Eschweiler: Blues und Rock mal dezent mit dem Quartett von Neil Black

Eschweiler : Blues und Rock mal dezent mit dem Quartett von Neil Black

Eines muss man den Machern der Clubkonzert-Reihe „Blues meets Rock“ in diesem Jahr bislang lassen: Sie schaffen echte Abwechslung. Immer nur „Power Trios“, die sich zu dritt lautstark die Seele aus dem Leib spielen, muss nicht sein. Einen weiteren Beweis dafür, wie man Blues- und Rock auf einer dezenten Welle rüberbringen kann, lieferte das Quartett von Neil Black am vergangenen Dienstagabend im Rio in der Schnellengasse.

Black, den man eher in die Abteilung Texas Rock hineinkategorisieren würde, wenn man es denn wollte, lieferte zwei Stunden lang völlig entspannte und kontrastreiche Musik mit anfangs sogar lateinamerikanischen Elementen, einem nicht bis zum Anschlag aufgedrehten Verstärker und einer bestens eingespielten Band.

Taj Mahal und Poppa Chubby

Neil Black ist ein echter Songwriter und hat schon über 200 Stücke komponiert, darunter für Musikerkollegen wie Taj Mahal und Poppa Chubby. Die Liste der Stars, die ihm ihr Vertrauen in den vergangenen Jahrzehnten live und im Studio schenkten, sprengte den Rahmen dieses Beitrages bei weitem. Seine sonore Stimme vermittelt eine Art „Good Time Rock“, die auch auf nicht so üppige Publikumszahlen große Wirkung hat. Knapp 40 Livemusikfans wollten das im Rio sehen und hören.

Sie ließen sich auf die angenehme Black‘sche Klang-Landschaft ein und klatschten schon bei der zweiten Nummer des Abends lautstark rhythmisch mit. Und Neil Black ist ein charmanter Erzähler, der seinen Gästen gerne Komplimente macht. Bereits zum zweiten Mal in Eschweiler, machte er die Indestadt vollmundig zu seiner „Lieblingsstadt in Deutschland“.

Als er dann allerdings erklärte warum, war deutlich, dass er vielleicht doch ein wenig in den Deutschland-Klischees hängengeblieben ist. Liebe geht auch bei Musikern durch den Magen, weswegen er unserer Heimat liebevoll das Gourmet-Prädikat „Land of the Schnitzels“ verlieh.

Musikalisch stach bis zu diesem Zeitpunkt vor allem Mike Latrell, der Keyboarder der Neil-Black-Band, ins Ohr. Der war auch schon mit Legenden wie Buddy Miles auf der Bühne. Seine teils jazzige Tastatur verlieh dem Quartett einen äußerst ausgewogenen Sound.

Einen ganz besonderen Griffbrett-Wanderweg beschritt die Band beim Bo-Diddley-Klassiker „Who do You love?“. Da zeigte Neil Black auch mal, was er solistisch so drauf hatte und wechselte ansatzlos mitten im Stück hinein in eine Hommage an „3rd stone from the sun“ von Jimi Hendrix. Wie sich ein Bass dazu geschmackvoll bedienen lässt, zeigte der französischstämmige Abder Benachour, der für seine Soli ebenfalls mehr als warmherzigen Applaus erhielt.

Etwas andachtsvoll

Einige Zuschauer wünschten sich im zweiten Teil vielleicht doch etwas mehr körperliche Bewegung. Das Quartett stand zwischenzeitlich schon etwas andachtsvoll auf der Bühne herum, aber fairerweise sollte man erwähnen, dass man nie weiß, wie viele Stunden die Jungs schon im Tourbus verbracht haben, bevor sie bei uns angekommen sind.

Spannend dürfte es übrigens im Juli werden, wenn die talentierte Spanierin Susan Santos ins Rio kommen wird. Just an dem Tag finden zwei WM-Achtelfinals statt. Mal schauen, ob sich die Musikfans trauen, den Fernseher gegen den Saal im Rio zu tauschen.

(psi)