Eschweiler: Bürgermeister Bertram: „Sparen ist gut, es muss aber sinnvoll sein“

Eschweiler : Bürgermeister Bertram: „Sparen ist gut, es muss aber sinnvoll sein“

Kommunale Finanzen, Investitionen, Digitalisierung als „das“ (überregionale) Zukunftsthema, der Strukturwandel im Angesicht der Energiewende und der absehbaren Schließung des Kraftwerks Weisweiler — die Liste der Stichworte war lang, die Rudi Bertram während seines Vortrags im Hotel de Ville ansprach.

Auf Einladung der Gesellschaft Erholung Eschweiler war der Bürgermeister vor Ort, um seine Einschätzung der nahen Zukunft der Indestadt zu geben. „Sie haben mich gebeten, über ‚große‘ Themen zu sprechen. Hier steht Stadtentwicklung pur auf der Tagesordnung“, machte Rudi Bertram zu Beginn seiner Ausführungen deutlich. Um kurz darauf einen Satz auszusprechen, der lange Zeit als utopisch galt: „Die Stadt Eschweiler hat das Jahr 2017 mit einem Haushaltsüberschuss abgeschlossen. Und auch im Hinblick auf 2018 kann von einem Überschuss ausgegangen werden.“

Zur Ehrlichkeit gehöre aber, klarzustellen, dass dieses Ergebnis nicht zuletzt auf Grund einiger äußerer Faktoren zustande komme: „Nach Jahrzehnten, in denen den Kommunen immer mehr Aufgaben aufgebürdet wurden, die sie dann auch noch selbst zu bezahlen hatten, werden die Bürgermeister inzwischen gehört.“ Sowohl vom Bund als auch vom Land fließe mehr Geld in die Stadtkasse. Wobei nicht vergessen werden dürfe, dass im vergangen Jahr Wahlkämpfe für den Landtag und den Bundestag samt Versprechungen stattgefunden hätten.

Weniger Soziallasten

Weitere Aspekte seien der Rückgang der Zahl der Flüchtlinge und die damit geringer werdenden Soziallasten für die Stadt sowie die außergewöhnliche Zinssituation, die „fast nicht mehr nachvollziehbar“ sei. „Diese ist jedoch temporär. Deshalb gilt es, vorausschauende Politik zu machen, bei der die Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Sparen ist gut, es muss aber sinnvoll sein. Schließlich sind auch für jeden Geschäftsmann Investitionen unabdingbar“, so Rudi Bertram.

Kein Weg führe daran vorbei, den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen. „Eschweiler wächst. Es werden wieder mehr Kinder geboren und darüber hinaus ziehen Menschen hierher. Deshalb bauen wir Kindergärten.“ Das Schlagwort „Schule 2020“ reiche von der Renovierung der Schultoiletten bis zur Bereitstellung digitaler Lernplätze. „Der Begriff Digitalisierung greift überall.

Der Endpunkt dieser Entwicklung ist gar nicht absehbar“, weiß Rudi Bertram, der dennoch fordert, den „normalen Alltag“ nicht aus den Augen zu verlieren. Die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, benötige Zeit. „Die Polizei wird finanziell und personell wieder besser ausgestattet. Doch neues Personal muss ausgebildet werden. Das dauert!“

Auf wackeligen Füßen

Sorgen bereitet Rudi Bertram das Gesundheitswesen, dessen Finanzierung auf wackeligen Füßen stehe. „Das System ist in manchen Bereichen schlicht unterfinanziert!“ Auch in der Städteregion Aachen fehlten Fachärzte. Klar sei, dass die Sicherstellung der medizinischen Versorgung aller Bürger zu den originären Aufgaben der Politik zähle, äußerte sich Rudi Bertram unmissverständlich, um sich kurz darauf dem erneuten Strukturwandel innerhalb der Indestadt und der Region nach dem Ende der Braunkohleförderung zu widmen.

„Es wird in den kommenden zwei Jahrzehnten einen Umbruch geben. Doch Veränderungen bieten immer auch Chancen.“ Als Stichworte nannte Rudi Bertram die Kooperationsprojekte Innovationsregion Rheinisches Revier und Indeland, in denen sich Kommunen zusammengeschlossen hätten, um handlungsfähiger zu werden. Auch die Hochschulen (Thema Elektromobilität), die Industrie- und Handwerkskammer sowie die Gewerkschaften würden natürlich in die Zukunftsplanungen einbezogen. Vorzüge, mit denen Eschweiler wuchern könne, seien neben der außergewöhnlich guten Anbindung an die Autobahn die nach wie vor vorhandenen Gewerbeflächen, auf denen Industriegebiete entstehen könnten.

Innenstadtentwicklung

Fakt sei, dass die Zeit dränge. „In den nächsten zwei bis drei Jahren müssen richtungsweisende Entscheidungen fallen“, so der Verwaltungschef, der in diesem kleinen Zeitfenster ein Problem sieht. „Aufgrund der Geschwindigkeit sehe ich die Gefahr, dass die Menschen sich nicht mitgenommen fühlen. Der Strukturwandel muss so gestaltet werden, dass das Wohl der Bürger im Vordergrund steht“, so die Forderung.

In Sachen „Innenstadtentwicklung“ äußert sich Rudi Bertram zuversichtlich, dass im Bereich des ehemaligen City-Centers bis zum Jahr 2020 Wohnungen und Einzelhandelsgeschäfte entstehen werden. „Darüber hinaus investieren wir in den sozialen Wohnungsbau“, will Rudi Bertram die Infrastruktur Eschweilers verbessern. „Wohnungen sind in Aachen für den normalen Bürger fast unbezahlbar geworden. Auch Würselen ist praktisch zu, während die Nachfrage in puncto Wohnraum in Eschweiler vorhanden ist und weiter steigt“, schloss der Bürgermeister.

(ran)