Architekten, Bauzeichner, Stadtplaner und Ingenieure: Bürgermeister klagt über Ingenieurmangel in Eschweiler

Architekten, Bauzeichner, Stadtplaner und Ingenieure : Bürgermeister klagt über Ingenieurmangel in Eschweiler

In deutschen Städten wird die Infrastruktur zu einem immer größeren Problem. Schul- oder Straßenbauprojekte verzögern sich, auch der Breitbandausbau ist betroffen. Der Grund dafür ist allerdings keine finanzielle Hürde, die Schwierigkeit liegt in einem ganz anderen Bereich.

Vielerorts fehlen Ingenieure im öffentlichen Dienst, die die Investitionen umsetzen. Auch die Stadt Eschweiler ist davon betroffen.

Wie Bürgermeister Rudi Bertram berichtet, arbeiten bei der Stadt zurzeit 56 Beschäftigte im Bereich Technik. Dazu zählen unter anderem Architekten, Bauzeichner, Stadtplaner und Ingenieure. Das ist aber nicht genug: Sie reichen nicht aus, um die neun aktuell laufenden größeren Hochbauprojekte im Zeitplan umzusetzen. Hinzu kommen weitere kleinere Baumaßnahmen.

Immer öfter kommt es zu Verzögerungen im Ablauf. „Im Moment sieht es so aus, als würden wir alle für den Haushalt 2018 genehmigten Projekte auch noch umsetzen können“, so Bertram, „ab dem Jahr 2019 wird es aber eng.“ Für die Zukunft sei ein größeres Problem zu erwarten, sowohl in den eigenen Reihen als auch im Zusammenspiel mit privaten Unternehmen.

Deshalb hatte das Bauordnungsamt zuletzt Ingenieure und Architekten gesucht, allerdings ohne nennenswerten Erfolg. „Es gibt einfach keine adäquaten Bewerber, in der Nachbesetzung für Tiefbau und Planung haben wir wirklich ein Problem“, klagt der Bürgermeister. Insgesamt waren drei Stellen ausgeschrieben, pro Stelle hatten sich zwischen vier und acht Bewerbern gemeldet. Trotzdem kann voraussichtlich nur eine Stelle besetzt werden. Bertram begründet das so: „Neben den auf dem Papier erforderlichen Voraussetzungen müssen auch weitere Kriterien für unser Team erfüllt werden.“

Zusätzliche Anreize schaffen

Damit die Bewerberlage sich in Zukunft etwas bessert, feilen Bertram und seine Mitarbeiter an Konzepten, um zusätzliche Anreize zu schaffen. Zum einen geht es um finanzielle Motivation, aber auch flexible Arbeitszeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten spielen eine Rolle. „Wir wollen familienfreundliche Arbeit schaffen“, gibt der Bürgermeister als Ziel aus.

Außerdem liegt der Fokus auf dem Nachwuchs. Geplant ist zum einen, eigene Leute im Bereich Technik auszubilden, unter anderem als Bauzeichner. Die Erfahrung hat gezeigt, dass so das Problem des Personalmangels zumindest eingedämmt werden kann. Im Verwaltungsbereich bildet die Stadt zum Beispiel selbst aus, dort gibt es keine Probleme. Kritisch ist es auch im Sozialbereich, noch kann der Bedarf in Eschweiler dort aber gedeckt werden.

Ein duales Ingenieursstudium bei der Stadt Eschweiler hält Bertram hingegen vorerst für unrealistisch. Eine Möglichkeit, überhaupt an die technischen Berufe herangeführt zu werden, sieht er aber in Praktika: „Das können wir Schülerinnen und Schülern anbieten, damit sie erstmal ein Gefühl für den Bereich bekommen.“

„Fast kaputt gespart“

Der Missstand ist das Ergebnis eines jahrelangen Prozesses, der bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen hat. Laut einer Studie der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) schufen Kommunen in Deutschland zwischen 2006 und 2016 zwar insgesamt gut 100.000 neue Vollzeitstellen, die Zahl der Mitarbeiter im Bereich Bauen und Wohnen ging seitdem allerdings um fast 8000 Stellen zurück. Für Eschweiler kann Bertram diesen Trend zwar so nicht bestätigen, er spricht von einer Konstante, „aber diese war auf einem Niveau, das immer am Limit war.“

Als Ursprung für den Investitionsstau macht er die Sparmaßnahmen der Aufsichtsbehörden aus. „Man hat uns fast kaputt gespart“, mahnt der Politiker. Das zeige sich aktuell in Eschweiler zum Beispiel an der Don-Bosco-Schule, wo sich die Baumaßnahmen verzögern. Für den Bau der Mehrzweckhalle fehlte ein Zimmerer. „Wir haben die eigenartige Situation, dass Geld da ist, aber es an anderen Punkten hapert“, so Bertram.

Die Stellen bei der Stadt Eschweiler, die im Übrigen schon zum zweiten Mal ausgeschrieben waren, sind immer noch nicht restlos besetzt. Die Stadt verweist ausdrücklich darauf, dass sich auch Berufsunerfahrene bewerben können. Alle Informationen zu Stellenausschreibungen unter:

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