Eschweiler/Stolberg: Bürgermeister verärgert über Schließung des Kabelwerks

Eschweiler/Stolberg: Bürgermeister verärgert über Schließung des Kabelwerks

Die Ankündigung, dass das Prysmian-Kabelwerk Lynen zum Jahresende geschlossen wird, hat auch Bürgermeister Rudi Bertram eine schlaflose Nacht beschert.

Am späten Montagnachmittag waren der Werksleiter und Oberwerksleiter Dr. Jürgen Glässner bei Bertram, um ihm persönlich die schlechte Nachricht zu überbringen.

„In dem Gespräch wurde ganz klar gesagt, dass niemandem Hoffnung gemacht werden kann”, sagt der Bürgermeister. „Das ist ein Schlag für die Stadt”, erklärt er weiter und macht auch seinem Ärger Luft. Dabei bezieht er sich auf einen Artikel aus Börse Online vom 7. September, in dem steht:

„Eine spürbare Ergebnisverbesserung trauen Analysten Prysmian zu. Dem Kabelhersteller ist von Nutzen, dass er 2011 durch Kauf des niederländischen Konkurrenten Draka zur weltweiten Nummer eins aufgestiegen ist. Dadurch haben die Italiener vor allem das Telekomgeschäft ausgebaut. Im ersten Halbjahr haben sie das bereinigte Ebitda um 14,4 Prozent gesteigert. Dabei verspürten sie eine höhere Nachfrage aus dem Offshore-Ölsektor und aus dem Bereich erneuerbare Energien, vor allem in Amerika und Deutschland. Vorstandschef Valerio Battista hat für das Gesamtjahr ein bereinigtes Ebitda von 600 bis 650 Millionen Euro geplant. Es ist wahrscheinlich, dass wir mit 625 bis 650 Millionen Euro das obere Ende erreichen werden, sagt er. Die mittelfristigen Perspektiven sind gut. Laut Schätzungen wird die Telekombranche ihre Glasfasernetze bis 2015 weltweit um 35 Prozent ausbauen. Zudem prognostizieren Experten, dass bis 2020 die Leistung der Stromnetze in Europa um 250 Gigawatt aufgestockt wird. Der Ausbau der Infrastruktur geht einher mit einem hohen Kabelverbrauch.”

Viele Mitarbeiter des Eschweiler Kabelwerks sind der Firma seit vielen Jahren treu. „Sie identifizieren sich mit diesem Unternehmen. Da sind Mitarbeiter, die dem Werk seit 30 Jahren und mehr angehören”, sagt Bertram. Der Betriebsratsvorsitzende des Kabelwerks, Peter Heidbüchel, hatte bereits kurz nach der Verkündung der Werksschließung die Personalpolitik der vergangenen Jahre kritisiert. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter liege bei etwa 50 Jahren. Entsprechend schwer werde es, diese Mitarbeiter wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, weiß der Bürgermeister, der mit dem Betriebsrat jetzt „ganz eng zusammenarbeiten will”.

Viele spezielle Tätigkeiten

„Das wird keine einfache Sache”, sagt auch Gewerkschaftssekretär Georg Moik. Zum einen auf Grund der Altersstruktur, zum anderen gebe es viele spezielle Tätigkeiten im Kabelwerk. Die üblichen Instrumente wie Transfergesellschaft, Interessenausgleich und Sozialplan sind nun im Gespräch. In Kürze werden die Verhandlungen mit der Firmenleitung beginnen.