Caritas erhält verlässlich Besuch von Kollegen aus Frankreich

Arbeit und Methoden der Werkstätten : Caritas erhält verlässlich Besuch von Kollegen aus Frankreich

„Das ist gelebte europäische Zusammenarbeit. Wenn wir ein vereintes Europa haben wollen, müssen wir persönlich und im Kleinen anfangen.“ Dipl.-Ing. Michael Doersch, Geschäftsführer der Caritas Betriebs- und Werkstätten GmbH (CBW), freut sich über zehn Franzosen.

Die sind wie jedes Jahr zu Gast in einem der acht Werke an sechs Standorten in der Städteregion und schauen, was die heimischen Beschäftigten für Arbeit machen. „Seit 30 Jahren gibt es diese Partnerschaft, die ehemals über die Städtepartnerschaft Eschweiler – Wattrelos entstanden ist“, erklärt Geschäftsführer Doersch.

Seither kommen immer andere Beschäftige der französischen Werkstatt in die deutschen Werkstätten der CBW für Menschen mit Behinderung. Eine Woche lang lernen die Franzosen die Arbeit der Deutschen kennen. „Da sitzen sie nebeneinander im Post-Werbe-Versand und machen gemeinsam die Arbeit. Sie bringen sich jeweils die andere Sprache bei und haben sichtlich gute Laune“, sagt Michael Doersch.

Jedes Jahr gibt es auch den Gegenbesuch der Deutschen in der Nähe von Lille. „Die Franzosen haben völlig andere Arbeiten als die Deutschen“, weiß Doersch, der die Beschäftigten schon einige Male begleitet hat. „Ein großer Flugzeugbauer gibt den Partnerwerkstätten in Frankreich lukrative Aufträge. Aber die Werkstätten produzieren auch viele Fahnen“, berichtet der deutsche Geschäftsführer.

Warum gibt es diese Partnerschaft? „Wir besuchen uns gegenseitig, um von den anderen zu lernen“, erklärt CBW-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Michael Doersch, den vor allem die Gewerke in Frankreich interessieren, die in den CBW-Werkstätten nicht angeboten werden. So gibt es bei den Franzosen beispielsweise neben der Montage und Verpackung, den Bürodienstleistungen, der Druckerei und dem Garten- und Landschaftsbau auch einen Reinigungsservice für Privatleute und Bürogebäude. „Natürlich gibt es andere Rahmenbedingungen in Frankreich als bei uns“, weiß Michael Doersch, der auf die Umsetzung bei den Franzosen gespannt ist, wenn er selbst in der Nähe von Lille erlebt, wie dort die Reinigungsfirma arbeitet.

Ähnliche Strukturen

Ähnlich wie die Strukturen der CBW sind die Strukturen bei der französischen Werkstatt, mit dem einen Unterschied, dass die schwerst-mehrfach-behinderten Menschen nicht mit den anderen Beschäftigten zusammenarbeiten. Was ist gleich? Die Mitarbeiter mit Behinderung kommen in Frankreich täglich mit festen Arbeitszeiten in die Werkstätten, wo es auch eine zusätzliche soziale Beratung gibt.

Warum gibt es schon so lange diese Freundschaft über die Grenzen hinweg? „Wir wollen unseren Beschäftigten mehr anbieten als nur die Teilhabe am Arbeitsleben, wenn sie in unseren Werkstätten arbeiten“, sagt Michael Doersch. „Wir geben unseren Beschäftigten die Möglichkeit, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, wenn wir mit ihnen nach Wattrelos fahren“, sagt der Geschäftsführer, der sich jedes Mal über die strahlenden Gesichter der an dem Austausch teilnehmenden Mitarbeiter freut. Und so sorgt die gelebte europäische Zusammenarbeit dafür, dass sich Freundschaften entwickeln und dass die Reisen bilden.

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