Eschweiler: „Burglind“: Entwarnung erst nach 16 harten Stunden

Eschweiler : „Burglind“: Entwarnung erst nach 16 harten Stunden

Diesen 3. Januar werden die Männer der Feuerwehr wohl so schnell nicht vergessen. Das Tief mit dem harmlosen Namen „Burglind“ sorgte dafür, dass sie den ganzen Tag über kaum eine ruhige Minute hatte. Die Serie der sturmbedingten Einsätze begann kurz nach 5 Uhr früh. Und dauerte bis nach 21 Uhr.

Die offizielle Bilanz des Tages; 113 Sturmeinsätze, drei Feuereinsätze, 33 Einsätze des Rettungsdienstes. Eine Lage, die den vollen Einsatz der kompletten Eschweiler Wehr erforderte. Die war mit 125 Kräften im Dauereinsatz, unterstützt von 14 Kräften des Technischen Hilfswerks, zwei mit je zwei Mann besetzten Drehleitern aus Stolberg und Baesweiler und dem fünfköpfigen Team des Kommandowagens. Macht insgesamt 146 Kräfte.

Damit nicht genug, packten zudem etliche Mitarbeiter der Stadtverwaltung sowie der Wirtschaftsbetriebe Eschweiler mit zu und arbeiteten ebenfalls zahlreiche Einsatzstelle selbstständig ab: Einsätze, die in der Zahl der von der Wehr aufgelisteten Einsatzstellen nicht erfasst sind, so dass „Burglind“ insgesamt für deutlich mehr als 113 Einsatzstellen im Bereich der Stadt Eschweiler sorgte.

Die Einsätze wurden über die Einsatzzentrale der Feuerwehr Eschweiler koordiniert, die personell aufgestockt wurde, so dass zeitweise bis zu sieben Mitarbeiter die Notrufe bearbeiteten. Zusätzlich waren ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes sowie ein Fachberater des THW zugegen. Bürgermeister Rudi Bertram sowie Stadtkämmerer Stefan Kaever informierten sich bereits am frühen Morgen persönlich in der Einsatzzentrale über den Stand der Arbeiten.

Die meisten Einsätze galten — zumindest in den Vormittagsstunden — umgestürzten Bäumen aller Gattungen und Größen, die entweder auf Straßen oder Wege aber auch unter anderem auf eine Reithalle, einen Stall mit Tieren, auf Häuser und Autos stürzten. Die Straßen Bohler Heide, Duffenter und Birkengangstraße mussten aufgrund der vielen umgestürzten Bäume für längere Zeit komplett gesperrt bleiben.

Sticher Berg gesperrt

Gesperrt werden musste auch die Straße Stich, da sich dort größere Dachteile einer Halle der Firma F.A. Neuman gelöst hatten. Teile, die zu Boden gestürzt waren oder zu fallen drohten. Hier konnten die Wehrleute nur einige der gefährlichen Platten über die Drehleiter entfernen, da das Dach nicht betreten werden konnte.

Eine Fachfirma übernahm später die weiteren Sicherungsarbeiten, die bis in die Abendstunden dauerten und am Donnerstagvormittag fortgesetzt wurden. Auch die Busse der Aseag konnten diesen Bereich nicht befahren.

Ab Mittag verschob sich dann der Schwerpunkt der Arbeiten in Richtung „Bergung von Dachziegeln“ von Dächern. Aufgrund des sich wieder verstärkenden Windes fielen lose Dachpfannen von den Dächern und gefährdeten Fußgänger und Autofahrer. Bei diesen Arbeiten unterstützten Drehleitern aus Stolberg und Baesweiler die Eschweiler Wehrleute im gesamten Stadtgebiet.

Am Abend galt es zudem, eine rund 15 Meter hohe Tanne in einem Garten an der Dreieckstraße, deren Wurzelballen sich bereits gelockert hatte, zu fällen, ehe sie auf ein benachbartes Wohnhaus stürzen konnte,

Gegen 20.30 Uhr beruhigte sich dann die Einsatzlage, so dass die letzten eingesetzten Kräfte in ihre Standorte zurückkehren konnten. „Feierabend“ war für sie allerdings auch dann noch nicht: Zunächst mussten noch die eingesetzten Gerätschaften gereinigt und teilweise instand gesetzt werden. Wie hoch die Schäden sind, die „Burglind“ in Eschweiler anrichtete, lässt sich nicht sagen. Positiv: „Trotz der zahlreichen Einsatzstellen waren weder bei den Bürgern noch bei den Einsatzkräften Verletzte zu beklagen“, zieht Axel Johnen Bilanz. „Heute,“, so Johnen am Donnerstag, „soll der Wind noch mit Stärke 7 bis 8 wehen, was im Vergleich zu Mittwoch aber fast als laues Lüftchen bezeichnet werden kann.“ Da erreichte „Burglind“ Orkanstärke: Windstärken von 11 bis 12 stehen für Windgeschwindigkeiten von 103 bis über 117 km/h.

(rpm)