Eschweiler: Bündnis 90/Die Grünen: Gudrun Zentis über Energie und Strukturwandel

Eschweiler: Bündnis 90/Die Grünen: Gudrun Zentis über Energie und Strukturwandel

Es sind Themen, die gerade in Eschweiler starke Emotionen hervorrufen: der Kohletagebau sowie dessen Nutzen und Folgen. Tatsache ist, dass nach heutigem Stand das Kraftwerk Weisweiler im Jahr 2030 abgeschaltet werden soll.

Die Indestadt steht also vor einem erneuten Strukturwandel. Während des öffentlichen Ortsverbandstreffen von Bündnis 90/Die Grünen in der Gaststätte „Haus Lersch“ war nun die Landtagsabgeordnete Gudrun Zentis zu Gast, um unter der Überschrift „Ökologische und politische Verantwortung beim Braunkohleabbau im Rheinischen Revier“ zu referieren und anschließend mit den Gästen zu diskutieren.

„90 Prozent der abgebauten Braunkohle wird heutzutage zur Stromgewinnung in Kraftwerken verbraucht“, erklärte die in Nideggen lebende Landespolitikerin, die unter anderem Mitglied des Unterausschusses „Bergbausicherheit“ ist, zu Beginn ihres Vortrags. Aber: „Im Jahr 2013 hat die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien erstmals den Anteil des Braunkohlestroms übertroffen. Wir sind also nicht mehr auf die Braunkohle angewiesen!“

Vielzahl von Problemen

Klar sei, dass die angestrebten Klimaschutzziele nur ohne den Abbau von Braunkohle zu erreichen seien. Die Stichworte Klima, Grundwasser, Grob- sowie Feinstaub, Lärm und Bergschäden umschrieben einige der durch den Braunkohleabbau verursachten Probleme.

„Die Wassermenge, mit der der Tagebau Hambach aufgefüllt werden muss, beläuft sich auf 33,8 Milliarden Kubikmeter. Als Konsequenz wird ein Teil des Wasserlaufs des Rheins um zwei Zentimeter abgesenkt werden müssen. Dies hört sich nicht dramatisch an, doch die Niederländer werden ihre Schiffe nicht mehr so stark beladen können“, betonte Gudrun Zentis.

„Feuchtgebiete fallen trocken“

Grundsätzlich seien die Folgen einer großflächigen Absenkung des Grundwassers erheblich. „Feuchtgebiete fallen trocken. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft sind nicht zu unterschätzen. Und was passiert eigentlich beim Wiederanstieg des Grundwassers? Stehen dann Straßen unter Wasser?“, fragte die Diplom-Finanzwirtin, die im RWE-Kraftwerk Weisweiler ein „Paradebeispiel“ eines Problemverursachers sieht.

„Das Kraftwerk Weisweiler verfügt über die ältesten Blöcke weit und breit, erreicht mit einer Stromeffizienz von nur 30 Prozent einen denkbar schlechten Wert, ist dafür aber Spitzenreiter bei den Schadstoffwerten. Allerdings wirft das Kraftwerk hohe Gewinne für das Unternehmen RWE ab, da es bereits abgeschrieben werden konnte“, kritisierte die Referentin, die abschließend den Blick in die Zukunft richtete.

„Wir verfolgen eindeutig das Ziel, die Nutzung von erneuerbaren Energien auszubauen. Natürlich ist es nicht möglich, alle Kohlekraftwerke sofort abzuschalten. Aber wir sollten uns auf den Weg machen, wesentlich effizienter zu werden!“ Zur Umsetzung der Energiewende sei es noch ein weiter Weg, doch zum Wohle des Industriestandorts NRW sei es undenkbar, neue Tagebaue aufzureißen.

„Mit der RWTH, der FH mit ihrer Dependance in Jülich, dem Forschungszentrum Jülich und der vorhandenen Maschinenbauindustrie sind in der Region die Voraussetzungen vorhanden, den Strukturwandel entschlossen anzugehen. Die Umwandlung von Bombardier zu einem Unternehmen, das sich der Elektromobilität widmet, ist ein Beispiel“, unterstrich Gudrun Zentis.

„Nach mir die Sintflut“

Eigentlich müsse es auch die Aufgabe des RWE-Konzerns sein, sich wesentlich stärker zu engagieren. „Ein Wirtschaftszweig fällt weg, also muss sich das Unternehmen auf neue Füße stellen. In dieser Hinsicht kommt von RWE aber sehr wenig. Doch es kann nicht sein, dass man das Land verwüstet und sich dann nach dem Motto ‚nach mir die Sintflut‘ verabschiedet“, schloss die Landtagsabgeordnete ihre Ausführungen.

Auch Franz-Dieter Pieta, stellvertretender Sprecher der Stadtratsfraktion der Grünen, ist überzeugt, dass in Sachen „Energiewende“ noch ein weiter Weg vor der gesamten Gesellschaft liegt: „Ein Problem in und für Eschweiler ist, dass die kritische Auseinandersetzung mit dem Tagebau, dem Kraftwerk und mit RWE als Majestätsbeleidigung angesehen wird.“

(ran)
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