Eschweiler-Dürwiß: Blitzhochzeit von Dürwißer Ehepaar hält seit 70 Jahren

Eschweiler-Dürwiß: Blitzhochzeit von Dürwißer Ehepaar hält seit 70 Jahren

„Es war schon ein Chaos“, erinnert sich Elfriede Gerhards zusammen mit ihrem Mann Willi an ihre Hochzeit. Am 14. August 1948 gaben sich die zwei das Ja-Wort — und das nicht nur aus Liebe. Denn erst als Ehepaar konnten Willi und Elfriede Gerhards in die gemeinsame Wohnung in Dürwiß ziehen. Heute feiern sie nach 70 Jahren ihre „Gnadenhochzeit“.

Aber was ist ihr Geheimnis? „Ich als sture Westfälin und Willi als leichtsinniger Rheinländer haben uns nie im Streit getrennt. Wir haben uns erst vertragen, bevor wir zu Bett gegangen sind, und uns gleichzeitig ausgeglichen“, erläutert die gebürtige Paderbornerin.

Sie und ihr Ehemann hatten sich während des Krieges im Jahr 1941 kennengelernt. Denn er war als Rekrut in Paderborn beschäftigt. Damals hatte Willi Gerhards seine Elfriede angesprochen und er wusste: „Sie ist die Richtige!“ Warum? „Elfriede konnte kochen, backen und nähen“, berichtet der 94-Jährige lachend.

Im Krieg nach Russland

Nach sechs Wochen Kennenlern-Zeit musste er nach Russland, bis er 1945 wieder den Weg zu seiner Geliebten fand. In dieser Zeit hielten sie einen stetigen Kontakt mit Fernpostbriefen. Bei ihr hatte er damals bei seiner Ankunft auf eine Bleibe gehofft, aber da durch den Krieg das Familienhaus von Elfriede Gerhards zerstört worden war, musste er sich anderweitig umschauen. So fand er schließlich eine Unterkunft mit einer Arbeit in Schloss Neuhaus.

Im Juni 1945 zog es Willi Gerhards dann in das vertraute Dürwiß und sie sahen sich erneut für eine längere Zeit nicht. Aufgrund der teuren Zugfahrt von 56 Mark konnten die beiden es sich damals nicht leisten, sich in dem einen Jahr zu besuchen. Währenddessen versuchte Willi Gerhards, die Genehmigung der Stadt Aachen für das Haus mit dem in Aussicht stehenden Lebensmittelgeschäft zu erlangen. Denn in Aachen befand sich damals der Regierungssitz und daher war das Paar auf diese Entscheidung angewiesen.

Nach einem Dreivierteljahr erhielten die beiden die Zustimmung für die darüber liegende Wohnung, aber nur als verheiratetes Paar. So wurde am 14. August 1948 eine Blitzhochzeit in Eschweiler arrangiert — ohne Heiratsantrag, diesen „ersetzte“ quasi ein Telegramm mit der Bestätigung der Hochzeit an die Behörden. Nach der ganzen Aufregung konnten Elfriede und Willi nun endlich ein gemeinsames Leben beginnen.

Zwei Töchter und drei Enkelkinder hat die lange Ehe hervorgebracht. „Das ist unser Schatz, unser Glück, unser Stolz!“, lächelt Elfriede Gerhards mit Tränen in den Augen. Denn vor ein paar Jahren mussten sie ihre Enkelin Yvonne zu Grabe tragen, was die ganze Familie immer wieder zu Tränen rührt. Aber nicht nur die Trauer lässt sie an ihre verstorbene Enkelin erinnern, sondern auch die schönen Momente. „Ich nähe sehr gerne und das wissen meine Enkelkinder. Deswegen durfte ich unter anderem für Yvonne die tollsten Sachen, die sie sich wünschte, nähen“, erzählte die 91-Jährige.

Tägliche Zeitungslektüre

Die Zeitungslektüre zählt ebenfalls zu den Lieblingsbeschäftigungen. „Seit über 60 Jahren lesen wir die Eschweiler Zeitung, die früher Bote an der Inde hieß“, erinnern sich die Eheleute Gerhards. „Willi freut sich, wenn er sich eine Stunde lang der Zeitung widmen kann“, berichtet Elfriede Gerhards.

Jedoch war es für sie, Elfriede Gerhards, damals nicht einfach, dass bekannte Plattdeutsch zu verstehen: „Ich kam nach Dürwiß und verstand die Leute nicht.“ Sie schildert eine amüsante Begebenheit in den ersten Jahren. Sie wurde von einem kleinen Jungen nach einem „halef Pongk Botte“ im Lebensmittelgeschäft gefragt, aber sie wusste nicht, was er haben wollte.

Deswegen fragte sie ihn, was seine Mutter damit machen wolle. Er meinte: „Supp kauche!“ Damit konnte sie jedoch auch nichts anfangen und sagte ihm, er solle zurückgehen und aufschreiben lassen, was er genau braucht. Dann stemmte der Junge seine Hände in die Hüfte und sagte: „Da leck misch in de Taisch, kassde kee Dütsch verstonn?“

Heute wohnt das Ehepaar immer noch in Dürwiß über seinem ehemaligen Geschäft und in diesen Räumlichkeiten feiert die ganze Familie mit Bekannten und Freunden am Dienstag die „Gnadenhochzeit“. Am 28. Dezember wird dann die Wiederkehr der kirchlichen Trauung im kleinen Rahmen mit einer Messe zelebriert.

(tcre)
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