Caritas in Eschweiler sucht Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigung

Caritas sucht Betriebe : Chance auf dem Arbeitsmarkt für beeinträchtigte Menschen

Das Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigung zu einem selbstständigen Leben zu verhelfen – und dazu gehört auch ein Job. Die Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW) sucht Betriebe, die ihren Mitarbeitern neue Chancen aufzeigen können. So macht es auch der Reiterhof „Kids auf Trab“.

Jetzt achte ich auf eine gewählte Ausdrucksweise. Ich komme schließlich mit vielen Menschen in Kontakt.“ Marcel Stricker (30) arbeitet drei Tage in der Woche bei „Kids auf Trab“. Auf dem Reiterhof warten fünf Pferde – Amadeus, Caddy Lac, Tigger, Kobold und Jim-Knopf – auf ihre Reiter. Reit- und Diplom-Pädagogin Irene Jacobs fördert mit ihrem Team den individuellen und sozialen Fortschritt entwicklungsverzögerter, lernbehinderter und psychisch beeinträchtigter Kinder, Jugendlicher und Erwachsener.

„Dabei steht die individuelle Betreuung im Umgang mit dem Pferd im Vordergrund. Ziele sind eine günstige Beeinflussung des Befindens, ein Training des Sozialverhaltens und eine Stärkung der Persönlichkeit“, sagt die 56-Jährige, die längst weiß, „dass Therapieerfolge vielfach erwiesen sind und immer wieder für neuen Lebensmut und neue Lebensfreude sorgen.“

„Ich bin der Hausmeister“

Marcel Stricker hört es und strahlt. „Ich bin der Hausmeister auf dem Hof.“ Dabei sind seine Aufgaben vielfältig: Vom Stallausmisten und Pferdeputzen, über Steine schleppen und Rasen mähen, bis hin zum Hufschlag im Sand in der großen Reithalle verschwinden lassen macht der Eschweiler alles, was anfällt.

„Ich wollte immer schon mit Pferden arbeiten. Ich bin so froh, dass ich seit fast einem Jahr bei ,Kids auf Trab’ arbeite“, sagt Marcel Stricker, der dort montags, mittwochs und freitags aufschlägt. An den anderen Tagen arbeitet er in der Gartengruppe der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW), ist im Eschweiler-Werk ansässig.

Acht Werke, sechs Standorte

Das ist eines von acht Werken der CBW an sechs Standorten in der Städteregion. Überall arbeiten Menschen mit Beeinträchtigung in verschiedenen Arbeitsfeldern wie der Wäscherei, der Druckerei, in der Metallverarbeitung, der Radservicestation oder bei den Medizinprodukten. Gruppenleiter und Sozialarbeiter unterstützen die Menschen mit Beeinträchtigung so, dass jeder entsprechend seinen Fähigkeiten seine Arbeit verrichten kann. Da sind die Pausen länger als in den Firmen auf dem ersten Arbeitsmarkt, und das Achten auf die Mitarbeiter ist in den Werkstätten umfassender.

„Die Rahmenbedingungen sind auf die Bedürfnisse des Einzelnen abgestimmt. Ansonsten sind wir ein modernes Unternehmen, das durch Qualität überzeugt“, sagt CBW-Geschäftsführer Michael Doersch. So steht die CBW anderen Firmen auch in puncto Maschinen in nichts nach: Zerspanungsmaschinen, Kreissägen, Hobelmaschinen oder der Aufsitz-Rasenmäher kennen keinen Unterschied zwischen einer Werkstatt und dem ersten Arbeitsmarkt und werden täglich gebraucht.

„Bei uns wird jeder Mensch mit seinen Fähigkeiten und Stärken gesehen. Immer fördern wir unsere Beschäftigten so, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen können, wenn sie es wollen“, erklärt Ferdi Gärtner, Leiter des Sozialen Dienstes der CBW. Deshalb gibt es vier sogenannte Integrationsassistenten in den Werken, damit die Werkstatt für die Mitarbeiter keine Sackgasse ist.

Solch ein Integrationsassistent ist Daniel Malmes. „Wenn ein Beschäftigter der CBW den Wunsch äußert, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu arbeiten, dann suchen wir eine passende Firma, die sich öffnet und mit uns zusammenarbeitet“, erklärt der Kaufmann des Einzelhandels, der seit fast zwei Jahren bei der CBW beschäftigt ist. Als Stolberger hat Malmes viele Kontakte in der Städteregion und baut sie permanent weiter aus. So hat er auch für Marcel Stricker den Arbeitsplatz bei „Kids auf Trab“ gefunden.

„Marcel hatte den Wunsch, mit Pferden arbeiten zu wollen. Also habe ich einen Arbeitgeber gesucht, der ihm Einblicke in das Hofleben gewähren will.“ Dann folgte ein unverbindliches Kennenlernen über ein Praktikum – und der Überleitungsprozess aus der Werkstatt hin zum allgemeinen Arbeitsmarkt begann.

Weil sich Diplom-Pädagogin Jacobs getraut hat, es mit Marcel Stricker zu versuchen, ist ein betriebsintegrierter Arbeitsplatz entstanden. Dabei wird der Mensch mit Behinderung ein Mitarbeiter des anderen Betriebs, genießt jedoch weiter alle Sicherheiten der Werkstatt. Das bedeutet, dass die Werkstatt weiter den Lohn von Marcel Stricker bezahlt und dass die Türen der Werkstatt offen stehen, wenn sich der 30-Jährige auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr wohl oder überfordert fühlen würde.

Selbstvertrauen schaffen

„In der Gartengruppe bei der CBW arbeiten meine Freunde. Es ist wirklich wichtig für mich, immer wieder auch mit ihnen zu arbeiten“, erklärt Stricker, der sich auf die zwei Tage Arbeit mit seinen Freunden genauso freut wie auf die Arbeit mit den Pferden und den Schülern, die auf den Reiterhof kommen.

Dort achtet Marcel nicht nur auf seine Ausdrucksweise, sondern hat auch schon eine Menge von „Kids-auf-Trab“-Geschäftsführerin Irene Jacobs gelernt:„Wenn ein Kind der Regenbogenschule sich traut, mit dem Pferd durch die Halle zu gehen, dann traut sich dieses Kind auch in der Schule, alleine zum Lehrerzimmer zu gehen“, sagt Marcel Stricker mit einem Lächeln.

Er freut sich sehr, dass ihn die Mitarbeiter der CBW bei seinem Wunsch unterstützt haben. „Manchmal kommt es vor, dass ein Beschäftigter von uns auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten will, aber das nicht schaffen würde. Weil wir ihm nicht unsere Erfahrungen überstülpen, besorgen wir ihm trotzdem den Wunscharbeitsplatz als Praktikum. Wenn dann der Beschäftigte merkt, dass der Job nichts für ihn ist, suchen wir eben weiter eine passende Stelle, aber eine andere“, berichtet Integrationsassistent Malmes. Dabei wird darauf geachtet, dass es kein gescheitertes Praktikum gibt: „Manchmal ist das Ergebnis ein anderes als gedacht, aber als gescheitert beurteilen wir nichts“, erzählt Malmes über eine Philosophie der CBW.

Heute ist Pädagogin Irene Jacobs sehr froh, dass Marcel bei ihr arbeitet. Er ist immer da, nimmt die Reitschüler in Empfang: Sehr gewählt spricht er dann, sehr höflich und sehr freundlich.