenen Jahren im Bonner Pantheon. Das Broadway-Original „Defending the Caveman“ von Rob Becker brachten Übersetzer Kristian Bader und Regisseurin Esther Schweins auf die deutschen Bühnen.

Die Besucher des Ein-Mann-Bühnenstückes im Kulturzentrum Talbahnhof erlebten jetzt einen blendend aufgelegten Guido Fischer in seiner Solo-Rolle als prähistorischer Gender-Analytiker, der sein Publikum zum festen Bestandteil einer Show mit hohem Entertainment-Wert machte.

Schnell wurde klar: Die ewige Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau nimmt uns seit der humanoiden Frühzeit in Beschlag. Ein Ende dieses komplett sinnlosen wie jederzeit unterhaltsamen Kampfes ist in naher Zukunft ist so gut wie ausgeschlossen. Guido Fischer als „Caveman“ besitzt die seltene Gabe, als Mann dennoch beide archetypischen Rollen gekonnt darzustellen und zu überzeichnen.

„Die Welt ist einfach — Männer sind Scheißkerle“, war da noch eine der mildesten Phrasen, wenn es um die weibliche Beurteilung des männlichen Geschlechtes geht. Auch die Frau als plappernde Karikatur zwischen Einkaufszentrum und Logikverweigerung brachte Fischer stimmlich und gestenreich irgendwie großartig auf die Bühne.

Der Steinzeit-Mann mit dem Keulen-Charme

Die Einführungsphase des Stückes nutzte der agile Fischer zu einem Parforce-Ritt durch die Kultur der Siebziger und Achtziger, inklusive Bonanza-Rad für die Jungs und Gummitwist für die Mädels. Da war scheinbar noch alles in Ordnung.

Wenige Momente später jedoch zeigte Guido Fischer, wie man mit einer Tüte Chips, ein paar Flaschen Bier und ein paar vermutlich benutzen Unterhosen und Socken aus einer schicken Wohn-Höhle eine echte Männer-Hölle macht. Da erschien es plötzlich: das Alter-Ego, der Steinzeit-Mann mit dem Keulen-Charme, der tiefen Stimme und der völligen Verständnislosigkeit für weibliche Ordnungsliebe. Den ließ Fischer mit einfachen Mitteln wie offenem Bademantel, etwas Effekt-Hall auf der Stimme und roter Bühnenbodenbeleuchtung überzeugend erstehen.

Eines der Kunststücke, die der Darsteller wegen der anmutigen Umsetzung gleich zweimal zeigte, war der Bottle-Flip. Eine elegant um die Hochachse geworfene halbvolle Bierflasche sieht nach nur wenigen Sekunden nicht nur herrlich versaut aus, sondern demonstriert auch gleichzeitig die geistige Grundhaltung des Durchschnitts-Machos.

Ob man will oder nicht

Es folgten kurzweilige Anekdoten aus dem gemeinsamen Leben mit der Freundin, die den Schluss zuließen, dass jedes moderne Paar Probleme habe, ob es nun wolle oder nicht. Zum Beispiel mit der im Laufe einer Beziehung abflauenden erotischen Anziehungskraft nebst Eisfüßen unter der Bettdecke. Oder mit dem Kommunikations-Klassiker „Schatz, was hast Du? — Nichts!“ — „Warum betrachten wir Männer und Frauen nicht als zwei völlig unterschiedliche Kulturen?“, war eine der Haupt-Erkenntnisse von „Caveman“.

Oder mit anderen Worten und in Form von zwei Gleichungen: „Frau = Shoppen. Mann = Frühschoppen“. Was letztlich zwischen Mann und Frau falsch läuft, konnte Fischer in gut zwei Stunden zwar auch nicht recht klären, aber die Auseinandersetzung damit war köstlich. Da beide Geschlechter ihr Fett abbekamen, konnte man dem Schauspieler keine Parteinahme nachsagen.

Ein kleines Fazit sei erlaubt: Wenn das Zusammenleben zwischen Mann und Frau reibungslos verliefe, ginge ja niemand mehr in derart lustig-entlarvende Bühnenshows wie „Caveman“.

(psi)
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